Komm“, sagte sie, komm, lass uns den Film noch einmal schauen.“ Ich stand an einem Som­mer­abend auf der Straße und zün­dete mir eine Lucky an, hinter mir der Stadt­ver­kehr, den ich nicht hörte, weil ich nur Augen für sie hatte. Aber ich ver­stand es trotzdem nicht. Na los“, sie wurde drän­gender, das Ende war soo“ – in diesem Moment zog sie das o“ ein kleines biss­chen zu weit in die Länge – oooo schön!“ Das mag sein. Aber ich kapierte nicht, wieso ich wei­tere acht Euro für einen Film zahlen sollte, dessen Abspann ich mir noch eben bis zum letzten Logo eines betei­ligten Syn­chron­stu­dios im wei­chen Kino­sessel sit­zend ansehen musste. Nochmal an die Kasse, wenn ich das Ende doch schon kennen würde, nein, das käme nicht in Frage.

An diesem Samstag wird der FC Bayern Mün­chen vor­aus­sicht­lich Deut­scher Meister. Am 29. Spieltag beim FC Augs­burg mit circa 17 unein­hol­baren Punkten Vor­sprung vor dem Tabel­len­zweiten Schalke 04. Es ist die 28. Meis­ter­schaft der Ver­eins­ge­schichte. Zum sechsten Mal in Folge beenden die Bayern die Saison auf dem ersten Tabel­len­platz. Glück­wunsch.

Das gol­dene Buch liegt hinten links

Kurz gesagt: Es inter­es­siert keine Sau, ob und wann der FC Bayern Mün­chen sich mal wieder zum Meister krönen wird. Nicht unwahr­schein­lich, dass sogar Ange­stellte des Mün­chener Rat­hauses über­rascht sein werden, wenn dem­nächst eine Dele­ga­tion des Rekord­meis­ters vor der Tür steht, um dem halb­vollen Markt­platz eine Sil­ber­schale vom Balkon zu prä­sen­tieren. Ach, Sie schon wieder? Na, Sie kennen ja den Weg. Gol­denes Buch liegt hinten links. Viel Spaß noch.“

Seitdem der FC Bayern in der Saison 2011/12 zum letzten Mal nicht Meister geworden ist, erdrückt der Verein die Bun­des­liga wie eine Wür­ge­schlange ihre Beute. Wehrt euch nicht, dann fühlt es sich wie Ein­schlafen ein.

Wen erfüllt das noch?

Ver­dammt nochmal! Das ist doch wohl ein ganz schlechter Scherz, der hier jedes Jahr zwi­schen März und Mai zum Besten gegeben wird. In diesem Jahr ist noch alles viel schlimmer. Am 7. Spieltag dieser Saison lag der FC Bayern fünf Punkte hinter Borussia Dort­mund. Es fla­ckerte sogar kurz die Hoff­nung auf, dass der FC Hol­ly­wood zurück­kehren würde, als von Kabi­nen­meu­terei gespro­chen und Carlo Ance­lotti gefeuert wurde. Doch der FC Bayern fand zu alter Form, heißt, zu Jupp Heynckes zurück, der die Mann­schaft einen erz­kon­ser­va­tiven Stiefel in der Bun­des­liga spielen lässt. Natür­lich, das genügt für einen obli­ga­to­ri­schen 6:0‑Sieg gegen den Ham­burger SV. Aber was heißt das schon, mit der glei­chen Leis­tung kann man ja auch Dort­mund 6:0 heim­schi­cken. Wen erfüllt das noch mit Emo­tion?