Hans-Peter Briegel, heute Abend trifft Ihr FCK im DFB-Pokal auf den FC Bayern Mün­chen. Wo schauen Sie sich das Spiel an?
Gar nicht. Ich habe keine Zeit.

Wie bitte?
Heute ist Fritz Wal­ters Geburtstag, da gibt es jedes Jahr die Fritz-Walter-Gala. Da muss ich natür­lich hin! Aber mit ein biss­chen Glück gibt es dort auch einen Fern­seher, viel­leicht haben wir am Ende des Abends dop­pelt Grund zu feiern.

Die Chancen darauf stehen aller­dings nicht so gut. Die Bayern führen die Bun­des­liga-Tabelle an, der FCK ist momentan Dritter in der Zweiten Liga.
Alles andere als ein Sieg der Bayern wäre eine Sen­sa­tion. Die könnten die gesamte Mann­schaft aus­tau­schen und wären trotzdem noch Favorit.

Beim letzten und bisher ein­zigen Pokal­sieg der Lau­terer gegen die Bayern waren Sie maß­geb­lich betei­ligt. Das war am 22. November 1980, erin­nern Sie sich?
Helfen Sie mir auf die Sprünge. War das Spiel in Kai­sers­lau­tern?

Ja. Sie gewannen 2:1, der kicker“ schrieb über Ihr Tor zum 1:0, Sie hätten mit ihrem Solo­lauf fünf Bayern-Spieler zu mensch­li­chen Sla­lom­stangen degra­diert“.
Ach ja. Ein wirk­lich schönes Tor. Das war zu einer Zeit, als es für die Bayern fast unmög­lich war, bei uns auf dem Betze“ was zu holen.

Nach dem Sieg setzten Sie sich in den fol­genden Runden sou­verän durch, unter­lagen aber im Finale Ein­tracht Frank­furt.
Wir waren uns ein­fach zu sicher. Acht Tage vorher hatten wir in der Liga gegen Frank­furt gespielt und die mit 5:0 nach Hause geschickt. Wir sind als großer Favorit zum Finale nach Stutt­gart gefahren und haben dann im Spiel ein­fach nicht unsere Leis­tung gebracht. Obwohl wir viele Tor­chancen hatten!

Sie sagten schon, dass es die Bayern früher auf dem Bet­zen­berg immer schwer hatten. Woran lag das?
Wir haben gerade Zuhause immer ver­sucht, auf Angriff zu spielen und selten mehr als vier oder fünf Heim­punkte pro Saison abge­geben. Gegen die Bayern waren das immer ganz beson­dere Spiele, sind sie ja nach wie vor. Da war man immer zusätz­lich moti­viert und beson­ders aggressiv.

Wel­chen Anteil hatte dabei das Pfälzer Publikum? Ent­stand in dieser Zeit der Mythos Bet­zen­berg“?
Das Publikum war feurig, absolut. Beson­ders gegen die Bayern waren die Leute so laut und auf­ge­kratzt, da hatten wir gar keine andere Wahl als aggressiv nach vorne zu spielen.

Der FCK ist Ihr Verein, Sie sind dort ver­wur­zelt. Wie schätzen Sie denn die aktu­elle Lage in Kai­sers­lau­tern nach dem Abstieg ein?
Ich war gerade beim 3:3 in Köln, da hat mich das Team über­zeugt, ins­be­son­dere weil die vielen ver­letzten und ange­schla­genen Spieler durch junge Fuß­baller aus der zweiten Reihe pro­blemlos ersetzt wurden.

Wird das für den Auf­stieg rei­chen?
Ich denke schon. Der FCK ist, was die Breite des Kaders angeht, am Besten auf­ge­stellt. Die anderen Teams, die oben mit­spielen, haben nicht die Mög­lich­keit, Aus­fälle so gut auf­zu­fangen. Das wird sich im Laufe der Saison bemerkbar machen.

Was muss pas­sieren, damit heute viel­leicht doch die Sen­sa­tion gelingt? Ein beherzter Vor­stoß á la Briegel?
Die Chance auf eine Über­ra­schung sehe ich nur, wenn der FCK ohne Angst mit­spielt und sich nicht hinten rein­drängen lässt. Vorne sind unsere Jungs gefähr­lich, die 21 Tore in der lau­fenden Saison spre­chen für sich. Defensiv zwickt es aber noch. Also: Nicht zurück­drängen lassen, gestaf­felt stehen und ver­su­chen, mit­zu­spielen. Dann kann es klappen mit der Sen­sa­tion.