Seite 2: „Jeder ist willkommen“

Ein ebenso düs­teres Bild ergibt sich aus den Berichten über die Dis­kus­sionen über Ent­schä­di­gungen, in Ver­let­zungs- oder Todes­fällen. Zwar berichten beim Pro­jekt Cards of Catar“ einige Witwen oder Fami­li­en­an­ge­hö­rige von ver­stor­benen Män­nern, dass sie finan­zi­elle Ent­schä­di­gungen erhalten hätten. Doch das gilt noch längst nicht für alle Hin­ter­blie­benen. Mit dem Vor­wurf kon­fron­tiert, dass in jedem ein­zelnen Fall Ent­schä­di­gungs­leis­tungen gezahlt müsse, erklärte die FIFA, dass sie der­zeit ver­schie­dene Ent­schä­di­gungs­ver­fahren prüfe“. Gegen­über teil­neh­menden NGOs sagte der Ver­band zu, ihnen inner­halb von drei Wochen eine Ant­wort zukommen zu lassen und die Uefa-Arbeits­gruppe auf dem Lau­fenden zu halten“. Der Welt­ver­band bleibt sich also treu und weiter unkon­kret. Weniger als ein halbes Jahr vor der WM kann er kein trans­pa­rentes und ver­läss­li­ches Abwick­lungs­ver­fahren der Ent­schä­di­gungen vor­weisen.

Der Arbeits­gruppe sei außerdem zuge­si­chert worden sein, dass Fans mit Regen­bo­gen­fahnen keine Repres­sa­lien drohten“. Zudem soll das Hotel­per­sonal dar­über infor­miert worden seien, dass alle Gäste dis­kri­mi­nie­rungs­frei zu behan­deln seien“. Es seien alle Men­schen will­kommen – solange die lokale Kultur und ihre Bräuche geachtet werden. Auf prak­ti­zierte Homo­se­xua­lität steht in Katar jedoch eine bis zu sie­ben­jäh­rige Gefäng­nis­strafe, sogar die Ver­hän­gung der Todes­strafe ist mög­lich.

Ein­che­cken nur für Heteros?

Erst im Mai hatten Recher­chen eines skan­di­na­vi­schen Inves­ti­gativ-Teams der TV-Sender SVT (Schweden), NRK (Nor­wegen) und DR (Däne­mark) gezeigt, wie schwierig es mit der Hotel­bu­chung für homo­se­xu­elle Paare in Katar werden dürfte. Das Team stellte Buchungs­an­fragen an ver­schie­dene Hotels und stellte sich dabei als schwules schwe­di­sches Paar“ vor. Es hagelte Absagen. Das Magnum Hotel & Suites Westbay“ teilte bei­spiels­weise mit: Nein, wir akzep­tieren keine homo­se­xu­ellen Paare.“ Zwar gewährten 33 der 69 von der FIFA emp­foh­lenen WM-Hotels eine Reser­vie­rung, doch 23 wei­tere Her­bergen sagten eine Buchung für das ima­gi­näre Paar ab, oder gestat­teten ihr den Auf­ent­halt nur unter strengsten Bedin­gungen. So solle sich das Paar nicht öffent­lich küssen oder geschminkt auf­treten.

Die Ver­bin­dungen zwi­schen Katar und der Uefa

Und so schließt der Rei­se­be­richt der Uefa-Arbeits­gruppe mit einem gemischten Fazit. Vor Ort habe sie den Ein­druck erhalten, dass Ver­än­de­rungen statt­finden und dass die WM diesen Pro­zess sogar beschleu­nigen würde. Doch müsse es vor und nach dem Tur­nier weiter große Anstren­gungen geben, um die Ent­wick­lung bei­zu­be­halten.

Erstaun­lich ist der nich­tige Erkennt­nis­ge­winn der Uefa nicht unbe­dingt. Auch dorthin hat der Staat Katar seinen Ein­fluss­kreis längst aus­ge­weitet. Bei der euro­päi­schen WM-Qua­li­fi­ka­tion durfte die Natio­nal­mann­schaft Katars als Gast­team antreten, außerdem ist Qatar Air­ways einer der EM-Spon­soren. Und: Der Katari und PSG-Prä­si­dent Nasser Al-Khe­laifi ist Mit­glied im Uefa-Exe­ku­tiv­ko­mitee.