Das Gute an Lothar Mat­thäus ist, dass er immer lustig ist, selbst wenn man nicht genau weiß, ob er gerade einen Witz macht oder nicht. Nach dem Aus­wärts­spiel von Borussia Mön­chen­glad­bach in Frank­furt – gerade hatten die Fohlen die Ein­tracht mit 5:1 zer­legt – hob Mat­thäus in seiner Funk­tion als Sky“-Experte an und adelte den prä­genden Spieler des Spiels, Nach­wuchs­spieler Mahmoud Dahoud, mit wenig zurück­hal­tenden Worten: Dahoud hat wirk­lich sehr gut gespielt. Er zeigt, wel­ches Poten­tial in ihm steckt. Man weiß, dass Glad­bach immer wieder Talente her­vor­bringt, aus denen sogar einmal ein Welt­fuß­baller werden kann.“

Nun klingen Mat­thäus Lor­beeren in der Tat eher nach einem gut getimten Gag, schließ­lich war Mat­thäus selbst einst der letzte und auch ein­zige Welt­fuß­baller, den die Borussia her­vor­ge­bracht hat. Den­noch war Dahouds Talent am Sams­tag­abend für sämt­liche Anwe­sende im Frank­furter Wald­sta­dion schlicht unüber­sehbar: Ein Tor hatte Dahoud selber erzielt, ein wei­teres vor­be­reitet, zudem einen Elf­meter raus­ge­holt, bei drei wei­teren Tor­schüssen assis­tiert und mit knapp zwölf Kilo­me­tern eine amt­liche Lauf­leis­tung auf den Platz gebracht.

Er zeigt Sachen, oh la la…“

Und wäh­rend Dahoud noch mit großen Augen auf dem Zaun bei den Fans stand und halb eupho­risch, halb schüch­tern mit ihnen fei­erte, sagte sein Trainer André Schu­bert, ganz der Anti-Mat­thäus, im Inter­view über seinen Rising Star: Der macht das ordent­lich im Moment.“

Eine krasse Unter­trei­bung, die frei­lich darauf abzielt, dass Dahoud, der im Alter von zehn Monaten mit seinen Eltern aus dem syri­schen Amude nach Deutsch­land kam, keinen Schaden am Rummel um seine Person nimmt, schließ­lich sind schon andere Talente schnell hoch­ge­ju­belt worden und noch schneller wieder gefallen. Allein: Im Falle Mahmoud Dahouds kommt der just sich voll­zie­hende Durch­bruch fast schon ein wenig spät. Und das, obwohl Dahoud gerade erst 19 Jahre alt ist.

Wun­der­kind“ und Glad­ba­cher Gün­dogan“

Denn der aktu­elle U20-Natio­nal­spieler, der mit 15 Jahren von For­tuna Düs­sel­dorf ins Internat der Glad­ba­cher wech­selte, galt bereits mit 17 Jahren als poten­ti­eller Stamm­spieler der Borussia. Im T‑On­line-Cup wäh­rend der Vor­be­rei­tung zur Saison 2013/14 spielte er gegen die großen Bayern so abge­zockt, dass ihn die Presse schnell zum Wun­der­kind“ und dem Glad­ba­cher Gün­dogan“ hoch­schrieb.

Wobei Dahouds Vor­stel­lung gegen den FCB tat­säch­lich eine Klasse andeu­tete, die man einem Spieler nicht antrai­nieren kann. Dahoud ließ keinen gerin­geren als Franck Ribéry im eigenen Sech­zehner mit dem legen­dären Zidane-Trick ins Leere laufen, und lie­ferte sich im Mit­tel­feld Duelle mit Toni Kroos und Thiago Alcan­tara, bei denen man durchaus das Gefühl hatte, sie fänden auf Augen­höhe statt. Sein dama­liger Trainer Lucien Favre schwärmte im Anschluss: Er hat das gewisse Etwas. Mo spielt intel­li­gent und hat Über­sicht, er ist ein­fach gut. Er zeigt Sachen, oh la la…“

Doch meh­rere hart­nä­ckige Ver­let­zungen bremsten den Youngster aus, der Durch­bruch ver­zö­gerte sich. Bis jetzt, wie es scheint. Unter Schu­bert hat Dahoud sämt­liche Spiele von Beginn an bestritten, der glei­cher­maßen lauf­starke und krea­tive Dahoud ist in der Dop­pel­sechs mit Granit Xhaka der offen­si­vere Part, der dem Spiel nach vorne die ent­schei­denden Impulse ver­leiht, was er mit gleich meh­reren wun­der­schönen Pässen gegen die Ein­tracht unter Beweis stellte. Mo hat ein rie­siges Poten­tial. Wir ver­stehen uns gut. Ich hoffe für ihn, dass er so weiter macht“, lobte Xhaka nach dem Spiel seinen Neben­mann.

Ich habe meine Grenzen nicht erreicht“

Eine Hoff­nung, die wohl sämt­liche Glad­ba­cher teilen dürften, schließ­lich war es vor allem auch Schu­berts Schachzug, die Dop­pel­sechs kon­se­quent mit Dahoud und Xhaka zu besetzen, die den Glad­ba­chern, die unter Favre auf der so wich­tigen Posi­tion vor der Abwehr noch fleißig rotiert hatten, die nötige Sicher­heit ein­brachte, um sich aus dem Tabel­len­keller zu befreien. Ohne Schu­berts Ver­trauen in Dahoud, so viel lässt sich sagen, wäre die sen­sa­tio­nelle Glad­ba­cher Sie­ges­serie nicht ganz so sen­sa­tio­nell. Wenn es sie denn über­haupt gäbe.

Dahoud selber gibt sich in all dem Ram­pen­licht eher demütig. Was frei­lich nicht bedeutet, dass er nicht weiß, was er kann. Bereits im Früh­jahr, als sich Dahoud in der Vor­be­rei­tung ins Ram­pen­licht gespielt hatte, sagte er: Ich bin bereit. Ich kann noch besser werden. Ich habe meine Grenzen nicht erreicht.“ Wo diese Grenzen liegen, bleibt abzu­warten. Viel­leicht ja erst auf dem Trepp­chen der Welt­fuß­bal­ler­wahl.