Marco Storari ist ein guter Tor­wart. Er stand lange beim ACR Mes­sina im Kasten, arbei­tete ver­tre­tungs­weise beim AC Mai­land, Sam­pdoria Genua und dem AC Flo­renz. In den letzten Monaten stand er für die ver­letzte Nummer eins bei Juventus Turin im Tor. Er machte seine Sache gut, pha­sen­weise sogar sehr gut. Etwas als er Juve mit tollen Paraden zu einem 2:1‑Sieg gegen den AC Mai­land ver­half. Aber wahr­schein­lich erklärte Juves Trainer Luigi Del­neri eher aus Höf­lich­keit, dass es für jeden schwer wäre Marco Storari wieder abzu­lösen.“ Denn was er wohl eigent­lich meinte war: Für jeden, außer für Gian­luigi Buffon.



Irgendwie wirkt die ganze Kar­riere des Gian­luigi Buffon wie eine Ent­de­ckung der Leich­tig­keit. Was anderen unglaub­lich schwer fiel, erreichte Buffon scheinbar mühelos. Mit 17 debü­tierte er beim AC Parma in der Serie A, mit 19 war er Stamm­tor­wart. Im selben Alter gab er sein Debüt bei der ita­lie­ni­schen Natio­nal­mann­schaft. Das war 1997 und fast uner­hört früh, in einem Land, das Tor­wart-Urge­stein Dino Zoff 1982 noch mit 40 Jahren zum Welt­meister werden ließ. Mit 23 wech­selte Buffon für über 54 Mil­lionen Euro zum ita­lie­ni­schen Rekord­meister Juventus Turin. Spä­tes­tens da hatte sich der junge Aus­wahl­tor­wart zur unan­ge­foch­tenen Nummer eins in Ita­lien auf­ge­schwungen.

Gigi Buffon: Der Kumpel im grünen Trikot

Und immer wirkte Gigi Buffon, geboren am 28. Januar 1978 in Car­rara, wie ein 1,90 großer Tos­kana-Pumuckl – ein flap­siger Frei­geist, der sich von keinem was sagen lässt und irgendwie mit allem durch­kommt. Sein Trainer beim AC Parma, Nevio Scala, wollte den stets Auf­stän­di­schen 1995 mit Geld­strafen in die rich­tige Bahn zwingen. Buffon gab sich unbe­ein­druckt lässig: Er soll mir die Rech­nung schi­cken, wenn ich groß bin.“ Er ist wirk­lich ein Kum­peltyp, einer, mit dem man immer Spaß haben kann,“ sagt auch Ex-Bayern-Profi Hasan Sali­ha­midzic, der seit 2007 zusammen mit Buffon bei Juventus Turin spielt. Der Welt­tor­hüter des Jahr­zehnts“ ein spa­ßiger Kum­peltyp? Ich war positiv über­rascht von ihm. Nor­ma­ler­weise sind Tor­hüter Ein­zel­gänger, nah am Wahn­sinn und ein biss­chen ver­rückt. Gigi ist anders,“ sagt Sali­ha­midzic. Buffon passt nicht in das deut­sche Kli­schee eines Welt­klas­se­tor­warts, der hier­zu­lande im Ide­al­fall ein Abzieh­bild von Oliver Kahn sein muss: Bekloppt, besessen, ego­zen­trisch. Die Ära Oliver Kahn hat ihre Spuren in Deutsch­land hin­ter­lassen. Aber auch in Ita­lien eckte der Tos­kaner Buffon wegen seiner läs­sigen Hal­tung schon öfter an. Mit dem eher tra­di­tio­na­lis­tisch ange­hauchten alten Herrn des Tor­wart­spiels, Dino Zoff, geriet er schon so man­ches Mal in einen Kon­flikt. Weil Buffon es einmal wagte, ein grünes Tor­wart­trikot anzu­ziehen, ätzte Zoff, sein Nach­folger sähe darin aus, als ob er zum Strand­ur­laub fahren will.“ Natür­lich trug Buffon das Trikot weiter. 

Aber Buffon hat in den letzten Jahren auch eine andere Seite von sich gezeigt: Die des ver­ant­wor­tungs­vollen Füh­rungs­spie­lers. Als Juves Trainer Ciro Fer­rara 2010 wegen andau­ernder Erfolg­lo­sig­keit seiner Mann­schaft ent­lassen wurde, nahm Buffon vor allem sich und seine Mit­spieler in die Pflicht: Wir Spieler sind ver­ant­wort­lich für den Trai­ner­wechsel. Ich kann mich nur bei Fer­rara ent­schul­digen. Er hat den Preis für uns alle bezahlt.“ Seine Fähig­keit zur öffent­li­chen Selbst­kritik unter­scheidet Buffon von vielen seiner Kol­legen. Eine Eigen­schaft, die auch Hasan Sali­ha­midzic schätzt Das macht ihn für mich zu einer beson­deren Person.“ Und nun hat die Fuß­ball­na­tion Ita­lien ihrem Gigi Nazio­nale“ eine wei­tere Rolle zuge­schoben: Sie haben ihn als Retter aus­er­koren.

Ita­liens Fix­stern

Er ist natür­lich ein beson­derer Spieler für Ita­lien, wie jeder WM-Sieger von 2006,“ sagt Sali­ha­midzic zu Buf­fons Rolle bei der Squaddra Azzura“. Neben dem stets apa­thisch drein­bli­ckenden Mit­tel­feld­re­gis­seur Andrea Pirlo und Pit­bull“ Dani­elle de Rossi, ist Buffon der ein­zige Spieler, der in den Pla­nungen des neuen Natio­nal­trai­ners Cesare Pran­delli noch eine ent­schei­dende Rolle spielt. Und nur Buffon ist unver­zichtbar. Obwohl er ein halbes Jahr lang an einem Band­schei­ben­vor­fall labo­rierte, stand nie zur Debatte, dass Pran­delli ihn für das Län­der­spiel gegen Deutsch­land nicht nomi­nieren würde. In einer Mann­schaft, die sich nach der WM-Kata­strophe von 2010 – als Ita­lien ohne den ver­letzten Buffon in der Vor­runde raus­flog – erst noch finden muss, ist der Welt­tor­wart von 2003, 2004, 2006 und 2007 ein heller Fix­stern. Denn anders, als Pirlo und de Rossi ist Buffon einer, der das Zeug zum Füh­rungs­spieler hat. Gigi ist ein Mensch, der sich sofort vor den Rest der Mann­schaft stellt, wenn es nicht gut läuft,“ bestä­tigt Sali­ha­midzic.

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Doch für Buffon geht es auch um den per­sön­li­chen Erfolg. Nach sechs Monaten Ver­let­zungs­pause will er zeigen, dass er selbst mit 33 Jahren noch zur abso­luten Welt­spitze zählt. Mit Leich­tig­keit. Selbst­ver­ständ­lich. Auch Hasan Sali­ha­midzic kann sich nicht vor­stellen, das sein Freund und Mann­schafts­kol­lege nur nach Dort­mund fährt um Spiel­praxis zu sam­meln: Die wissen, wie schön es ist, im West­fa­len­sta­dion zu gewinnen.“ 2006 gewann Ita­lien hier das WM-Halb­fi­nale gegen Gast­geber Deutsch­land ohne ein Gegentor zu kas­sieren. Im Tor: Gigi Buffon. Wer sonst?

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