Rory Allen, warum sind Sie vor sieben Jahren Knall auf Fall nach Aus­tra­lien abge­hauen?

Um die berühmte Cri­cket­serie zwi­schen Aus­tra­lien und Eng­land zu sehen, ein biss­chen am Strand zu liegen, zu ent­spannen, neue Leute und gut­aus­se­hende Frauen ken­nen­zu­lernen – muss ich mehr sagen?

War die Sache von langer Hand geplant?

Ich hatte schon eine Weile dar­über nach­ge­dacht, aber ernst wurden die Pläne erst etwa sechs Wochen, bevor ich ging. Ich war dann drei Monate unten, kehrte nach Eng­land zurück und flog im nächsten Jahr noch mal drei Monate hin, um die Rugby-WM anzu­sehen, die Eng­land ja auch auf gran­diose Weise gewann.

Ports­mouths Vor­stands­vor­sit­zender Peter Storrie war außer sich und echauf­fierte sich gegen­über den Medien, dass er so etwas noch nie erlebt hätte. Haben Sie irgend­je­manden ein­ge­weiht, dass Sie ver­schwinden würden?

Nur meine Familie und enge Freunde, dar­unter einige Mann­schafts­ka­me­raden, denen ich ver­trauen konnte. Natür­lich habe ich den Funk­tio­nären des FC Ports­mouth nichts erzählt. Ich schrieb aber einen Brief an Trainer Harry Red­knapp, den ich einem guten Freund gab, damit er ihn Red­knapp nach meinem Ver­schwinden über­reichte.

Es war mitten in der Saison.

Mein Ver­trag wäre noch ein Jahr gelaufen, doch Geld ist nicht alles im Leben. Das per­sön­liche Glück ist viel wich­tiger. Ich hatte ja auch eine Menge Pro­bleme mit Ver­let­zungen wäh­rend meiner Kar­riere: zwei gebro­chene Beine, eine schwere Bän­der­ver­let­zung im Knö­chel, die drei Ope­ra­tionen erfor­derte, und ein Knor­pel­schaden, wegen dem ich gleich viermal ope­riert wurde.

Haben Sie jemals wieder mit Peter Storrie gespro­chen?


Nein. Ich bin aber auch nicht sicher, ob ich vorher mal mit ihm gespro­chen habe. Er hatte nicht viel Kon­takt zu den Spie­lern.

Wie fühlte es sich an, diese Ent­schei­dung zu treffen – ein­fach mit dem Fuß­ball auf­zu­hören?


Es fühlte sich gut an. Ich wollte schon immer durch die Welt reisen und etwas Ver­rücktes tun – wie alle meine Freunde, die auf die Uni gingen, es auch konnten. Und ich habe es nie bereut, die Schuhe an den Nagel zu hängen, nicht eine Minute.

Und das pri­vi­le­gierte Leben als Fuß­baller?

Ich wurde als Spieler geliebt und habe eine Menge Geld ver­dient, doch ich konnte mit diesem Life­style nie beson­ders viel anfangen. Danach durfte ich end­lich reisen, auf­re­gende Dinge tun und mich neuen Her­aus­for­de­rungen stellen. Natür­lich ver­misse ich auch einiges: Die Atmo­sphäre in der Kabine war manchmal echt spaßig, drei oder vier meiner dama­ligen Team­ka­me­raden gehören noch immer zu meinen besten Freunden. Das Gehalt war annehmbar und die Auf­merk­sam­keit der Damen hin und wieder ein Bonus.

Wenn Sie sich als Fuß­baller beschreiben müssten …

Pelé, Mara­dona, Allen. Nein, im Ernst, ich war ganz solide: ziem­lich schnell, gut in der Luft und mit einem ordent­li­chen Abschluss.

Was haben Sie gemacht, als Sie aus Aus tra­lien zurück­kehrten?

Ich wollte etwas tun, was über­haupt nichts mit Fuß­ball zu tun hatte. Ich habe ein ganzes Jahr damit ver­bracht, Cri­cket und Golf zu spielen, habe ver­schie­dene Urlaube unter­nommen, mich mit Freunden getroffen … Um die Wahr­heit zu sagen, habe ich nicht allzu viel gemacht. Mitt­ler­weile arbeite ich für das Außen­mi­nis­te­rium und koor­di­niere Teams von spe­ziell geschulten Diplo­maten, die bri­ti­schen Staats­an­ge­hö­rigen in Kri­sen­si­tua­tionen im Aus­land bei­stehen. Es ist ein sehr inter­es­santer Job und mit einer Menge Reisen ver­bunden, was ich liebe. Davor leis­tete ich drei Monate Dienst in der bri­ti­schen Bot­schaft in Lis­sabon, vorher war ich in einer Abtei­lung, die sich mit den Bezie­hungen zur EU beschäf­tigt.

Steve Cla­ridge (berüch­tigter eng­li­scher Wan­der­vogel, Anm. d. Red.) sagt, dass ihn wäh­rend seiner Zeit als Spie­ler­trainer in Wey­mouth ein Mann kon­tak­tiert habe, der behaup­tete, Rory Allen zu sein, und um ein Pro­be­trai­ning bat, zu dem er dann nicht erschien. Waren Sie das?

Nein, defi­nitiv nicht. Ich kenne die Geschichte auch. Aber in Wey­mouth spielen, unter Steve Cla­ridge? Ich bin nicht sicher, ob ich mir irgend­etwas Schlim­meres vor­stellen kann – sorry, Wey­mouth-Fans.