Milan Skro­banek, was zeichnet für Sie ein Derby aus?
Derbys garan­tieren immer volle Sta­dien. Alle Betei­ligten sind lei­den­schaft­li­cher und lauter. Es ist kein Kli­schee, dass in einem Derby in allen Berei­chen fünf bis zehn Pro­zent mehr gegeben wird, das habe ich hautnah mit­er­lebt. Beim Derby Münster gegen Osna­brück sind es sogar mehr als zehn Pro­zent.

Woran machen Sie das fest?
Die Trai­ner­an­sprache vor dem Spiel ist emo­tio­naler, die Spieler sind fokus­sierter. Die sitzen in der Kabine und wissen: Gleich geht’s ab. Wenn du es da noch nicht weißt, dann spä­tes­tens, wenn du raus­kommst und die Fans hörst – das hat Bun­des­li­ga­f­lair. Von daher gilt in Spielen zwi­schen Münster und Osna­brück gene­rell: Ver­lieren ver­boten.

Ent­wi­ckelt man bei aller Abnei­gung auch eine kleine Sym­pa­thie für den Derby-Gegner – eine Art Hass­liebe?
Nein, das Wort Liebe kann man hier getrost strei­chen. Die Fans von Münster und Osna­brück sind sich ein­fach nicht grün. Aber solange sie sich nicht gegen­seitig ver­prü­geln, finde ich das in Ord­nung.

Sie haben einen Film über dieses emo­tional geführte Derby gemacht. Dort gibt es Szenen, in denen die Müns­te­raner Fan-Radio-Crew sich über Kack­tore“ beschwert und die Osna­brü­cker als Osnasen“ bezeichnet. Finden Sie das in Ord­nung?
Gerade die Jungs vom Fan-Radio sind extrem lei­den­schaft­lich. Die sind haupt­be­ruf­lich Fans. Genauso wie alle Ange­stellten des Ver­eins, die den Fans auf der Tri­büne emo­tional in Nichts nach­stehen. Geht das Derby ver­loren, herrscht in den Ver­einen eine ganz miese Stim­mung. Für so viel Lei­den­schaft habe ich durchaus Sym­pa­thie.

Der Miss­erfolg der anderen scheint oft ähn­lich wichtig wie der Erfolg der eigenen Mann­schaft – auch in der Kon­stel­la­tion zwi­schen Münster und Osna­brück?
Defi­nitiv. Ich hab über das Thema öfter mit Osna­brücks Spieler Nicolas Feld­hahn gespro­chen. Uns fiel auf, dass die Fans jedes Heim­spiel Scheiß Preußen Münster“ skan­dierten. Ich kann mich noch gut an den letzten Spieltag der Saison 14/15 erin­nern: Trotz einer mit­tel­mä­ßigen Saison hatten die Osna­brü­cker Fans ordent­lich was zu feiern. Näm­lich den Nicht-Auf­stieg Müns­ters, der schon lange fest­stand.

Was ist denn Ihre Pro­gnose für nächste Saison: Wie viele Drei­eck­derbys wird es geben?
Arminia Bie­le­feld, die ich im Film auch begleitet habe, bleibt wohl Zweit­li­gist. Ich glaube aber nicht, dass sowohl Münster als auch Osna­brück auf­steigen. Bleibt uns immerhin ein Derby aus der Region erhalten.

Der Film Im Der­by­dreieck“ läuft am 20. März 2016 um 20 Uhr im Ber­liner Babylon-Kino. Wei­tere Infor­ma­tionen und Tickets auf 11​-mm​.de