Wer sich in letzter Zeit mit dem FC Schalke 04 befasst, stellt sich früher oder später eine ganz bestimmte Frage. Die Frage näm­lich, ob sich der Verein der­zeit eigent­lich auf oder neben dem Platz schlechter prä­sen­tiert. Und auch nach dem ver­gan­genen Wochen­ende steht diese Frage wieder einmal im Raum. Dabei hatte am frühen Frei­tag­abend alles noch ganz anders aus­ge­sehen.

Da machte näm­lich die Nach­richt die Runde, dass Ralf Rang­nick bereit wäre, den Posten des Sport­vor­stands im Verein zu über­nehmen! Ralf Rang­nick! Ein Name, der auf Schalke viele gute Erin­ne­rungen weckt. Schließ­lich war er der­je­nige, unter dem Schalke zum letzten Mal so etwas wie attrak­tiven Offen­siv­fuß­ball spielte. Und das sogar mit Erfolg. 2011 war das. Vor zehn Jahren. Dass so jemand bereit wäre, dem Verein zu helfen, und dabei Berichten zufolge sogar von einer Her­zens­an­ge­le­gen­heit spricht, sorgte bei vielen Königs­blauen für Hoff­nung, in einigen Fällen sogar für Euphorie.

Und die besteht auch wei­terhin. Eine Online-Peti­tion, die Rang­nick als Sport­vor­stand for­dert, haben bis­lang, Stand Mon­tag­mittag, über 45.000 Fans unter­zeichnet. Die Rede ist von einer ein­ma­ligen Chance“.

Kom­mu­ni­ka­tion nur als Reak­tion

Doch Schalke wäre nicht Schalke, wenn es nicht auch um diese Per­so­nalie Auf­re­gung, Zweifel, gar Streit geben würde, der in einen offenen Macht­kampf gip­feln könnte. Noch am Frei­tag­abend sah sich näm­lich der Auf­sichtsrat des Ver­eins genö­tigt, auf der Ver­eins­home­page Stel­lung zu beziehen. Bezie­hungs­weise ver­kün­deten die Funk­tio­näre, dass das Gre­mium kei­nerlei Stel­lung­nahme zu mög­li­chen oder gehan­delten Kan­di­daten abgeben“ werde. Nur um im glei­chen State­ment zu klar­zu­stellen, dass es keine Vor­ei­ni­gung“ mit Ralf Rang­nick gebe, der aber natür­lich ein hoch­ge­schätzter Fach­mann und gern gese­hener Ex-Schalker“ sei.

Die Mit­tei­lung reiht sich ein in die Liste von Stel­lung­nahmen, mit der der Klub zuletzt ver­suchte, der Bericht­erstat­tung irgendwie Herr zu werden. Anstatt von sich aus klar zu kom­mu­ni­zieren, reagierte der Verein häufig nur auf ver­meint­lich fal­sche Medi­en­be­richte. Häufig ver­geb­lich.

Streit im Auf­sichtsrat

Das zeigte sich am Samstag, als wei­tere Details zum mög­li­chen Rang­nick-Enga­ge­ment ans Licht kamen. Denn das Vor­pre­schen, so war zu lesen, der omi­nösen geheimen Gruppe“ aus finanz­starken Schalker Freunden“, die mit Rang­nick in Kon­takt stünden, hatte im Auf­sichtsrat nicht gerade für Begeis­te­rung gesorgt. Einige Mit­glieder fühlten sich offenbar über­rum­pelt, andere sogar brüs­kiert, dass die Ange­le­gen­heit über eine Medi­en­kam­pagne in die Öffent­lich­keit getragen worden war. Zumal der Auf­sichts­rats­vor­sit­zende Dr. Jens Buchta mit Markus Krö­sche von RB Leipzig bereits einen eigenen Kan­di­daten ins Auge gefasst haben soll, der dann am Sonntag jedoch absagte. Die Que­relen führten offenbar so weit, dass einige Auf­sichts­rats-Mit­glieder Pro­fessor Dr. Stefan Gesen­hues, den die Rang­nick-Umschmeichler als Mit­tels­mann im Auf­sichtsrat aus­er­koren haben, gerne vor den Ehrenrat gezerrt hätten.

Das wie­derum erzürnte die Pro-Rang­nick-Frak­tion. Wie könnte man sich diese ein­ma­lige Chance nur ent­gehen lassen? Kurz nachdem die Schalker Mann­schaft mit einer wei­teren deso­laten Vor­stel­lung und einer 0:5‑Klatsche in Wolfs­burg drauf und dran gewesen war, im Wer-prä­sen­tiert-sich-schlechter-Rennen wieder in Füh­rung zu gehen, brachten einige Fans am Sams­tag­abend Banner an der Geschäfts­stelle an. Ehrenrat, schmaler Grat“, stand darauf und: Rang­nick oder nix“. Dass so viele Schalke-Fans, die zuletzt immer wieder mehr Trans­pa­renz von den Ver­ant­wort­li­chen gefor­dert hatten, bereit wären, Rang­nick und einer nicht näher bekannten Gruppe quasi blind zu folgen, ist bemer­kens­wert. Viel­leicht zeugt es aber auch nur von der Sehn­sucht nach der Rück­kehr zum sport­li­chen Erfolg. Oder von großer Ver­zweif­lung.

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