Von Toni Schu­ma­cher erzählt man sich, dass er einst auf ganz beson­dere Art und Weise seinen inneren Dämon bekämpfte. Die Angst vor dem nächsten Zwei­kampf, vor den nächsten Auf­gaben, vor dem nächsten Ball, den es abzu­wehren galt. Schu­ma­cher stellte sich breit­beinig ins Tor – und ließ sich aus kurzer Distanz die Bälle auf den Körper schießen. Ins Gesicht. Auf den Ober­schenkel. Zwi­schen die Beine. Alles für die Macke, alles für den Klub. Toni Schu­ma­cher war nicht nur des­halb einer der besten und gefürch­tetsten Tor­steher seiner Zeit, weil er so talen­tiert war und Hände wie Bag­ger­schau­feln hatte. Son­dern weil er auf dem Rasen vor nichts und nie­manden Angst hatte. Genau vor sol­chen Typen machen sich andere in die Hose.

Nicht nur Hum­mels weiß: dieser Mann ist Welt­klasse

Schu­ma­chers Bruder im Geiste der Gegen­wart heißt Leo­nardo Bonucci, ist 29 Jahre alt und steht heute im Abwehr­zen­trum der ita­lie­ni­schen Natio­nal­mann­schaft, wenn es zum Klas­siker gegen Deutsch­land kommt. 1,90 Meter ist der Defen­siv­spieler groß, kurz gescho­rene Haare, kan­tiges Gesicht, breite Schul­tern, Dau­men­bre­cher­blick. Solche Typen stellt man sich als Begleit­schutz der ehren­werten ita­lie­ni­schen Fami­lien vor. Oder eben in der Defen­siv­zen­trale einer Nation, die für ihre Vor­liebe für Ver­tei­di­gungs­künstler welt­be­rühmt ist. Alle Welt redet der­zeit über die Qua­lität der deut­schen Innen­ver­tei­diger um Jerome Boateng und Mats Hum­mels. Doch als Hum­mels vor einiger Zeit vom Revier­sport“ nach seinen ita­lie­ni­schen Kol­legen befragt wurde, sagte der: Chiel­lini und Bonucci finde ich beson­ders gut. Die sind nah dran am Ideal.“ Nicht nur Hum­mels weiß: Leo­nardo Bonucci ist einer besten Abwehr­spieler der Welt.

Das sah vor acht Jahren noch ganz anders aus. Da stand dieser Mann bei Inter Mai­land unter Ver­trag, der Lieb­lings­verein seiner Onkel und Cou­sins hatte den Hünen in der Jugend aus­ge­bildet, aber dem beken­nenden Juventus-Turin-Fan wollte der Sprung in den Pro­fi­be­reich nicht gelingen. Inter lieh Bonucci an den Zweit­li­gisten FBC Tre­viso aus. Zweimal. Meine Kar­riere war in Gefahr“, hat sich Bonucci mal an diese Zeit erin­nert, ich hatte mein ganzes Selbst­ver­trauen ver­loren.“ Die inneren Dämonen, die Angst, sie hatten die Ober­hand gewonnen. Bonucci brauchte Hilfe.