Neu­lich sorgte Sergio Ramos mal wieder für Schlag­zeilen. Und das, obwohl er, dem seit Jahren das Bad-Boy-Image anhaftet, beim Clá­sico zwi­schen Real Madrid und dem FC Bar­ce­lona ver­letz­tungs­be­dingt nur auf der Tri­büne saß. Dort erschien er jedoch in einem schwarzen Langarm-Shirt mit der Auf­schrift Misma Pasión“ („gleiche Lei­den­schaft“). Er bekun­dete damit seine Soli­da­rität mit der Tor­hü­terin von Reals Frau­en­team, María Isabel Rodri­guez, genannt Misa, und dem gesamten Frau­en­fuß­ball. Auch auf dem Rasen hatten beide Mann­schaften ein Zei­chen gesetzt und für das obli­ga­to­ri­sche Mann­schafts­foto vor einer Bande mit der Auf­schrift #Mis­ma­Pa­sión posiert.

Was war pas­siert? Reals Tor­hü­terin Misa hatte nach dem mit 3:1 gewonnen Cham­pions-Leauge-Hin­spiel der Madrider Herren gegen den FC Liver­pool, einen Tweet erstellt. Darauf zu sehen waren ein Foto des Tor­schützen Marco Asensio neben einem Foto von Misa selbst. Beide jubeln wäh­rend eines Spiels im Trikot von Real Madrid, beide sind in ähn­li­cher Pose zu sehen. Ver­sehen war der Tweet mit dem Text: Misma pasión“. Die eigent­lich harm­lose Bot­schaft: Fuß­bal­le­rinnen und Fuß­baller ver­bindet die gleiche Lei­den­schaft für das Spiel.

Doch auf den Tweet reagierten meh­rere User mit sexis­ti­schen Schmä­hungen gegen die 21-Jäh­rige. Misa sah sich genö­tigt, ihn wieder zu löschen. Und löste damit eine Welle der Soli­da­rität aus. Zunächst ver­öf­fent­lichte Asensio auf seinem Twitter-Profil selbst Fotos von sich und Misa, ver­sehen mit den Worten: Lass dir von nichts und nie­mandem ver­bieten zu sagen, was du denkst.“ Wei­tere Real-Spieler wie Mar­celo, Vini­cius Jr. oder Lucas Vazquez taten es ihm unter dem Hashtag #Mis­ma­Pa­sión gleich. Zahl­reiche andere Sport­le­rinnen und Sportler, Klubs und Ver­bände schlossen sich der Aktion an und pos­teten Fotos von Män­nern und Frauen in ähn­li­chen Jubel­posen, dar­unter etwa Bas­ket­ball-Star Pau Gasol oder Fuß­ball-Bun­des­li­gist Ein­tracht Frank­furt.

Den Tweet Asen­sios teilte auch die spa­ni­sche Sport­jour­na­listin Danae Boronat. Aktionen wie diese seien eine not­wen­dige Geste, um etwas zu ver­än­dern“, schrieb Boronat. Die Jour­na­listin selbst hatte bereits kurz zuvor den Schein­werfer auf den spa­ni­schen Frau­en­fuß­ball gerichtet. Die 35-Jäh­rige, die 2019 als erste Frau ein Fuß­ball­spiel der Männer live im spa­ni­schen Fern­sehen kom­men­tierte, hat Ende März ihr erstes Buch ver­öf­fent­licht. In No las llames chicas, llá­malas fut­bo­listas“ („Nenn sie nicht Mäd­chen, nenn sie Fuß­bal­le­rinnen“) beschreibt sie den langen und harten Weg, den der spa­ni­sche Frau­en­fuß­ball auf dem Weg zur Aner­ken­nung hinter sich hat – und wie viel es noch immer zu ver­bes­sern gibt.

Der Fuß­ball hinkt hin­terher

Dafür hat Boronat ein Jahr lang recher­chiert und nach eigener Aus­sage mit etwa 50 ver­schie­denen Sport­le­rinnen und Sport­lern gespro­chen, dar­unter viele ehe­ma­lige und aktu­elle Natio­nal­spie­le­rinnen. Ers­tere berichten etwa von den Zuständen rund um die ersten orga­ni­sierten Spiele im Frau­en­fuß­ball 1970, als Reporter die Spie­le­rinnen fragten, ob es ein­fa­cher sei, ein Tor zu schießen oder Tor­tillas zu machen. Zusam­men­ge­fasst wurde die Partie mit den Worten: Hier sind einige hüb­sche junge Frauen, die ver­su­chen, Tore zu schießen. Die Mäd­chen tun, was sie können, aber manchmal weiß man nicht, ob es sich um ein Fuß­ball­spiel oder eine Bal­lett­auf­füh­rung han­delt.“ Boronat schreibt dazu: Das Fern­sehen illus­trierte die bestehenden tra­di­tio­nellen Werte, offen­barte seine Gering­schät­zung und den Ver­such, die Fuß­bal­le­rinnen lächer­lich zu machen.“

Mitt­ler­weile hat sich einiges getan: Heute gilt Spa­nien in vie­lerlei Hin­sicht als Vor­bild beim Thema Gleich­be­rech­ti­gung. 2019 lag das Land im welt­weiten Global Gender Gap Report auf Rang acht. Doch der Fuß­ball, so Boronat, hinkt der Ent­wick­lung im Rest der Gesell­schaft deut­lich hin­terher.