Man nennt die Cham­pions League auch gerne die Königs­klasse, weil nur die Besten, Größten und Reichsten in ihr spielen. Manchmal aber ver­irrt sich auch ein kleiner Klub aus einer kleinen Stadt hierher. Der unwahr­schein­lichste von ihnen war viel­leicht der FC Unirea aus dem Ort Urziceni. Das Dorf ist so klein, dass selbst Sins­heim mehr als dop­pelt so viele Ein­wohner zählt. Und der Verein war so klein, dass er in Rumä­nien dafür berühmt war, nur einen ein­zigen Aus­wärtsfan zu haben.

Dieser Mann heißt Con­stantin Leo­nard. Sein Vater gehörte zu den Grün­dungs­vä­tern, die Unirea Mitte der Fünf­ziger aus der Taufe hoben. Viel mehr gab es nicht im dem kleinen Nest knapp 60 Kilo­meter nord­öst­lich von Buka­rest, das die meisten Rumänen höchs­tens als Tank­stopp auf der Natio­nal­straße 2A kannten. Ein Ort, an dem man kurz etwas trinkt, um die Kehle vom Stra­ßen­staub zu befreien, und dann rasch wei­ter­fährt.

Der Ein­same Wolf

Doch für Con­stantin Leo­nard waren die Stadt und ihr Verein viel mehr. Der FC Unirea hatte viel­leicht keine große Geschichte und keine Fan­kultur, doch Leo­nard ver­passte kein Spiel. Aus­wärts war er in der Regel der ein­zige Zuschauer im Gäs­te­block, wes­halb er den Spitz­namen lupul sin­gu­ratic bekam – der Ein­same Wolf. Oder viel­leicht wäre es genauer, würde man sagen, er gab sich diesen Namen selbst.

Der Name ent­stand, als ich mich mit meinem Sohn über einen Zei­tungs­ar­tikel unter­hielt“, erin­nert sich Leo­nard. In dem Text hieß es, dass unser Trainer Dan Petrescu in den Mann­schafts­be­spre­chungen die Spieler immer als Wölfe‘ bezeichnet. Da habe ich zum meinem Jungen gesagt: Ich bin auch ein Wolf! Lass uns ein Banner machen.‘ Wir haben dann sogar zwei gemacht. Auf einem stand: Der Ein­same Wolf. Und auf dem anderen: Der Fröh­liche Wolf. Das habe ich hoch­ge­halten, wenn wir ein Tor schossen. Die beiden Banner hatte ich bei jedem Spiel dabei.“ Der heute 67-Jäh­rige hält kurz inne. Das waren schöne Zeiten“, sagt er.

Ein Star in der Pro­vinz

Der ange­spro­chene Petrescu gehörte zu Rumä­niens Gol­dener Genera­tion um Gheorge Hagi, er stand mit Steaua Buka­rest im Finale um den Pokal der Lan­des­meister und gewann mit Chelsea den Pokal­sie­gercup. Viele Leute zogen erstaunt die Augen­brauen hoch, als Petrescu im Jahre 2006 den Pro­vinz­klub Urziceni über­nahm, der gerade zum ersten Mal in seiner Geschichte in die erste Liga auf­ge­stiegen war. Dieser Erfolg hatte natür­lich einen wirt­schaft­li­chen Hin­ter­grund. Der Bau­un­ter­nehmer Dumitru Bucsaru, dessen Firma Haupt­sponsor des Klubs war, fun­gierte als eine Art Mäzen und finan­zierte viele Trans­fers.

Auf diese Weise klet­terte das kleine Team von der dritten in die erste Liga. Doch dort war Bucsaru nur noch ein kleiner Fisch. Als Unirea auf­stieg, war gerade mehr Geld im rumä­ni­schen Fuß­ball als jemals zuvor. Mit seinem Budget von knapp unter acht Mil­lionen Euro hatte der Pro­vinz­klub nur die Hälfte oder gar nur ein Drittel von den Mit­teln zur Ver­fü­gung, mit denen die großen Klubs aus Buka­rest arbeiten konnten – Steaua, Dinamo und Rapid. Doch Petrescu setzte das Geld klug ein. Unter seiner Füh­rung ver­pflich­tete Unirea Urziceni vor­nehm­lich erfah­rene Spieler, deren Ver­träge andern­orts aus­ge­laufen waren und die beweisen wollten, dass sie noch nicht zum alten Eisen gehörten.