Schon längst gab es eigent­lich nie­manden mehr im Stadio Olim­pico, dem die Fans des FC Bayern hätten applau­dieren können. Die Spieler, Trainer und Betreuer der Münchner waren mit ihrem unglaub­li­chen 7:1‑Sieg in den Kabinen ver­schwunden, als es aus dem Münchner Block noch einmal don­nernden Applaus gab. Wo sie noch auf ihren Plätzen warten mussten, wäh­rend es rundum leer wurde, gab es unver­se­hens Besuch von einigen Hun­dert Anhän­gern der Roma, die ihre Fan­schals zum Tausch anboten. Und so gingen die Sicher­heits­leute durch das No Man’s Land zwi­schen den Blö­cken und trugen rot-weiße und gelb-rote Schals hin und her. Ein freund­li­cher Akt, aber in Rom, wo Gäs­te­fans nor­ma­ler­weise wenig zu lachen haben, auch einer der Nie­der­wer­fung.

Doch was blieb auch nach diesem höchsten Sieg einer deut­schen Ver­eins­mann­schaft im Land des Defen­siv­fuß­balls? Wo doch selbst den mit­ge­reisten Deut­schen, die das Gemetzel ja kennen, das die Bayern unter Guar­diola immer wieder an ihren Geg­nern anzu­stellen ver­stehen, nur Staunen und Unglauben blieb.

Ist Steh­geiger Totti noch hilf­reich?

Nun mag der AS Rom vorher aus der Ferne besser weg­ge­kommen sein, als er wirk­lich ist. Man kann auch dar­über streiten, ob der große Steh­geiger Totti auf diesem Niveau noch wirk­lich hilf­reich ist. Viel­leicht ist das Niveau der ita­lie­ni­schen Serie A inzwi­schen auch noch schlechter, als wir glauben mögen. Aber das änderte nichts daran, dass die Bayern vor allem in der ersten Halb­zeit selbst für ihre Maß­stäbe außer­ge­wöhn­lich gut spielten. Um es mit aller Unter­trei­bung zu sagen.

Naja, sagte Thomas Müller, sie seien eben vom Trainer gut ein­ge­stellt gewesen und hätten genau gewusst, wo sich Räume ergeben. Philipp Lahm und Arjen Robben äußerten sich fast wort­gleich: Dieser Sieg gehörte ihrem Trainer. Einem Pep Guar­diola, der in Ita­lien übri­gens mit einer inter­es­santen Spitze begrüßt worden war. Gui­seppe Ber­gomi, Welt­meister mit Ita­lien, Legende von Inter Mai­land und heute Experte beim Fern­sehen, hatte dem Bayern-Trainer vor­ge­worfen, dessen häu­fige Varia­tionen seien affek­tiert“. Das ist ein ver­blüf­fender Begriff im Zusam­men­hang mit Trai­ner­ar­beit, und wirk­lich könnte man meinen, dass Guar­diola unter Ori­gi­na­li­täts­zwang leidet. In den 68 Spielen unter seiner Lei­tung vor dem in Rom hatte er im Ver­gleich zur jeweils vor­an­ge­gan­genen Partie 236 Ände­rungen vor­ge­nommen.

Suche nach dem pass­ge­nauen Team

Die eine oder andere Umstel­lung mag durch Ver­let­zungen oder Erho­lungs­maß­nahmen zu erklären sein, aber eigent­lich ging es stets vor allem darum, für jede ein­zelne Partie die pass­ge­naue Mann­schaft zu finden. Guar­diolas Fuß­ball näm­lich ist Fuß­ball aus dem Geist der Spiel­ana­lyse. Inzwi­schen arbeiten ihm bereits fünf Ana­lysten zu, aber er selbst ist oberster Spiel­zer­leger und ver­bringt end­lose Stunden vor Videos der kom­menden Gegner, um die rich­tige Idee zu ent­wi­ckeln. So ändert sich nicht nur ständig die Auf­stel­lung seines Teams, son­dern in jedem Spiel bekommen die Spieler andere Auf­gaben.