Dieser Text erschien in abge­wan­delter Form erst­mals am 4. Januar 2019.

Als Santi Cazorla den Ball mit dem rechten Innen­rist seines Fußes traf, da lagen I“ und A“ nur Zen­ti­meter ent­fernt. Cazorla lief über den Trai­nings­platz von Madrid, spielte die Bälle locker in den Lauf seiner Team­kol­legen und schritt anschlie­ßend sogar noch zur Pres­se­kon­fe­renz. Santi Cazorla steht dieser Tage im Mit­tel­punkt. Dass das so ist, gleicht einem Wunder. 

Vor einem Jahr, im April 2018, stand Santi Cazorla auf dem Rasen des Emi­rates. Dem Sta­dion seines Ver­eins Arsenal. Er hatte an diesem Abend nicht wirk­lich vor zu spielen. Der Spa­nier war nicht einmal gelistet im Auf­gebot des Ver­eins im Europa-League-Halb­fi­nale gegen Atle­tico Madrid. Aber Cazorla stand eine Stunde vor dem Anpfiff auf dem Platz. Ich hatte gefragt, ob ich dürfte, weil ich nicht wusste, ob ich noch einmal spielen würde“, erklärte Cazorla dem Guar­dian“. Vier Runden um den Platz, ein paar vor­sich­tige Dribb­lings. Ein­fach nur wieder auf dem Rasen sein und die Wärme der Menge spüren.“ Für Cazorla endete an diesem Abend eine fünf­jäh­rige Lei­dens­zeit.

Acht Ope­ra­tionen

In dieser Zeit wurde der Spa­nier achtmal ope­riert, verlor viele Freunde – und bei­nahe seinen rechten Fuß.

Zwi­schen Glück und Unglück trennen einen manchmal nur acht Zen­ti­meter. Am 13. Sep­tember 2013 standen sich die spa­ni­sche und chi­le­ni­sche Natio­nal­mann­schaft in einem Freund­schafts­spiel gegen­über. Santi Cazorla, Spa­niens Fuß­baller des Jahres 2007, zwei­fa­cher Euro­pa­meister, war froh, dass er über­haupt auf dem Platz stand. Zum Kreis der spa­ni­schen Aus­wahl mit Iniesta, Xavi und David Silva gehörte. Des­halb spielte er auch weiter, als er einen Schlag auf den rechten Fuß­knö­chel bekommt.

Erst nach dem Spiel folgte die Dia­gnose: Cazorla hatte sich einen Riss im Kno­chen zuge­zogen. Eine ver­gleichs­weise leichte Ver­let­zung, er wurde ope­riert, stand nach 35 Tagen wieder auf dem Platz. Doch die Schmerzen ver­klangen nicht. Wenn ich warm wurde, konnte ich spielen, aber in der Pause, sobald ich etwas abge­kühlt war, musste ich weinen.“ Cazorla spielte unter diesen Bedin­gungen zwei Jahre durch. Immer wieder unter Schmerzen, immer wieder mit Schmerz­mit­teln. Geht schon irgendwie, ist ja nicht so schlimm, Trainer, ich mach’ mich erstmal warm.

Der Knö­chel lag frei

Arsene Wenger, sein Klub­trainer beim FC Arsenal, lobte ihn 2015 als den besten Mann des Jahres. Vom Anfang bis zum Ende war er absolut top“, sagte Wenger, weil Cazorla das Spiel diri­gierte wie ein Orchester. Schon da stand der Spa­nier länger auf dem Trai­nings­platz, trai­nierte seinen schwä­cheren linken Fuß. Weil der rechte immer mehr Pro­bleme berei­tete. Es musste ja wei­ter­gehen.

Erst eine wei­tere Ver­let­zung des Knies nutzte Cazorla, um auch den Knö­chel inspi­zieren und ope­rieren zu lassen. Doch die Ärzte in Eng­land fanden kein Mittel, immer wieder öff­nete sich die Ope­ra­ti­ons­wunde. Auf den Fotos, die Cazorla aus dieser Zeit hat, ist der Fuß soweit geöffnet, dass man bis hinein auf den Knö­chel sehen kann. Sein Körper, ein Wrack, mit dem Cazorla noch immer Fuß­ball spielte.