Marcus Uhlig, viel wird der­zeit über die Absage von Spielen in den Pro­fi­ligen debat­tiert. Dabei würden Aus­fälle die Regio­nal­li­gisten viel härter treffen …
Ja, weil wir nur einen Bruch­teil der Wer­be­ein­nahmen der Bun­des­li­gisten haben. Wir als Rot-Weiss Essen sind viel stärker von dem abhängig, was die Fans bei uns für Tickets aus­geben, ob nun als Ein­zel­ti­cket oder Dau­er­karte. Wir begrüßen hier jedes zweite Wochen­ende über 10.000 Fans. Hinzu kommen die Ein­nahmen aus dem Fan­shop, der an jedem Spieltag aus allen Nähten platzt. Und das Cate­ring nicht zu ver­gessen, wir haben in Essen einen sehr hohen Bier-pro-Kopf-Konsum, viel­leicht sogar den höchsten in ganz Deutsch­land.

In der Bun­des­liga gelten Geis­ter­spiele als erstes mög­li­ches Sze­nario.
Geis­ter­spiele sind für uns der Worst Case. Der Groß­teil unserer Kosten würde ja wei­ter­laufen, wir hätten dann aber kaum Ein­nahmen. Das ist für viele Klubs in der Regio­nal­liga, deren Etats auf Kante genäht sind, rasch exis­tenz­ge­fähr­dend. Wir sind da ja nicht allein, die Kol­legen von Rot-Weiß Ober­hausen haben ähn­liche Pro­bleme.

Statt­dessen also die Ver­schie­bung ganzer Spiel­tage. Das basiert auf der Hoff­nung, dass sich die Lage bald ent­spannt.
Wir wissen alle nicht, wie sich die Lage wei­ter­ent­wi­ckeln wird. Klar ist aber, dass wir eine Lösung für die ganze Liga finden müssen. Es wäre unge­recht, wenn einige Teams ihre Spiele in leeren Sta­dien spielen müssen, wäh­rend anderswo die Zuschauer ins Sta­dion dürfen. Das wäre Wett­be­werbs­ver­zer­rung.

Da bräuchte es viel­leicht eine klare Ansage aus der Politik.
Die Politik ist leider damit beschäf­tigt, sich weg­zu­du­cken. Bisher warten wir ver­geb­lich auf eine Stra­tegie oder eine klare Ansage. Wenn sie käme, wäre sie natür­lich auch für uns eine Ori­en­tie­rung. So aber werden wir mit der Pro­ble­matik allein gelassen. Es gibt ja auch keine Ver­si­che­rung für solche Fälle.

Muss der DFB und müssen die Lan­des­ver­bände finan­ziell helfen?
Wir müssen zusammen mit den Ver­bänden eine prag­ma­ti­sche Lösung erar­beiten. Die Regio­nal­liga ist längst keine reine Ama­teur­liga mehr, hier geht es zuneh­mend pro­fes­sio­neller zu. Dadurch steigen Druck und Ver­ant­wor­tung für die Ver­eine. In dieser beson­deren Situa­tion habe ich die Erwar­tungs­hal­tung, dass sich die Ver­bände als starke und ver­läss­liche Partner für die Ver­eine posi­tio­nieren.

Nochmal ein Aus­blick. Gesetzt den Fall, die Spiel­tage werden ver­schoben, können aber nicht nach­ge­holt werden, weil sich die Lage nicht bes­sert. Was dann?
Dann soll uns der Ver­band eine Wild Card für die nächste Saison in der 3. Liga aus­stellen (lacht). Nein – im Ernst: Wenn jetzt Spiele oder ganze Spiel­tage aus­fallen, müssen diese im April und Mai unter der Woche nach­ge­holt werden. Umso mehr Par­tien jetzt aus­fallen, desto enger würde natür­lich der Zeit­kor­ridor für die ganzen Nach­hol­spiele nach hinten raus. Ver­ein­zelt hört man in den Ver­bänden sogar die Mei­nung, dass im Extrem­fall die Saison in diversen Ligen abge­bro­chen werden könnte und der aktu­elle Tabel­len­stand dann auch der End­stand wäre. Das wäre natür­lich fatal. Ein Weg­bre­chen von ver­meint­lich fest ein­ge­planten Erlös­be­rei­chen hätte dra­ma­ti­sche Aus­wir­kungen. Zur Not müsste die Saison ver­län­gert werden. Aber selbst das wäre ja auch nur begrenzt mög­lich und zudem orga­ni­sa­to­risch fast nicht zu stemmen. Das wäre wirk­lich ein apo­ka­lyp­ti­sches Sze­nario, das dann auch eine Viel­zahl von Klagen nach sich ziehen würde. Das halte ich für unrea­lis­tisch.