Münster Rock City

Als ich nach Münster kam, war ich gerade mal 22 Jahre alt und heiß wie Frit­ten­fett. Aus dieser Zeit stammt auch meine bekannte Mail­bo­xan­sage: Wenn Sie mich spre­chen wollen, errei­chen Sie mich von 17 Uhr bis 5 Uhr mor­gens im Pane e Vino‘.“ Und das war nicht mal ein Scherz. Bei meinem Stam­mita­liener habe ich vor Lachen schon geweint und eigent­lich jede freie Minute vor und nach dem Trai­ning ver­bracht.

Im Pane zu sitzen war manchmal, wie ins Kino zu gehen: Spon­soren, Stu­denten, Bauern, halb­sei­dene Gestalten, bei Remo waren alle gleich. Manchmal hat die stadt­be­kannte Band The Ses­sion“ hier spontan ein Unplugged-Kon­zert gegeben, diese lockere Atmo­sphäre hat mir total gefallen. Wenn der Laden ram­mel­voll war, habe ich ein­fach mein T‑Shirt aus­ge­zogen und über alle Köpfe in Rich­tung Tresen gefeuert. Sekunden später kam das Shirt zurück. Darin ein­ge­wi­ckelt war immer eine Fla­sche Pro­secco. Über­ra­gend. Zweiter Anlauf­punkt war meist die Gorilla Bar“ in der Nähe des Schlosses. Hier trifft sich eher stu­den­ti­sches Publikum, ent­spre­chend hoch geht es dann meis­tens auch her.

Wer Münster abseits alter­na­tiver Lebens­wege erleben möchte, muss in die Legende des hie­sigen Nacht­le­bens gehen: Schwarzes Schaaf“. Doch Vor­sicht: Wer hier Party macht, muss schmerz­frei sein, in vie­lerlei Hin­sicht. Und jetzt noch ein kleiner Geheim­tipp: Wenn nichts mehr geht, dann schnapp dir ein Fahrrad, pack dir Musik auf die Ohren und fahr durch diese wun­der­schöne Stadt. Das Ziel muss natür­lich der Hafen“ sein.

Da war es zu meiner aktiven Zeit schon über­ra­gend, aber für das, was dort in den letzten Jahren ent­standen ist, habe ich nur eine Beschrei­bung: Wow! Oft genug habe ich mich ein­fach nachts an eine Tank­stelle gestellt und gewartet. Nach zehn Minuten kamen garan­tiert Leute und ich hatte einen wun­der­baren Abend mit wild­fremden Men­schen. Mein Urteil: Wer im Nacht­leben von Münster nicht zurecht­kommt, dem ist nicht mehr zu helfen.