Fuß­ball ist auch immer ein großes Schau­laufen. Die Bühne ist das Sta­dion, die Zuschauer kommen zu Zehn­tau­senden. Mil­lionen sitzen vor dem Fern­seher. Drei­stellig ist die Zahl der Kameras und Foto-Objek­tive. Jeder Pickel auf dem Ohr­läpp­chen kann der Öffent­lich­keit in scho­ckie­render Bild­qua­lität über­mit­telt werden.

Jeder spricht über Guar­diolas Mode

In einer sol­chen Welt regiert zwangs­läufig die Eitel­keit. Unüber­troffen ist die Pfau­en­haf­tig­keit man­cher Spieler. Und auch vor den Trai­nern, ob ihres fort­ge­schrit­tenen Alters doch eigent­lich aus dem Gröbsten raus, was die opti­sche Selbst­dar­stel­lung angeht, macht der Wahn­sinn nicht Halt. Über Pep Guar­diolas Hosen und Hemden wird ähn­lich häufig dis­ku­tiert wie über seine Vie­rer­kette.

Held der Stunde in dieser Spe­zi­al­dis­zi­plin der modi­schen Fleisch­be­schau ist Markus Kauc­zinski aus Gel­sen­kir­chen-Ücken­dorf. Kauc­zinski ist 45 Jahre alt und Trainer des Karls­ruher SC. Seit ges­tern dürfte er ver­mut­lich einige Jahre älter aus­sehen, aber selbst die so dra­ma­tisch ver­lo­rene Rele­ga­tion dürfte seinem Look nicht geschadet haben. Der ist näm­lich ein­zig­artig im deut­schen Pro­fi­fuß­ball.

Solche Gesichter werden nicht mehr gebaut

Was komisch ist, denn vor 20 Jahren sahen die meisten seiner Berufs­kol­legen so aus wie Kauc­zinski. Doch die sind inzwi­schen alt und arbeitslos. Kauc­zinskis Gesicht findet man höchs­tens noch auf irgend­wel­chen Bezirks­sport­an­lagen in der Pro­vinz. Aber da gibt es eben keine Bühne mit 30.000 Zuschauern und 300 Kameras. Nein, Typen wie Markus Kauc­zinski werden heute eigent­lich gar nicht mehr gebaut.