Seite 2: Gott ist nicht tot

Als Libero kann ich mehr mit dem Auge spielen“, sagt Hasebe selbst mit Blick auf den kräf­te­zeh­renden Abnut­zungs­kampf als Sechser. Dort funk­tio­niert alles. Es ist die beste Posi­tion für mich.“ Tat­säch­lich läuft er diese Saison im Schnitt nur etwa zehn Kilo­meter pro Spiel – mehr braucht es aber offen­sicht­lich auch nicht.

Mit 62 Pro­zent gewon­nenen Zwei­kämpfen führt er die Frank­furter Defen­sive in dieser Sta­tistik an. Durch sein intel­li­gentes Stel­lungs­spiel läuft er auch deut­lich schnel­lere Gegen­spieler rou­ti­niert ab, behauptet sich trotz 1,80 Metern Kör­per­größe in den meisten Kopf­ball­du­ellen, hat in dieser Saison bis­lang nur zwei Gelbe Karten gesehen und foult durch­schnitt­lich nur 0,4‑mal pro Spiel. Obwohl David Abraham die Kapi­täns­binde trägt, ist Hasebe der eigent­liche Feld­herr der Mann­schaft. Evan N’Dicka, erst 19 Jahre alt, wäre ohne seine Unter­stüt­zung nicht das, was er heute ist: Leis­tungs­träger links neben Hasebe in der Drei­er­kette.

Hasebe zieht auch die Fäden des Angriffs­spiels. Dabei hilft ihm im ersten Schritt seine unfass­bare Pres­sing­re­sis­tenz, die schon dazu führte, dass manche Gegner ganz old school einen Mann­de­cker für ihn abstellten; im zweiten sein unspek­ta­ku­lären Spiel­aufbau. Kein über­zo­genes Risiko, keine Kabi­nett­stück­chen. Für die sind in Frank­furt sowieso andere ver­ant­wort­lich, allen voran Ante Rebic und Luca Jovic. 

Statt­dessen nutzt Japans ehe­ma­liger Natio­nal­mann­schafts­ka­pitän seine Über­sicht, bei der es manchmal scheint, als würde seine opti­sche Wahr­neh­mung fünf Meter über seinem Kopf statt­finden. Seine intel­li­genten Pässe und seine prä­zisen langen Bälle auf Sebas­tien Haller sind in 84 Pro­zent der Fälle erfolg­reich – und die Grund­lage für Frank­furts erfolg­rei­ches Offen­siv­spiel.

Mit 45 wird der nochmal geehrt“

Kon­se­quen­ter­weise bezeichnet Hütter ihn als abso­luten Schlüs­sel­spieler in unserer Mann­schaft“. Und: Bei Makoto ist es wie beim Wein: je älter, desto besser.“ Dass diese Mei­nung über ihn in Fuß­ball­deutsch­land weit ver­breitet ist, lässt Hasebe selbst eini­ger­maßen kalt: Vor allem geht es mir aber darum, dass meine Mann­schafts­kol­legen mir ver­trauen“, sagte er der Frank­furter Rund­schau. Denn durch Ver­trauen ent­steht bei mir noch mehr Moti­va­tion, des­halb bin ich aktuell so super drauf.“

Im glei­chen Inter­view kün­digte er an, er wolle bescheiden bleiben und sich weiter ver­bes­sern – mit 35 Jahren. Die Zeit dazu wird er bekommen, die Ein­tracht hat seinen Ver­trag schon im Winter bis 2020 ver­län­gert. Zur Rege­ne­ra­tion setzt Hasebe auf täg­liche Ent­span­nungs­bäder und gesundes japa­ni­sches Essen, sein Buch Die Ord­nung der Seele – 56 Gewohn­heiten, den Sieg zu erringen“ wurde in Japan zum Best­seller. 

Wow“, sagte Marco Russ, als er von der AFC-Aus­zeich­nung erfuhr. Mit 45 Jahren wird der nochmal geehrt.“ In Frank­furt würden sie das sofort unter­schreiben. Mit Makoto Hasebe in der Form seines Lebens sieht die Zukunft der Ein­tracht blen­dend aus. Denn der Fuß­ball­gott mag weg sein, doch Gott ist nicht tot, nein. Im Gegen­teil. Gott ist erst 35 Jahre alt. Und er ist Japaner.