Seite 2: Wie bei den Sopranos

Die Bereit­schaft für eine sanfte Umver­tei­lung von oben nach unten scheint näm­lich keine son­der­lich popu­läre Idee zu sein, obwohl die Pre­mier League diesen Sommer nur elf Pro­zent weniger für Trans­fers ausgab als in der Saison zuvor – rund 1,2 Mil­li­arden Euro. Die Spar­maß­nahme des FC Arsenal, den armen Gun­ner­saurus ein­zu­schlä­fern, kam etwa fast zeit­gleich mit der Ver­pflich­tung von Thomas Partey von Atle­tico Madrid – für 50 Mil­lionen Euro, die Ver­eins­be­sitzer Kro­enke aus eigener Scha­tulle bezahlte.

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Dritt­li­gist Forest Green Rovers jubelt bei einem der wenigen Spiele in Eng­land, wo Zuschauer zuge­lassen waren. Gegner im Sep­tember war Brad­ford City.

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Steve Parish, der mit­tei­lungs­freu­dige Vor­sit­zende von Crystal Palace erklärte in einer Zei­tungs­ko­lumne: Die Pre­mier League hat kein eigenes Geld – gar keins. Sie ist im Grunde eine Non-Profit-Orga­ni­sa­tion, die ihre Mittel an die Klubs wei­ter­gibt.“ Und diese Klubs würden gerade Ver­luste machen und könnten nicht auch noch für die anderer Ver­eine gera­de­stehen. Dem Bran­chen­dienst Off the Pitch gegen­über wies eine anonyme Quelle aus der Pre­mier League zudem auf die großen Unter­schiede zwi­schen den Klubs der EFL hin. Zwar gäbe es Viert­li­gisten, die ein Spie­ler­budget von gerade mal einer Mil­lion Pfund hätten, aber Zweit­li­gist Derby County würde allein Wayne Rooney fünf Mil­lionen bezahlen. Warum sollten wir etwas abgeben, um Rooney zu bezahlen?“

Muss der Super­markt dem Laden an der Ecke helfen?

Auch Dale Vince, Besitzer der Forest Green Rovers aus der League Two, findet die Hal­tung der Regie­rung heuch­le­risch“, dass die Großen im Fuß­ball die Kleinen retten sollten. Sie hätte eine Ver­ant­wor­tung für alle Bereiche von Gesell­schaft und Wirt­schaft. Der kommt sie im Sport von Rugby über Eis­ho­ckey bis zu Pfer­de­rennen auch nach. Die 67 Fuß­ball­ver­eine der National League, also der fünften und sechsten eng­li­schen Liga, bekommen über die kom­menden drei Monate eben­falls zehn Mil­lionen Euro Sofort­hilfe. Nur eben die Zweit- bis Viert­li­gisten nicht, ihnen soll die Pre­miere League helfen. Dale Vince kann das nicht ver­stehen: Es ist doch nicht so, dass man sagen könnte: Den Super­märkten ist es in der Pan­demie gut gegangen, also müssen sie nun die Läden an der Ecke unter­stützen.“

Es wird also schwer gerungen, wer nun wem helfen soll. Die Fuß­ball­fa­milie ist durch Gier aus­ein­ander divi­diert wie die Bor­gias, durch Ehr­geiz wie die Cor­leones und durch Eifer­sucht wie die Sopranos“, spot­tete The Ath­letic über diese Debatten. Das gemeinhin gut­in­for­mierte Magazin hält es über­dies für am wahr­schein­lichsten, dass die vier ersten Ligen ohne Regie­rungs­hilfe aus­kommen und sich selber helfen müssen. Oder es finden sich wirk­lich Spieler, die Paten­schaften für vom Aus­sterben bedrohte Tra­di­ti­ons­ver­eine über­nehmen.