Jetzt ist Luca Toni dran. Den Frei­stoß nagelt er an die Latte, von dort aus springt der Ball zurück in den Straf­raum, Toni läuft an und ver­wan­delt mit dem Kopf. In einer unnach­ahm­li­chen Mischung aus Deutsch und Ita­lie­nisch ruft er Franck Ribery ein lang­ge­zo­genes Ahhh, Teknik, Fraa­anck!“ zu und schüt­telt dazu lässig die rechte Hand, den Daumen auf Zeige- und Mit­tel­finger gepresst, wie es läs­sige, braun­ge­brannte Ita­liener mit langen schwarzen Haaren eben machen. Ribery ist nicht nur sein Partner in dem Wer­be­clip, in dem die beiden in der leeren Allianz-Arena gegen­ein­ander kicken, son­dern auch auf dem Platz in der Saison 2007/08.

Für 28,5 Mil­lionen Euro war Toni im Juli 2007 nach Mün­chen gekommen. Wie Franck Ribery wirkte er wie der Start­punkt einer neuen Epoche. Bei einem Fan-Freund­schafts­spiel im kleinen Dorf Hösl­wang am Chiemsee wurden beide emp­fangen, spielten nur wenige Minuten, wurden aber gefeiert wie wenige Bayern-Neu­zu­gänge zuvor.

Den Über­stürmer des Jahr­zehnts in den Schatten gestellt

Der ita­lie­ni­sche Stürmer löste in seiner ersten Saison alle Ver­spre­chen ein. Unter Ottmar Hitz­feld über­ragte er im Zen­trum, das Zusam­men­spiel mit Ribery war so gut, dass man hätte denken können, beide wären im WM-Finale von 2006 keine Gegner, son­dern im glei­chen Team gewesen.

Mün­chen lag Luca Toni zu Füßen, er stellte sogar den deut­schen Über­stürmer des Jahr­zehnts, Miroslav Klose, kom­plett in den Schatten.

Kaum ein Spiel beschreibt den Fuß­ball von Luca Toni besser als das Wunder von Getafe“ aus dem April 2008. Beim wahn­wit­zigen 3:3 im UEFA-Cup-Vier­tel­final-Rück­spiel lag der FC Bayern in der Ver­län­ge­rung 1:3 zurück, es waren noch fünf Minuten zu spielen.

Sprung­kraft und Technik waren kaum vor­handen

Von Luca Toni war das ganze Spiel über wenig zu sehen gewesen, bis auf ein Tor aus Abseits­po­si­tion war ihm, wie der gesamten Mann­schaft, wenig gelungen. Doch als in der 115. Minute Getafes Tor­wart Roberto Abbond­an­zieri eine Flanke durch­ließ, war er zur Stelle und erzielte den Anschluss­treffer.

Fünf Minuten, ein klar von den Lippen ables­bares italo-deut­sches Gemma, Juuuungs“ und eine Flanke von Jose Sosa später, bekam Toni den Ball erneut auf den Kopf. Er brauchte gar nicht zu springen, Luca Tonis Kopf­ball­qua­li­täten beschränkten sich ohnehin allein auf seine Kör­per­größe, Sprung­kraft und Technik waren kaum vor­handen.

Ohne Technik, ein­fach nur getrieben von seinem Rie­cher für Tor­si­tua­tionen setzte sich Toni durch, traf den Kopf­ball nicht mal richtig, aber es reichte, um per Auf­setzer ins Kreuzeck zu voll­enden. Ein Tor, wie es die Kar­riere des Stür­mers nicht besser beschreiben könnte.