1.
Der FC Bayern Mün­chen ist nicht der erste deut­sche Verein, der ein Gast­spiel bei den Römern mit einem Besuch im Vatikan ver­bindet. Im Dezember 2000 reiste der Ham­burger SV nach Ita­lien, um das Hin­spiel der dritten UEFA-Cup-Runde zu bestreiten. Die Partie gewann der AS Rom mit 1:0, der HSV konnte sich zumin­dest mit einer Audienz bei Papst Johannes Paul II. trösten. Es war eine geist­liche Gunst inmitten welt­li­cher Nega­tiv­schlag­zeilen. Vorher bereits aus der Cham­pions League in den UEFA-Cup rele­giert, sah sich der HSV mit dem vor­zei­tigen Aus­scheiden aus dem Pokal und dem vor­läufig zehnten Rang in der Tabelle auch im natio­nalen Spiel­be­trieb mit dem Rücken zur Wand. Der Mann­schaft half der gött­liche Segen nicht. Ein deut­li­ches 0:3 vor hei­mi­schem Publikum besie­gelte ihr Aus­scheiden aus dem UEFA-Cup, und in der Bun­des­liga stand man nach 34 Spiel­tagen auf dem ent­täu­schenden 13. Platz. Wenigs­tens Trainer Frank Pagels­dorf bekam in jener Saison eine außer­ge­wöhn­liche Gna­den­frist. Trotz der erfolg­losen Saison ret­tete er sich sogar über den Sommer, und musste erst im Sep­tember 2001 seinen Posten räumen.

2.
Die Erfah­rung, dass eine Audienz beim Papst durchaus mit sport­li­chem Miss­erfolg ver­knüpft sein kann, musste auch die deut­sche Natio­nal­mann­schaft von 1967 machen. Im letzten Spiel der EM-Qua­li­fi­ka­tion gegen Alba­nien kam die Elf um Günter Netzer nicht über ein 0:0 hinaus. Die Schmach von Tirana“ bleibt in Erin­ne­rung. Sie besie­gelte das erste und bisher ein­zige Mal, dass Deutsch­land sich nicht für eine End­runde qua­li­fi­zierte. Nur mussten Frust, Trauer und Heim­kehr noch ein wenig auf­ge­schoben werden: In freu­diger Erwar­tung auf Sieg und End­run­den­teil­nahme hatte der DFB für die Rück­reise eine Audienz bei Papst Paul VI. orga­ni­siert.

3.
Von einer denk­wür­di­geren Begeg­nung mit dem Hei­ligen Vater weiß Horst Hru­besch zu berichten. Als wäh­rend der EM 1980 in Ita­lien der Final­einzug der deut­schen Natio­nal­mann­schaft bereits vor dem abschlie­ßenden Grup­pen­spiel gegen Grie­chen­land fest­stand, besuchte Hru­besch mit einigen Mann­schafts­kol­legen eine öffent­liche Papst­au­dienz. Dabei soll Papst Johannes Paul II. in seine Rich­tung gewunken und die Hand zu einem Vic­tory-Zei­chen“ erhoben haben. Der Jour­na­list und spä­tere HSV-Pres­se­spre­cher Ger­hard Krall deu­tete den Vor­fall als Zei­chen: Horst, das heißt: Du sollst zwei Dinger machen.“ Als das Grie­chen­land­spiel mit 0:0 endete, wun­derte sich Hru­besch: Es kann doch nicht sein, dass der Papst auch noch lügt.“ Ob nun mit Gottes Segen oder ohne: Im Finale gegen Bel­gien erzielte Hru­besch beide Tore zum 2:1‑Sieg. Der Papst lügt nicht“, befand Krall schließ­lich. Er habe ein­fach das Finale gemeint. 

4.
Auch das nächste Tur­nier in Vati­kan­nähe brachte den Fuß­ball in den Kir­chen­staat. So waren die Iren die erste Mann­schaft der Welt­meis­ter­schaft 1990, die den Segen des Papstes ein­holten. Äußerst kurios war bereits die Tat­sache, dass Irland über­haupt in die K.O.-Runde des Wett­be­werbs ein­ge­zogen war. Nachdem in der Gruppe F nahezu alle Spiele unent­schieden aus­ge­gangen waren und sich die Iren und die Hol­länder nach ihrem 1:1‑Spiel punkt- und tor­gleich auf dem zweiten Qua­li­fi­ka­ti­ons­platz wie­der­fanden, musste erst­malig in der WM-Geschichte das Los über das Wei­ter­kommen ent­scheiden. Irland gewann. Und stat­tete dem Papst vor dem Vier­tel­fi­nal­spiel gegen das favo­ri­sierte Ita­lien einen Besuch ab. Ein Mit­glied der iri­schen Dele­ga­tion erzählte nachher munter, der Papst habe den Iren Unter­stüt­zung zuge­si­chert: Er sei ihr zwölfter Mann“. Erfolg­reich war der ver­meint­liche Sup­port nicht. Irland verlor das Spiel mit 0:1 und schied aus dem Tur­nier aus.

5.
Ob sich der Papst tat­säch­lich als zwölfter Mann“ der Iren bezeich­nete, kann bezwei­felt werden. Dem iri­schen Natio­nal­trainer Jack Charlton schenkte er hin­gegen in mehr­fa­cher Über­lie­fe­rung seine unge­teilte Auf­merk­sam­keit. Der legen­däre Brite, der der Öffent­lich­keit beson­ders durch sein unter­kühltes ziga­ret­te­rau­chendes Auf­treten auf­fiel, wird noch heute von iri­schen Fans nicht zuletzt wegen der erfolg­rei­chen Welt­meis­ter­schaft 1990 ver­ehrt. Auch Papst Johannes Paul II. zeigte Kenntnis über Charl­tons Posi­tion – oder aber über seine Bedeu­tung für den iri­schen Fuß­ball. Ja, ich weiß, wer Sie sind“, ließ das Kir­chen­ober­haupt ver­lauten, sie sind der Boss!“