Helmut Kohl zog sich seine Nor­we­ger­haus­schuhe an, als in Mar­seille ange­pfiffen wurde. Bra­si­lien gegen Hol­land, Welt­meis­ter­schaft 1998. Da klin­gelte das Telefon, Bill Clinton sei am Apparat und erwarte sofor­tige Ant­wort, mel­dete das amts­füh­rende Per­sonal. Kohl winkte ab: Ist das jetzt so wichtig? Könnt ihr Bill Clinton nicht mal fragen, ob das Tele­fonat nicht bis morgen Zeit hat? Wir sehen jetzt Fuß­ball.“ Also rief Clinton am nächsten Tag wieder an.

Dem jüngst ver­stor­benen Bun­des­kanzler wird nach­ge­sagt, er hätte als erster deut­scher Poli­tiker die Macht des Fuß­balls ver­standen und für sich genutzt. Nicht abzu­streiten ist, dass sich Helmut Kohl tat­säch­lich für Fuß­ball inter­es­sierte. 1994, nach dem Vier­tel­final-Aus der deut­schen Natio­nal­mann­schaft, soll er zweimal per­sön­lich bei Berti Vogts ange­rufen und ihn vom Rück­tritt abge­halten haben. Vogts und Kohl wurden Freunde. Sie einte das Gefühl, von zahl­rei­chen Men­schen ver­kannt worden zu sein.

Zumin­dest vor Helmut Kohl hatten auch Kri­tiker stets Respekt. Er sei schließ­lich ein Mann mit Ecken und Kanten“ gewesen. Was uns zum Thema dieses Textes bringt.

Ver­traue nie­mandem, der Soccer“ schreibt!


Denn der rus­si­sche Reddit-User hesus­s­avas“ will her­aus­ge­funden haben, dass Ecken nichts bringen. Zumin­dest nicht im Fuß­ball. Gestoßen war der Hob­by­wis­sen­schaftler auf einen über­ra­schenden Ver­gleich im Sta­tistik-Buch The Num­bers Game: Why ever­ything you know about soccer is wrong“. Dort hatten die Autoren 1434 Ecken ana­ly­siert und her­aus­ge­funden, dass nur zwei Pro­zent zu einem Tor führten. Und weil nie­mand Autoren ver­trauen sollte, die Soccer“ schreiben, machte sich der Reddit-User an seine eigene Studie.

Mit­hilfe ein­fachster Open-Source-Daten­sätze ana­ly­sierte er 11234 Spiele. Und somit 115199 aus­ge­führte Ecken. Lange Ecken. Kurze Ecken. Bana­nen­flanken. Ecken, die direkt ins Außen­netz segelten. Und auch Ecken, die der Gegner abfing, um sie ein­fach nach vorne zu bolzen. Und sein Ergebnis fiel noch viel schlechter aus.

Die erschre­ckendste Zahl: nur 1,27 Pro­zent aller Ecken führten zu Tor­er­folgen. Viel schlimmer – und das dürfte einigen Trai­nern zu denken geben – in über der Hälfte der Fälle resul­tierte aus den Ecken nichts. Außer dem Ball­be­sitz für den Gegner.