Seite 2: „RB steht für Red Bröndby"

Was nun folgte, war ein lupen­reines Lehr­stück über Fake News im Fuß­ball­busi­ness, über ver­spieltes Ver­trauen und über Mas­sen­hys­te­rien in Zeiten der modernen Medien: Hatten viele Bröndby-Fans schon das Nicht-Dementi ihres Ver­eins als halbe Bestä­ti­gung für die dro­hende Über­nahme betrachtet, so fanden sie in den end­losen Weiten des Inter­nets schnell wei­tere Belege“ – wohl auch, weil die Anhänger des Lokal­ri­valen FC Kopen­hagen das Netz genüss­lich mit aller­hand Blöd­sinn zuge­müllt hatten. Die Blau-Gelben würden künftig wohl RB heißen“, schrieb einer, diese Abkür­zung stehe für: Red Bröndby“. Irgendwo stand sogar zu lesen, Red-Bull-Tycoon Mate­schitz sei per­sön­lich in Kopen­hagen ein­ge­flogen, um den Ein­stieg zu fina­li­sieren.

Plötz­lich schien nichts mehr undenkbar. Und der Geist, den Jan Bech Andersen aus der Red-Bull-Dose gelassen hatte, war längst nicht mehr zu kon­trol­lieren. Ist er bis heute nicht – nicht einmal durch Bech Ander­sens spätes, aber dann doch recht deut­li­ches Dementi. Schließ­lich sind die Fan­re­ak­tionen in all ihrer Hef­tig­keit nicht allein Aus­druck der Ableh­nung gegen­über Red Bull und seinen Machen­schaften im inter­na­tio­nalen Fuß­ball. Aus den Pro­testen des Bröndby-Anhangs spricht viel mehr eine gene­relle Angst vor dem Ver­kauf des Klubs und vor einem (mög­li­cher­weise) dro­henden Iden­ti­täts­ver­lust.

Fans beschatten die Klub­füh­rung

Unser Verein darf nicht von einer Gruppe aus­län­di­scher Rei­cher nie­der­ge­schlagen und zer­stört werden, die Bröndby IF zu einem see­len­losen Geschäfts­pro­jekt machen werden“, appel­liert der Fan­club Sydsiden“ in einem offenen Brief. Das Miss­trauen im Umfeld des Tra­di­ti­ons­klubs ist der­weil so groß, dass Teile der Fan­szene die Klub­ver­ant­wort­li­chen regel­recht beschatten, um über sämt­liche Busi­ness­treffen und mög­liche Über­nah­me­kan­di­daten frü­hest­mög­lich infor­miert zu sein.

Denn eines ist Fakt, auch wenn Red Bull ziem­lich sicher nie in Bröndby auf­schlagen wird: Irgendwer muss den seit 1987 bör­sen­no­tierten Klub über­nehmen und sanieren. Und zwar mög­lichst rasch. Zuletzt konnte sich Bröndby IF nur durch die Aus­gabe zusätz­li­cher Aktien und durch immer neue Dar­lehen über Wasser halten. Die Geld­spritzen gingen direkt in die Finan­zie­rung des lau­fenden Betriebs und in die Til­gung fäl­liger Kre­dit­raten. Im Volks­mund nennt man diese Praxis: Löcher mit Löchern stopfen.

Der Fan­klub Svinget Bröndby“ ver­suchte des­halb, die Kohle für eine Ver­eins­über­nahme selbst auf die Beine zu stellen und inves­tierte in 135 Lot­to­scheine für die 68 Mil­lionen Euro schwere Euro­Jackpot-Zie­hung – letzt­lich jedoch ohne Erfolg.