Bei Crystal Palace war die Stim­mung kurz vor Sai­son­start gut. Sehr gut sogar. Mit Max Meyer kam ein junger Spieler mit viel Poten­zial in den Süden Lon­dons und wenige Tage später ver­län­gerte Wil­fried Zaha, der erfolg­reichste Stürmer der ver­gan­genen Saison, seinen Ver­trag. Im Sommer hatte er viele Inter­es­senten, doch der Verein konnte Zaha über­reden in London zu bleiben. Alles was es brauchte war ein biss­chen Geld: 143.000 Euro in der Woche. Um Meyer, eigent­lich auf der Suche nach einer Anstel­lung bei einem Top­klub, zu locken, brauchte es etwas mehr: jede Woche 190.000 Euro.

Zur selben Zeit, in der Zaha seinen neuen Ver­trag unter­schrieb und damit laut Klub ein Zei­chen dafür setzte, dass weiter nach vorne geht, bekam die Frau­en­mann­schaft von Crystal Palace einen Brief. Die Jah­res­bei­träge müssten irgendwie bezahlt werden: 250 Pfund pro Person. Ent­weder sollen die Spie­le­rinnen Spon­soren auf­treiben oder das Geld selbst bezahlen, sonst könnten sie aus dem Verein geschmissen werden.

Das ist alles sehr her­ab­las­send“

Die Crystal Palace Ladies sind keine The­ken­truppe, sie treten in diesem Jahr in der neu­ge­grün­deten zweiten Frau­en­liga, der FA Women’s Cham­pi­onship an. Am Sonntag spielen sie das erste Spiel der Saison gegen Lei­cester City, eine neue Ära“ stehe bevor, hieß es in einer Pres­se­mit­tei­lung. Das Ziel, von dem der Klub träumt: Auf­stieg in die pro­fes­sio­nelle erste Liga. In der zweiten Liga arbeiten fast alle Spie­le­rinnen in anderen Berufen und trai­nieren nach Fei­er­abend. Nun sollen sie Spon­soren finden, die ihnen die 250 Pfund im Jahr bezahlen und, wie es heißt, bes­sere Kon­takte zu den regio­nalen Geschäfts­partner knüpfen.

Die Spie­le­rinnen haben für die For­de­rung nur wenig Ver­ständnis. Dem Guar­dian sagte eine anonyme Spre­cherin des Teams: Manche Spie­le­rinnen, beson­ders die jün­geren, machen sich wirk­lich Sorgen, das Geld nicht zusam­men­zu­be­kommen. Wir wissen natür­lich, dass die Män­ner­mann­schaft nochmal etwas ganz anderes ist, aber einige von uns haben diese Struk­turen und die Bot­schaft, die dadurch ver­mit­telt wird, ein­fach satt. Sie haben uns einen Brief gegeben, den wir an mög­liche Spon­soren schi­cken sollen. Das ist alles sehr her­ab­las­send.“

Raten­zah­lung für Nach­wuchs­hoff­nungen

Auch der Brief, den der Verein auf­ge­setzt hat, liegt dem Guar­dian vor. Darin heißt es: Als zukunfts­ori­en­tierter und pro­gres­siver Klub bieten wir talen­tierten jungen Frauen unver­gleich­liche Mög­lich­keiten. Mit ebenso pro­gres­siven und zukunfts­ori­en­tierten Part­nern können wir unsere Ziele nicht nur errei­chen, son­dern sie auch über­treffen.“ Wie dieser zukunfts­ori­en­tierte Klub diese Ziele errei­chen möchte, zeigte sich, als das Vor­gehen bekannt wurde und sich einige erfah­rene Spie­le­rinnen beschwerten. In einer Pres­se­mit­tei­lung gab Crystal Palace bekannt, dass der feste Stamm der Mann­schaft die 250 Pfund nicht bezahlen müsse, sie sollen trotzdem mög­liche Spon­soren anschreiben. Die Per­spek­tiv­spie­le­rinnen, vor allen Dingen junge Fuß­bal­le­rinnen auf dem Sprung in die erste Mann­schaft, müssen die 250 Pfund trotzdem bezahlen.

Doch auch ihnen wolle der Verein angeb­lich ent­ge­gen­kommen: Indem sie den Mit­glieds­bei­trag in monat­li­chen Raten á 50 Pfund zahlen dürfen. Die Spie­le­rinnen müssen zusammen knapp 5.500 Pfund bezahlen. Max Meyer ver­dient diese Summe übri­gens im Schlaf – der ehe­ma­lige Schalker kriegt alle sechs Stunden 6.000 Pfund.

Anmer­kung: Am Don­nerstag gaben die Crystal Palace Ladies bekannt, dass Wil­fried Zaha die Mann­schaft nun mit einer umfang­rei­chen Spende“ unter­stützt habe. In der Pres­se­mit­tei­lung heißt es: Jeder weiß, was Crystal Palace für Wilf bedeutet. Er möchte, dass auch kom­mende Genera­tionen die glei­chen Mög­lich­keiten haben wie er, wäh­rend seiner Zeit in der Jugend­ab­tei­lung.“