Es waren rüh­rende Szenen im Allianz Sta­dium von Sydney. Die Mann­schaft von Sydney FC hatte das aus­tra­li­sche Pokal­fi­nale vor eigener Kulisse gewonnen. 2:1 nach Ver­län­ge­rung gegen Ade­laide United FC. Zuge­geben: in allen sechs Runden zuvor hatte Sydney nur einen ein­zigen Erst­li­gisten aus dem Weg schaffen müssen, aber sei’s drum. Ein Rie­sen­er­folg für die Fran­chise, die wäh­rend der Pokal­über­gabe nicht vergaß, wer alles Teil des Tri­um­phes war: der Stürmer, der Trainer, die Betreuer und ein Ball­junge.

Was für ein Erlebnis!

Wie bitte? Ja, ganz genau. Ein Ball­junge durfte mit­samt Mann­schaft und breitem Grinsen die Treppen zur Ehren­loge laufen, erhielt sogar eine Gold­me­daille und stemmte den Pokal mit in die Höhe. Was für ein Erlebnis! Was für eine tolle Geste.

Könnte man meinen.

Doch der ein­zig­ar­tige Moment hat eine bit­tere Vor­ge­schichte. Es ist die 114. Minute als Ade­laides Michael Mar­rone zum Angriff über­geht. Mehr­fach hatte er den Ball­jungen auf­ge­for­dert, er möge ihm den Ball für einen Ein­wurf an der Mit­tel­linie zuwerfen. Syd­neys Tor­jäger Bobô hatte zwei Minuten zuvor zur Füh­rung getroffen. Mar­rone und Ade­laide flossen im geg­ne­ri­schen Sta­dion die Minuten weg. Und jetzt warf dieser Ball­junge den Ball nicht zurück!

Finis­hing Move

Auf den Videos ist nur zu sehen, wie Mar­rone zum Sprung ansetzt. Beide Arme weit aus­ge­streckt, mit der Schulter voraus als wolle er einen Grizz­ly­bären erlegen. Nur: Da stand ein halb so großer und nicht ansatz­weise so gefähr­li­cher Ball­junge – der mit einem Finis­hing Move, der sogar in der WWE für aner­ken­nenden Bei­fall gesorgt hätte, in den Boden gerammt wurde.

Der Rest ist natür­lich abzu­sehen: Rudel­bil­dung. Ein paar Sprüche. Auf­ge­regte Trainer, die ihre Mann­schaften zurück aufs Feld beor­dern. Und eine Rote Karte für Hob­by­w­restler Mar­rone. Marko Kurz, der als Coach von Ade­laide arbeitet, ent­schul­digte sich später: Ich habe mit dem Jungen und seinem Vater gespro­chen. Es tut uns leid. Das ent­spricht nicht dem Cha­rakter von Mickey (Mar­rone, d.Red.).“

Eine Schande

Doch die Auf­re­gung blieb auch nach Spiel­schluss. Der aus­tra­li­sche Jour­na­list Tim Gil­bert wet­terte: Das ist eine abso­lute Schande. Wie wird sich der Ball­junge jetzt fühlen? Wird er jemals zurück­kehren wollen, um seine Arbeit neben dem Platz zu machen? Das ist ein absolut fal­sches Signal für jeden jungen Men­schen.“

Oder doch nicht?

Andere, wie der aus­tra­li­sche Innen­ver­tei­diger Trent Sain­s­bury, spielten den Vor­fall etwas runter. Schließ­lich würde der Junge ab morgen eine Legende auf seiner High­school sein. Und sowieso stellt sich die Frage: Ist es das rich­tige Zei­chen, einen Ball­jungen, der dem Gegner die Bälle nicht zurück­wirft, mit einer Gold­me­daille zu belohnen?