High­bury – das klingt nach gemähter Wiese, sin­genden Män­nern und Blut­grät­schen, die mit Applaus bedacht werden. Heute vor fünf Jahren fei­erte das legen­däre Sta­dion vom FC Arsenal seinen rau­schenden Abschied. Durch ein 4:2 gegen Wigan Ath­letic schaffte Arsenal im letzten Moment noch die Qua­li­fi­ka­tion für die Cham­pions League, der fan­tas­ti­sche Thierry Henry erzielte einen Hat­trick und ein aller­letztes Mal don­nerten die Gesänge vom kom­plett in rot und weiß geklei­deten Clock End“.

Arsenal, in den neun­ziger Jahren unter Trainer Arsene Wenger vom häss­li­chen Ent­lein zu einem Vor­zei­ge­ob­jekt in Sachen schöner Fuß­ball gereift, zog schließ­lich um ins nur ein paar hun­dert Meter ent­fernte Emi­rates Sta­dium“, jene moderne, aber folg­lich see­len­lose Arena mit dem Namen eines Flug­rei­sen­an­bie­ters. Kleiner Schwank am Rande: Wo absol­vierte wohl der legen­däre Nie­der­länder Dennis Berg­kamp, dessen Flug­angst min­des­tens genauso groß war wie sein Poten­tial an Über­stei­gern, sein Abschieds­spiel? Genau, in der Arena des Flug­rei­sen­an­bie­ters.

Zum fünf­jäh­rigen Jubi­läum“ prä­sen­tieren wir euch die elf wich­tigsten und kurio­sesten High­bury-Fakten, außerdem die schönsten Fotos aus 94 Jahren Sta­di­on­ge­schichte! Viel Spaß.

1.
Lange bevor sich HSV-Fans die letzte Ruhe­stätte unweit des Volks­parks aus­wählen durften, hatte bereits der FC Arsenal die mor­bide Mar­ke­ting­idee und bot seinen Anhän­gern an, sich die eigene Grab­stätte im High­bury aus­zu­su­chen. Sta­dion-Manager Lohn anno 1994: Wir haben zwei Beer­di­gungen pro Woche, aller­dings nicht unter dem Spiel­feld.“ Immerhin: Jen­seits der Sei­ten­li­nien können wir aber alle Son­der­wün­sche erfüllen.“

2.
Übri­gens: Die ins­ge­samt 500 Grab­stellen ein­ge­fleischter Arsenal-Fans blieben auch nach dem Umzug ins Emi­rats Sta­dium“ erhalten: Neben dem Memo­rial Garden“ wurden ab 2006 ein nicht-öffent­li­cher Park sowie 711 Apart­ments auf das Sta­di­onge­lände gebaut, die denk­mal­ge­schützte Ost­tri­büne dient seither nur noch als hüb­sche Außen­fas­sade.

3.
Unter eng­li­schen Fuß­ball­fel­dern, ohnehin welt­weit als gran­diose Rasen­tep­piche berühmt, nahm der Platz im alten High­bury noch eine beson­dere Stel­lung ein. So gut war der Rasen, dass Platz­wart Steve Brad­dock gleich mehr­fach den Titel als bester Platz­wart des Jahres abräumte. Wahr­schein­lich gab es die gol­dene Harke.

4.
Die höchste Zuschau­er­zahl aller Zeiten hatte das am 6. Sep­tember 1913 eröff­nete Sta­dion am 9. März 1935 bei einem Heim­spiel Arse­nals gegen den FC Sun­der­land zu ver­zeichnen. 73.295 Men­schen quetschten sich ins Bau­werk des Archi­tekten Archi­bald Leitch (der übri­gens auch die Sta­dien von Man­chester United, Chelsea, Everton, Liver­pool, Tot­tenham und den Glasgow Ran­gers ent­warf) – und sahen ein schnödes 0:0. Durch diverse Umbau­maß­nahmen und die kom­plette Ent­fer­nung sämt­li­cher Sitz­plätze, durfte am Ende nur noch 38.419 Zuschauer ins High­bury.
Der Battle of High­bury“ »

5.
1934 war High­bury Gast­geber des womög­lich bru­talsten Spiels aller Zeiten: Im Battle of High­bury“ zwi­schen der eng­li­schen und der ita­lie­ni­schen Natio­nal­mann­schaft traten die Spieler beider Mann­schaften 90 Minuten lang so hem­mungslos auf­ein­ander ein, dass die FA anschlie­ßend laut dar­über nach­dachte, die eng­li­schen Kicker vom inter­na­tio­nalen Spiel­be­trieb zurück­zu­ziehen. Was dann – Gottlob – doch nie pas­sierte.

6.
Nicht nur einmal musste der FC Arsenal (vor­mals: Wool­wich Arsenal) seine Heim­spiele auf fremden Plätzen bestreiten: Weil die Regie­rung High­bury wäh­rend des 2. Welt­kriegs als zivile Schutz­an­lage gegen deut­sche Luft­an­griffe nutzte, musste der FC Arsenal seine Par­tien aus­ge­rechnet auf dem Rasen von Lokal­ri­vale Tot­tenham Hot­spur absol­vieren. Zwi­schen 1999 und 2000 musste Arsenal dann für die Cham­pions-League-Spiele ins Wem­bley­sta­dion umziehen – das hei­mi­sche High­bury war den Ver­ant­wort­li­chen für Spiele sol­chen Aus­maßes ein­fach zu klein geworden.

7.
Am 21. Mai 1966 war High­bury Stätte des legen­dären Rück­kampfes zwi­schen dem Briten Henry Cooper und Box­le­gende Muhammad Ali. Cooper, der am 1. Mai 2011 starb, verlor den Kampf vor­zeitig wegen einer stark blu­tenden Platz­wunde durch tech­ni­schen K.o.

8.
Das letzte Spiel im legen­dären High­bury fand schließ­lich am 7. Mai 2006 statt. Im Rennen um den letzten Cham­pions-League-Platz musste Arsenal ein bes­seres Ergebnis erzielen als Kon­kur­rent Tot­tenham gegen West Ham. Die Hot­spurs, von einer Lebens­mit­tel­ver­gif­tung geschwächt, ver­loren mit 1:2. Arsenal lag zunächst eben­falls mit 1:2 hinten, doch ein Hat­trick von Super­star Thierry Henry drehte die Partie zum 4:2‑Erfolg. Nach seinem letzten Treffer, dem tat­säch­lich aller­letzten Tor im High­bury, sank Henry danieder und knutschte den hei­ligen Rasen. So wird man zur Legende.

9.
Um den Anhang mit Ver­satz­stü­cken aus dem hei­ligen Sta­dion zu ver­sorgen, lei­erte Arse­nals Ver­eins­füh­rung anschlie­ßend eine große Ver­stei­ge­rung an. Unter den Hammer kamen: Teile des Rasens, die Tor­pfosten und der Schreib­tisch des ehe­ma­ligen Mana­gers George Graham. Unter den Hammer kamen auch: die Sitz­schalen. Sie wurden aller­dings bald zurück­ge­zogen. Es stellte sich heraus, dass die Dinger zum Teil hoch­gif­tiges Cad­mium ent­hielten. Vorher war das scheinbar keinem auf­ge­fallen.

10.
Das legen­därste Ein­rich­tungs­stück des alten High­bury, die große Uhr (drei Meter Durch­messer) über der nach dem Zeit­eisen benannten The Clock End“, wurde aller­dings weder ver­kauft, noch ein­ge­mottet, noch ver­stei­gert: Sie wan­derte mit ins neue Sta­dion und hat seit der Ein­wei­hung der hyper­mo­dernen Arena einen Ehren­platz. Und auch der Name blieb erhalten: die Fans auf der Süd­tri­büne stehen, pardon: sitzen, wei­terhin im Clock End“.

11.
Zum Schluss noch ein paar Rekorde: den höchsten Sieg aller Zeiten fei­erte Arsenal beim 11:1‑Erfolg im FA-Cup gegen Darwen am 9. Januar 1935. Am 14. Februar 1925 (gegen Hud­ders­field Town) und am 11. November 1998 (gegen den FC Chelsea) verlor Arsenal jeweils mit 0:5 – Negativ-Rekord.