Diese Inter­view-Kolumne erschien erst­mals in 11FREUNDE #111. Sie war der Start­schuss der beliebten Gehen Sie davon aus…“-Serie, in der uns Hans Meyer Wahr­heiten über den Fuß­ball erzählte. Das Heft gibt’s hier im Shop.

Hans Meyer, Bayern-Trainer Louis van Gaal stellt den jungen Thomas Kraft ins Tor. Wieso das?
Gehen Sie davon aus, dass Van Gaal seine Spieler täg­lich sieht. Und offenbar ist er der Über­zeu­gung, dass Kraft kein großes Risiko dar­stellt. Er ist bekannt dafür, dass er jungen Leuten mit Qua­lität wie Müller und Bad­stuber ver­traut. Der Zeit­punkt für einen Wechsel erscheint logisch. Und nach einem halben Jahr wissen die Bayern, ob sie einen Klas­se­mann ent­wi­ckeln oder ob die Anstren­gungen um Manuel Neuer ver­stärkt werden müssen.

Aber Van Gaal könnte doch wei­terhin auf den soliden Jörg Butt setzen.
Dann hätte er sich eine Menge Ärger erspart. Wel­chen Ärger? Wie immer im Fuß­ball: Die Hunde bellen, aber die Kara­wane zieht weiter. Die Leute, die jetzt aus dieser mutigen Ent­schei­dung Pro­bleme kon­stru­ieren, können die Hin­ter­gründe doch gar nicht ein­schätzen. Sicher­lich haben sie letztes Jahr auch auf ein Schei­tern der Nach­wuchs­kräfte Müller und Bad­stuber gehofft. Und hin­terher wollen sie es dann schon immer gewusst haben.

Wäre Borussia Dort­mund ein Über­ra­schungs­meister?
Als Jürgen Klopp sein Amt antrat, stand nicht vor jedem Spiel die Frage: Sein oder Nicht­sein? Man war nur froh, dass über­haupt wieder Leben in diesen Verein kam, nachdem er kli­nisch tot war. So konnte Kloppo seit 2008 in Ruhe ein Team auf­bauen, in dem die Spieler nahtlos zuein­ander passen. Kurzum: Ich habe erwartet, dass der BVB in der Spit­zen­gruppe mit­spielt. Was ich nicht erwartet habe, ist die sou­ve­räne Art, mit der er das tut, und die gleich­zei­tige Schwäche der Kon­kur­renz.

Wissen Sie was? Am Morgen nach dem Pokal­sieg mit Nürn­berg 2007 war ich auch müde. Sehr müde sogar.“

Steigt Erz­ge­birge Aue tat­säch­lich auf?
In Aue ist unter Trainer Rico Schmitt etwas Gesundes gewachsen, mit einer lei­den­schaft­li­chen Truppe und dem fan­tas­ti­schen Sta­dion. Wenn »Glück auf, Glück auf« gespielt wird, kriege ich eine Gän­se­haut! All das hat etwas … Hin­ter­wäld­le­ri­sches würde ich nicht sagen – aber etwas herr­lich Wäld­le­ri­sches. Das funk­tio­niert nicht in der Bun­des­liga. Und das wissen die Auer auch. In Aue spinnt man nicht, dubiose Mäzene sind nie bis dorthin vor­ge­drungen. Ich bin mir sicher, dass der Verein auch im Falle eines Auf­stiegs die Gelder lieber in die Infra­struktur inves­tiert als in einen Aus­hilfs­ma­ra­dona.

Werder-Coach Thomas Schaaf wirkt so müde in letzter Zeit.
Wissen Sie was? Am Morgen nach dem Pokal­sieg mit Nürn­berg 2007 war ich auch müde. Sehr müde sogar. Dagegen hilft kein Rück­tritt, wenn Sie das meinen, dagegen hilft nur eine Mütze Schlaf. Mein Rat an die Werder-Fans und das Prä­si­dium: Stellt euch darauf ein, dass ihr für ein, zwei Jahre klei­nere Bröt­chen backt. Das Wunder ist nicht die momen­tane Situa­tion, son­dern dass ihr in den ver­gan­genen Jahren immer oben mit­ge­spielt habt. Und das ver­dankt ihr Schaaf und Allofs.

Und noch ein Wunder: 2022 findet die WM in Katar statt. Im Winter. Freuen Sie sich schon?
Süd­afrika hat das doch auch toll hin­ge­kriegt. Oder sind Sie etwa sofort erschossen worden, wie es pro­phe­zeit wurde? Katar wird es ähn­lich gut machen. Sollte das Ganze tat­säch­lich im Winter statt­finden, dann ziehen wir uns eben so warm an wie 2010 in Süd­afrika und nehmen diesmal noch ein paar Kanister Glüh­wein mit.