Eine der rüh­rendsten Geschichten der letzten Tagen ver­danken wir dem ansonsten etwas in Ver­ges­sen­heit gera­tenen Mesut Özil. Von der Öffent­lich­keit weit­ge­hend unbe­merkt fristet er noch immer sein Dasein beim FC Arsenal, in dieser Woche wurde er nicht einmal mehr für die Spiele in der Europa League nomi­niert. Zum letzten Mal für seinen Klub zum Ein­satz kam er vor sieben Monaten. Viel­leicht unter dem Ein­druck seines eigenen Aus­ster­bens als Fuß­ball­spieler wollte Özil den Gun­ner­saurus genau davor retten. Das Mas­kott­chen des Klubs, ein ent­fernter Ver­wandter des HSV-Dinos Her­mann, sollte nach 27 Jahren näm­lich angeb­lich in die ewigen Plüsch­gründe ver­frachtet werden. Özil bot an, die Bezah­lung des im Gun­ner­saurus lebenden Ver­ein­s­an­ge­stellten zu über­nehmen, das Mas­kott­chen darf auch des­halb nun wahr­schein­lich wei­ter­leben.

Die noble Geste wird auch dadurch mög­lich, dass Özil mit rund 20 Mil­lion Euro Jah­res­ge­halt immer noch der best­be­zahlte Spieler bei Arsenal ist. Was den Gedanken nahe­legt, dass Özil mit einem Monats­ge­halt auch gleich noch einen der vielen dar­benden eng­li­schen Dritt- und Viert­li­gisten retten könnte. In Eng­land tobt näm­lich gerade eine auf­ge­regte Debatte dar­über, wer eigent­lich die Car­lisle Uniteds oder Ply­mouth Argyles dieser Welt am Leben halten soll. Die Regie­rung sagt: die Pre­mier League. Die Pre­mier League sagt: die Regie­rung. Die kleinen Pro­fi­klubs sagen: Irgendwer, das aber schnell!

Schaffen es die Klubs nichtmal bis Weih­nachten?

Jen­seits der Pre­miere League sind die Ver­eine exis­ten­ziell auf Zuschau­er­ein­nahmen ange­wiesen, vor allem in der League One and Two kommt vom Fern­seh­geld nur noch ein dünner Rinnsal an. Doch in Eng­land haben bis auf ein paar wenige Tests keine Fuß­ball­spiele vor Publikum statt­ge­funden, und dabei wird es bis März nächsten Jahres auch bleiben. Stell­ver­tre­tend für viele hat daher Paul Scally, der Vor­sit­zende des kleinen Dritt­li­gisten Gil­lingham, die weiße Fahne gehisst. Sein Verein würde es wahr­schein­lich nicht mal bis Weih­nachten schaffen.

Schon die letzte Saison brachten die Dritt- und Viert­li­gisten nicht zu Ende. Doch wer soll nun helfen in schwerer Stunde? Die Regie­rung hat uns gesagt, dass genug Geld im Fuß­ball ist, und wir ver­stehen das“, sagte Rick Parry, der Boss der Eng­lish Foot­ball League (EFL), in der die 72 Klubs der zweiten bis vierten Liga orga­ni­siert sind. So war für den ver­gan­genen Dienstag ein Treffen ange­setzt, bei dem die Pre­mier League den Klubs der EFL rund 300 Mil­lionen Euro in Form von Zuschüssen oder Kre­diten zur Ver­fü­gung stellen sollte. So wurde jeden­falls vorher geraunt. Aber dann wurde das Treffen abge­sagt und um eine Woche ver­schoben.