Seite 3: "Ich sollte eine Strafe zahlen, weil ich zu viel wog"

Mitt­ler­weile spielen Sie nicht mehr bei Depor­tivo Caudal. Warum nicht?
Auch bei Caudal wech­selten häufig die Trainer. Das erste neue Trai­ner­team brachte einen Keeper aus dem alten Verein mit. Ich habe meiner Freundin direkt pro­phe­zeit: Ich werde diese Saison kein Spiel machen!“ Wir spielten dann nicht gut, es kam wieder ein neuer Trainer, der wieder einen neuen Tor­hüter wollte. Dafür brauchte er aber meinen Platz als Nummer zwei. Und so wurde ich ganz raus­ge­mobbt. Ich durfte nicht mehr mit­trai­nieren, son­dern nur noch laufen gehen. Eines Mor­gens wurde ich in die Kabine gerufen, da saßen dann Trainer, Prä­si­dent und Tor­wart­trainer und redeten wütend auf mich ein.

Was war pas­siert?
Ich hatte mich bei der spa­ni­schen Spie­ler­ge­werk­schaft erkun­digt, ob das Vor­gehen meines Ver­eins über­haupt legal war. Das hatte die Ver­ant­wort­li­chen im Verein mit­be­kommen, sie emp­fanden das als respektlos. Es war keine schöne Zeit. Ständig kam es zum Streit, und es war nicht so ein­fach für mich, das alles auf Spa­nisch zu regeln. Einmal wollten sie mir 200 Euro vom Gehalt abziehen, weil ich angeb­lich 200 Gramm zu viel auf die Waage brachte. Dann kam sogar der Anwalt des Ver­eins dazu. Irgend­wann konnten wir uns einigen, Depor­tivo zahlte mich aus, und ich wech­selte.

Björn Buss­mann

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kam am 18. März 1991 in Ber­gisch-Glad­bach zur Welt. Von der U8 bis zur U17 spielte der Tor­hüter in den Jugend­mann­schaften des 1. FC Köln, ehe er 2007 zu den Blackburn Rovers ging. Danach ging der Jugend­na­tio­nal­spieler zurück nach Deutsch­land und spielte für 1860 Mün­chen, Osna­brück, Regens­burg und Lipp­stadt. Seit 2014 ist er in Spa­nien aktiv.

Momentan spielen Sie für CD Lealtad, ein Verein aus der Stadt Vil­la­viciosa in Astu­rien. Auch hier konnten Sie wieder Rekorde auf­stellen.
Nicht ganz. Wir waren 66 Spielen unge­schlagen, das 67. Spiel wäre ein neuer Viert­li­ga­re­kord gewesen. Aber das Spiel fand nie statt.

Wegen Corona?
Es gab zum Ende der Saison 2019/20 einen beson­deren Playoff-Modus: Der Erste musste gegen den Vierten spielen und der Zweite gegen den Dritten. Da sind wir dann aus­ge­schieden. Weil wir aber in der Liga Erster geworden waren, bekamen wir eine wei­tere Playoff-Chance gegen eine Mann­schaft aus Madrid. Als wir dort aus dem Bus stiegen, herrschte eine unfass­bare Hitze, 40 Grad. Ich dachte, meine Haut fällt ab. Wir haben uns vor­be­reitet, ein wenig Siesta gemacht, und als wir zum Spiel fahren wollten, hieß es, ein Spieler der anderen Mann­schaft sei positiv auf Corona getestet worden. Wir haben uns einen Kasten Bier gekauft und uns eine schöne Rück­fahrt gemacht. Am Ende ent­schied der Ver­band: Die Saison wird nicht zu Ende gespielt, CD Lealtad steigt direkt auf.

In Spa­nien gab es hohe Corona-Fall­zahlen und eine strik­tere Aus­gangs­sperre als in Deutsch­land. Wie sind Sie damit umge­gangen?
Man kennt aus dieser Zeit Bilder der Top­stars, die sich in ihren rie­sigen Gärten oder Pri­vat­fit­ness­stu­dios in Form halten. Wir aber leben in einer 50-Qua­drat­meter-Woh­nung, und klar, da fällt dir auch mal die Decke auf den Kopf, wenn du es eigent­lich gewohnt bist, jeden Tag Leis­tungs­sport zu machen. Ich habe Übungen zu Hause gemacht, ein biss­chen impro­vi­siert, aus Milch­pa­ckungen eine Bank­presse gebaut, so was eben. Nach einer Woche sind wir aber nach Berlin geflogen, wo meine Freundin als Phy­sio­the­ra­peutin arbeitet.

Sie sind 29 Jahre alt. Was haben Sie noch vor?
Eine Bera­ter­firma hat mich neu­lich gefragt, ob ich für sie als Scout arbeiten möchte. Aber ich musste absagen, das schaffe ich zeit­lich nicht. Und ich will noch ein paar Jahre spielen, 29 ist ja ein gutes Tor­hü­ter­alter. Mal schauen, wo mich die Reise hin­führt. Ein Freund hat mich mal als Aben­teu­er­tor­wart bezeichnet. So sehe ich mich aber nicht. Ich habe jeden­falls nicht vor, noch auf die Phil­ip­pinen oder so zu wech­seln. Momentan fühle ich mich hier wohl.