Viele Anhänger des Fuß­ball-Ober­li­gisten BFC Dynamo zückten ihre Handys. Sie foto­gra­fierten beim Spiel gegen Tennis Borussia das neue Emblem des Ver­eins auf der Rück­seite der Haupt­tri­büne im Sport­forum. Da der Schriftzug BFC und das tra­di­tio­nelle D geschützt sind, wurden der Ost-Ber­liner Bär, das Grün­dungs­jahr 1966 und der Schriftzug »Ber­liner Fuss­ball Club Dynamo« dafür aus­ge­wählt. Fuss­ball statt Fuß­ball – mit ss, in Frak­tur­schrift.



In der Ver­gan­gen­heit hatte der BFC große Pro­bleme mit rechts­ex­tremem Publikum. »Hinter dem Doppel‑S steckt über­haupt kein Hin­ter­ge­danke. Beim BFC wurde auf allen Wim­peln oder Schals Fuss­ball immer so geschrieben«, ent­gegnet Prä­si­dent Nor­bert Uhlig.

»Ihr könnt uns alle scheiße finden«

Und doch wurde bewusst pro­vo­ziert. »Wir hofften, dass sich alle über die Schreib­weise auf­regen und unser Logo so durch die Repu­blik wan­dert«, sagte Peter Meyer, der Chef des Wirt­schafts­rates. »Frei nach dem Motto: Ihr könnt uns alle scheiße finden, aber wir sind der BFC und nur wir schreiben Fuss­ball mit kleinem ss.« Die Schreib­weise sei ein Mar­ke­tingtrick, dem man sich beim Welt­ver­band Fifa abge­schaut habe. Der schreibt »Fuss­ball« aber so, weil es dort kein »ß« gibt. Es ist schon erstaun­lich, was einem alles nicht ein­fallen kann, wenn man mit dieser Schreib­weise beim Logo des BFC pro­vo­zieren will. Tat­säch­lich wurde in den Fan-Foren statt über Nazis heftig über die Ortho­grafie dis­ku­tiert – mit einem Erfolg. »Damit sich die Gemüter beru­higen, die uns einen Recht­schreib­fehler vor­werfen, wird das Logo nur noch große Buch­staben haben«, sagte ges­tern Prä­si­dent Uhlig.

Ein Jahr­zehnt lang hatte Dynamo ver­sucht, die Rechte am Logo zurück­zu­er­langen. Sie gingen in der Phase ver­loren, als der Klub FC Berlin hieß. »1992 hat mich die Regis­trie­rung 80 Mark gekostet«, erin­nert sich der Ber­liner Sou­ve­nir­händler Peter Mager, der viel Geld mit nach­ge­ar­bei­teten Fan­ar­ti­keln ver­diente.

2001 über­ließ er die Marke für rund 50 000 Mark BFC-Fan Rayk Bernt, der der in Deutsch­land teil­weise ver­bo­tenen Motor­rad­grup­pie­rung Hells Angels nahe steht. Bernt betei­ligte seinen Klub zeit­weise mit zehn Pro­zent am Gewinn.

Seit 2007 ist Bernt wohl nur noch Ver­walter des Logos. Beim Deut­schen Patent- und Mar­kenamt ist auch Thomas Thiel als Besitzer ein­ge­tragen. Der ehe­ma­lige Haupt­sponsor von Tennis Borussia ver­büßt seit April 2009 wegen häus­li­cher Gewalt und Kin­des­miss­brauchs eine Haft­strafe. Thiel soll das alte Logo für eine sechs­stel­lige Summe gekauft haben. Dieses Geld hatte der BFC nicht übrig. Zukünftig kann er aber mit dem neuen Emblem alle Ein­künfte selbst ein­strei­chen. Beim Auf­stieg in die Regio­nal­liga for­dert der DFB zudem die Rechte am eigenen Logo. Auch wenn »Fuss­ball« drauf­steht.