Seite 4: Welche Rolle spielte Franz Beckenbauer?

Becken­bauer wird in dem Bericht immer wieder im Ver­bund mit seinen Ver­trauten Andreas Abold und Fedor Rad­mann genannt. Die beiden arbei­teten für die Bewer­bung von Aus­tra­lien, Becken­bauer war einer der Wahl­männer bei der WM-Ent­schei­dung. Der Ermittler Garcia sen­dete Becken­bauer daher immer wieder einen Fra­gen­ka­talog über dessen Zusam­men­ar­beit mit Rad­mann zu.

Doch Becken­bauer wei­gerte sich zu ant­worten und wurde daher zunächst für 90 Tage von der Fifa gesperrt. Die ent­schei­dende Frage: Hat Becken­bauer für Aus­tra­lien gestimmt, weil sein Adlatus Lob­by­ar­beit für das Land betrieb? Becken­bauer selbst ver­neinte dies in seiner Ant­wort an die Ermittler. Im Juni 2014 hatte er jedoch gesagt: Der DFB hatte eine Ver­ein­ba­rung mit dem aus­tra­li­schen Ver­band und ich damit ein Mandat.“

Es bleibt unklar, wel­chem Land Becken­bauer seine Stimme gab. Seit langem besteht der Ver­dacht, Becken­bauer habe für Russ­land gestimmt. Im Jahr 2014 hatte die bri­ti­sche Zei­tung Sunday Times“ über seine Ver­bin­dungen nach Russ­land berichtet. Eine Quelle der Times“ aus dem eng­li­schen Komitee wird mit den Worten zitiert: Becken­bauer war der kor­rup­teste von allen“ und kom­plett auf der rus­si­schen Seite“. Dem­nach hätten Becken­bauers Ver­traute dessen Stimme gegen eine enga­ge­ment fee“ ange­boten.

Das muss kein Wider­spruch zum Aus­tra­lien-Enga­ge­ment sein: Laut Garcia-Bericht hat Rad­mann sei­ner­zeit auch ein Treffen von Becken­bauer mit den eng­li­schen Bewer­bern orga­ni­siert. Die Fifa-Ermittler sehen darin einen klaren Ver­stoß gegen die Regeln. Garcia schreibt: Das führt zu Zwei­feln an der Inte­grität des Bewer­bungs­pro­zesses.“ Becken­bauer habe gegen die Fifa-Ethik­re­geln ver­stoßen.

Die Rolle des Kai­sers bleibt auch nach dem Garcia-Report unklar. Er selbst ant­wor­tete aus­wei­chend, seine Ver­trauten äußerten sich gar nicht. Fakt ist: Zwei Jahre nach der WM-Wahl wurde Becken­bauer Bot­schafter für den Ver­band Rus­si­scher Gas­kon­zerne. Seine Auf­gabe: für rus­si­sche Groß­ereig­nisse werben.

Werden die Welt­meis­ter­schaften jetzt neu ver­geben?

Der Garcia-Report ist nicht das lange ver­steckte, geheime Doku­ment, das den end­gül­tigen Beweis für die gekauften Tur­niere lie­fert. Russ­land und Katar werden wei­terhin Aus­richter der WM 2018 und 2022 bleiben, auch wenn gerade der Wüs­ten­staat schwer belastet wird. Der Bericht offen­bart aber den Moloch Fifa, er listet Belege und Aus­sagen auf, die wei­tere Ermitt­lungen initi­ieren könnten. Garcia hatte nicht die Mög­lich­keiten einer staat­li­chen Ermitt­lungs­be­hörde.

Nur fünf der 22 Wahl­männer von damals haben sich Gar­cias Team gestellt. Auch andere poten­zi­elle Zeugen scheuten das Risiko. Es ist zu gefähr­lich. Die Fifa hat uns Zeugen keinen recht­li­chen Schutz gegeben, obwohl es für sie so ein­fach gewesen wäre“, wurde bereits 2014 ein Mit­ar­beiter aus dem eng­li­schen Bewer­ber­stab in der Times“ zitiert. Garcia hat ein großes Puzzle zusam­men­ge­legt, aber die letzten Teile fehlen.

So sind die­je­nigen (noch) fein raus, die sich plötz­lich an nichts mehr erin­nern können. Oder denen die Com­puter abhanden kamen.