Sams­tag­nach­mittag, früh­som­mer­li­ches Son­nen­wetter in der Bun­des­re­pu­blik. Als Ber­liner Anhänger hätte man den Tag so schön am Wannsee ver­bringen können. Statt­dessen reisten knapp 2000 Aus­wärts­fans quer durch das Land in die Arena aif Schalke. Nur, um dann aber­mals eine tak­tisch schwache Leis­tung ihres Teams mit­er­leben zu müssen.

Den Außen­sei­tern aus Berlin waren von der ersten Minute nicht gewillt, allzu großes Risiko ein­zu­gehen. Sie reihten ihre Vie­rer­kette tief in der eigenen Hälfte auf und über­ließen den Schal­kern das Spiel. Im Angriff ver­ließen sie sich voll und ganz auf Konter. Dem 17. der Tabelle kann dabei sicher nicht zur Last gelegt werden, dass er gegen einen Cham­pions-League-Kan­di­daten zu defensiv agiere – es war viel­mehr die Tat­sache, wie sie es taten, die Hertha-Fans sauer auf­stoßen dürfte.

Von wegen: Attack“ – Ottos Elf zu passiv

Die Ver­tei­di­gung ließ in zu vielen Fällen den Druck auf den Ball­füh­renden ver­missen. Schalke konnte in der eigenen Hälfte das Spiel ver­walten und in Ruhe den Ball zu ihren Krea­tiv­spie­lern bringen. Die Ball­ge­winne erfolgten so, wenn über­haupt, tief in der eigenen Hälfte – zu weit weg vom geg­ne­ri­schen Tor, um schnelle Konter zu fahren. Zumal Berlin nie wirk­lich Zugriff auf das Spiel bekam – ein Drittel Ball­be­sitz und nur 55 Pro­zenz gewon­nene Zwei­kämpfe spre­chen eine deut­liche Sprache.

Schuld daran war auch, dass in der Offen­sive der Ball oft­mals zu schnell wieder weg war. Je näher Berlin an das geg­ne­ri­sche Tor kam, umso größer wurde die Fehl­pass­quote. Einzig Sechser Ronny streute ein bis zwei gute Ideen zum Offen­siv­spiel bei, die anderen Akteure agierten im letzten Drittel voll­kommen unin­spi­riert. Über 90 Minuten kamen sie nur einmal im geg­ne­ri­schen Sech­zehner zum Schuss. Wenn man bedenkt, dass sie in dieser Saison noch keinen Treffer von außer­halb des Straf­raums erzielten, ist dies eine ver­hee­rende Sta­tistik.

Schalke reicht unin­spi­rierte Leis­tung

Auch seltsam war, wie wenig sich Reh­hagel und seine Co-Trainer auf die Schalker Taktik ein­ge­stellt hatten. Bei den Königs­blauen ließ sich in dieser Partie wie auch in den vor­he­rigen beob­achten, dass Jones im Spiel­aufbau sehr tief stand. Hier­durch wurde aus der Vierer- eine Drei­er­kette, die Außen­ver­tei­diger Atsuto Uchida und Chris­tian Fuchs rückten weiter auf. Gegen solch eine Stra­tegie gibt es meh­rere Gegen­mittel, doch die Ber­liner prak­ti­zierten weder schnelle Konter über die Räume hinter den auf­ge­rückten Außen­ver­tei­di­gern noch ein aktives Pres­sing gegen den spiel­auf­bau­enden Jones. Auch die Aus­wechs­lungen in der zweiten Halb­zeit waren alle­samt 1:1‑Positionswechsel. Tak­ti­sche Ideen? Fehl­an­zeige.

So musste Schalke nicht groß glänzen, um zu vier Tref­fern zu gelangen. Sie konnten sich relativ unin­spi­riert auf ihr starkes Flü­gel­spiel und die guten Flanken ver­lassen. Von 20 hohen Her­ein­gaben führten neun zu Tor­schüssen – mit fast 50 Pro­zent Flan­ken­ver­wer­tung ein sehr starker Wert.

Obwohl Hertha defensiv recht gut die Posi­tionen hielt, waren sie in den ent­schei­denden Situa­tionen geis­tes­ab­we­send. Sym­bo­lisch hierfür die Leis­tung Roman Hub­niks, der zwei Drittel seiner Zwei­kämpfe gewann, aber aus­ge­rechnet bei einem hohen Abschlag des Tor­hü­ters, einer eigent­lich leicht zu ver­tei­di­genden Situa­tion, patzte. Da Hertha spä­tes­tens nach dem 0:2 psy­cho­lo­gisch und damit auch defen­siv­tak­tisch aus­ein­an­der­brach, durfte Schalke noch nach­legen. Trotz der vier Tore war der inter­es­san­teste Moment des Spiels die Ver­ab­schie­dung Rauls – wohl­ge­merkt nach dem Abpfiff.