Bas­tian Oczipka, wie macht es sich auf einer Eupho­rie­welle?
Wirk­lich gut. So lange wir können und dürfen, surfen wir gerne darauf.

Woran merkt man, dass gerade irgendwie alles klappt, was Ein­tracht Frank­furt anpackt?
Unser Inn­nen­ver­tei­diger Bamba Anderson hat neu­lich gegen den Ham­burger SV einen dop­pelten Über­steiger am geg­ne­ri­schen Straf­raum ver­sucht. Was soll ich sagen: Das hat sogar funk­tio­niert!

Wie häufig mussten Sie in den ver­gan­genen Wochen Ihre Bröt­chen beim Bäcker selber bezahlen?
Eigent­lich immer, aber die Kom­pli­mente gibt es gratis. Die ganze Stadt freut sich mit uns, die Euphorie ist auch bei den Zuschauern rie­sen­groß.

Was Sie als Profi, der von Spiel zu Spiel denkt, natür­lich nicht gut­heißen können.
Doch, selbst­ver­ständ­lich. Auch wir Spieler genießen doch den gegen­wär­tigen Erfolg. Was nicht heißt, dass wir dabei den Boden unter den Füßen ver­lieren. Wir denken wei­terhin von Spiel zu Spiel – aber die Tabelle schaue ich mir momentan trotzdem sehr gerne an! (Frank­furt ist momentan Zweiter, d. Red.)

Sie wollen also nicht auf die gute alte Eupho­rie­bremse treten?
Nein, warum denn auch? Gehypt zu werden, gehört doch mit dazu. Ich fühle mich bei all der Begeis­te­rung eher für meine Leis­tungen geehrt. Man muss das alles eben nur richtig ein­ordnen können.

Und dazu ist die Mann­schaft in der Lage?
Sollte sie wider Erwarten Pro­bleme damit haben, dürfte unser Trainer sicher­lich erfolg­reich dazwi­schen gehen.

Wie gut ist Armin Veh denn aktuell gelaunt? Gibt er der Mann­schaft auch mal eine Cola aus, statt sie zum nächsten Wald­lauf zu schi­cken?
Wir haben noch keine Kraft- oder Aus­dau­er­ein­heit sausen lassen und das wird sicher­lich auch nicht pas­sieren. Im Gegen­teil: Wenn wir das Niveau auch nur ansatz­weise halten wollen, dürfen wir uns keine zusätz­liche Trai­nings­pause gönnen.

Zumal die Ein­tracht ein sehr lauf­in­ten­sives Spiel betreibt. Ist es Zufall, dass die Frank­furter Spiel­weise der von Meister Borussia Dort­mund ähnelt?
Nein, das hat schon einen Grund. Armin Veh hat uns vor der Saison viele Auf­zeich­nungen mit BVB-Spiel­zügen gezeigt. Wir ori­en­tieren uns durchaus am Dort­munder Tem­po­fuß­ball – bis­lang gibt uns der Erfolg ja auch recht.

Was macht eigent­lich mehr Spaß: Mit Tem­po­fuß­ball 5:3 gewinnen oder mit kon­trol­lierter Offen­sive das Spiel mit 2:1 nach Hause schau­keln?
Spaß macht, womit man gewinnt.

Abzüg­lich der Spieler aus der eigenen Jugend, hat Ein­tracht Frank­furt vor der Saison zwölf neue Profis unter Ver­trag genommen. Sie sind einer von ihnen. Beim 2:1‑Sieg gegen den SC Frei­burg am ver­gan­genen Spieltag standen sieben dieser Neu­zu­gänge in der Start­for­ma­tion. Wie ist es mög­lich, dass diese neu zusam­men­ge­wür­felte Mann­schaft so gut har­mo­niert?
Unter anderem, weil das Grund­ge­rüst der Mann­schaft so ein­ge­spielt und lange dabei ist. Sebas­tian Jung, Pirmin Schwegler, Sebas­tian Rode und Alex Meier geben uns ein­fach den nötigen Halt. Das macht es als Neu­ling natür­lich leichter, sich schnell zu inte­grieren.

Wer küm­mert sich von den Alt­ein­ge­ses­senen denn um die Neu­linge?
Unser Kapitän, Pirmin Schwegler. Der hat uns Neue an die Hand genommen und uns den Ein­stieg erleich­tert. Das zahlt sich aus: Die Mann­schaft ist auch häufig außer­halb des Rasens gemeinsam unter­wegs.

Jede Welle schwappt auch mal an Land. Was müssen sie tun, damit das noch eine Weile dauert?
Die Moti­va­tion zu bewahren, in jedem Spiel Vollgas zu geben, dürfte wohl die wich­tigste Auf­gabe werden. Aber ich sehe da eigent­lich keinen Grund, warum wir dies­be­züg­lich Pro­bleme bekommen sollten.

Das heißt, die Herbst­meis­ter­schaft ist für die Ein­tracht durchaus drin?
Keine Ahnung. Da ich von Spiel zu Spiel denke, mache ich mir eher Gedanken um den nächsten Gegner. Die Glad­ba­cher haben am Don­nerstag in der Europa League spielen müssen, sie haben einige Ver­letzte und sind nicht in Best­form – wir haben also ganz gute Chancen, wieder zu punkten.

Borussia Mön­chen­glad­bach scheint die Wechsel von Marco Reus und Dante nicht ver­kraftet zu haben – welche Spieler sind in der aktu­ellen Frank­furter Mann­schaft unver­zichtbar?
Das ist ja das Schöne: Wir haben nicht den einen Super­star, an dem alles hängt wie an einem sei­denen Faden. Ob Trapp, ob Rode, ob Schwegler, ob Meier, ob Inui – jeder von denen ist momentan in der Lage, ein Spiel zu ent­scheiden. Das macht uns ziem­lich unbe­re­chenbar.

Wer ist eigent­lich ihr his­to­ri­sches Vor­bild: Kai­sers­lau­tern anno 1997/98 oder Borussia Mön­chen­glad­bach aus der Vor-Saison?
Bis auf die Dort­munder haben wir keine Vor­bilder. Brau­chen wir auch gar nicht.

Sie sind Jahr­gang 89 und stammen aus Ber­gisch-Glad­bach. Haben Sie trotzdem einen Lieb­lings­spieler aus der Geschichte von Ein­tracht Frank­furt?
Jay-Jay Okochas Tor gegen Oliver Kahn werde ich nie ver­gessen. Also dann ver­mut­lich Okocha.

Wie häufig müssen Sie sich Ver­gleiche mit den legen­dären Frank­furter Mann­schaften der frühen neun­ziger Jahre anhören?
Nicht so oft, wie sie viel­leicht denken. Der Fuß­ball 2000“ ist keine his­to­ri­sche Last für uns, schließ­lich tut der Verein einiges dafür, dass sich Ein­tracht Frank­furt gerade neu erfindet.

Fuß­ball 2012“ statt Fuß­ball 2000“?
So in etwa.