So trist wie das Wetter ist am Montag auch die Stim­mung auf dem Trai­nings­platz des Ber­liner AK. Gerade einmal fünf Feld­spieler scharen sich um Chef­coach André Meyer. Er will es nicht anders, hat alle Spieler nach Hause geschickt, die in den letzten Wochen eine Corona-Infek­tion durch­ge­macht haben. Dazu kommen die Ver­letzten. Meine Kon­se­quenz als Trainer ist, dass kein Spieler heute auf dem Platz steht, der an Corona erkrankt war oder dem ein Arzt oder Kar­dio­loge nicht bestä­tigt hat, ein­wand­frei gesund zu sein“, sagt Meyer.

Eine Maß­nahme, für die der 37-Jäh­rige gute Gründe hat. Denn der Schock vom Freitag sitzt noch immer tief. Nach der Regio­nal­li­ga­partie in Jena waren zwei seiner Spieler kol­la­biert – der früh ein­ge­wech­selte Kwabe Schulz noch auf dem Platz, der in Minute 75 aus­ge­wech­selte Ugur Tezel wenig später in der Kabine. Not­ärzte, die gerade Schulz mit Sauer­stoff ver­sorgt hatten, mussten direkt in die Umkleide eilen und erneut erste Hilfe leisten. Für die Medi­ziner sei laut Meyer klar gewesen: Der Zusam­men­bruch der Spieler ist auf eine Corona-Erkran­kung zurück­zu­führen, die beide kürz­lich durch­ge­macht haben. Der BAK war Mitte November von einer regel­rechten Infek­ti­ons­welle heim­ge­sucht worden.

Wir hatten sehr viele Corona-Fälle und da war schon bei vielen ein Fra­ge­zei­chen, ob das auch sie hätten sein können, die dort liegen“, berichtet Meyer von den Ängsten seiner Spieler. Immerhin: Der Rest der Mann­schaft blieb von den Kreis­lauf­pro­blemen ver­schont und auch den beiden Betrof­fenen ging es bald besser. Trotzdem bleibt beim Ath­letik-Klub die Fas­sungs­lo­sig­keit. Schon Wochen zuvor hatte Trainer Meyer vor einer mög­li­chen Über­las­tung seiner Spieler gewarnt.

Trägt der Ver­band eine Mit­schuld?

Im Zuge der Viel­zahl an Infek­tionen war das für den 19. November ange­setzte Top­spiel zwi­schen dem Ber­liner AK und dem Stadt­ri­valen BFC Dynamo vom Nord­ost­deut­schen Fuß­ball­ver­band (NOFV) ver­legt worden. Auch das BAK-Pokal­spiel gegen die Füchse Berlin fiel dem Corona-Aus­bruch zum Opfer. Mit der Folge, dass die Tak­tung der Spiele im Anschluss umso enger geriet – vier Par­tien in nur elf Tagen. Selbst die Spieler, die keine Erkran­kung hatten, sind dann zum Schluss ein­fach an ihre Grenzen gestoßen“, sagt Meyer. Bei den gene­senen Akteuren sei dieser Punkt aller­dings schon früher erreicht gewesen.

Man müsse kein Experte sein, um zu erkennen, dass eine solche Situa­tion den Spie­lern schaden könne. Es reicht die Lai­en­me­dizin, um dafür ein Ver­ständnis zu haben. Bei uns ist das Gefühl ange­kommen, dass die Saison mit Ach und Krach durch­ge­zogen werden muss.“ Der BAK-Trainer bezieht sich damit auf eine in der NOFV-Spiel­ord­nung fest­ge­setzte Rege­lung, wonach eine Wer­tung der Saison statt­finden kann, sobald drei Viertel der Mann­schaften die Hälfte der 38 Sai­son­spiele absol­viert haben.

Meyer kann die Druck­si­tua­tion auf Ver­bands­seite zwar nach­voll­ziehen, bekräf­tigt aber, dass die Gesund­heit der Spieler immer Vor­rang haben müsse. Der BAK habe vor­ge­schlagen, sogar kurz vor Weih­nachten noch zu spielen. Ein­fach, um zwi­schen­drin so ein biss­chen Ent­zer­rung zu haben. Wir haben auch ange­boten, dass wir das Spiel gegen den BFC zumin­dest zeit­lich früher spielen, sodass wir ein paar Stunden mehr Rege­ne­ra­tion haben.“

Für den Ver­band offenbar keine Optionen: Es blieb beim Nach­hol­termin am ver­gan­genen Diens­tag­abend. Da auch die Jena-Partie nicht auf den Sonntag ver­schoben wurde, blieb dem BAK ledig­lich ein Tag Pause. Don­nerstag folgte das Abschluss­trai­ning, Frei­tag­morgen die Abreise nach Jena. Meyers Ein­druck: Unsere Situa­tion und die Gesund­heit der Spieler hatte keine Prio­rität.“ Nach­rangig und doch erwäh­nens­wert ist übri­gens der sport­liche Aspekt. Denn in der Liga hat der BAK seit dem Corona-Aus­bruch drei Pleiten aus drei Spielen ein­ge­fahren. Zuvor noch an der Tabel­len­spitze, sind die Ber­liner mitt­ler­weile auf Rang drei abge­rutscht.