Ryan S. Mark-Eting, Sie sind RB-Leipzig-Sup­porter der ersten Stunde. Pünkt­lich zum zehn­jäh­rigen Geburtstag steht Ihr Klub im DFB-Pokal­fi­nale. Zufrieden?
Ich muss mich schon manchmal zwi­cken. Was wir in so kurzer Zeit erreicht haben, und das ledig­lich mit einer Anschub­fi­nan­zie­rung von einer Mil­li­arde Euro, ist das wahr­schein­lich größte Fuß­ball­mär­chen über­haupt. Ver­gleich­bare Wunder gab es aller­höchs­tens noch in Salz­burg 2005.

Also alles eitel Son­nen­schein?
Na, einen kleinen Makel hat unser Mär­chen schon. Es wäre sehr schön gewesen, wenn wir zu Beginn einen Tra­di­ti­ons­verein platt­ge­macht hätten, so wie in Salz­burg damals. Da gibt es schon eine Art Phan­tom­schmerz. Aber ich will nicht undankbar wirken. Ich bin ein glück­li­cher Rasen­ball­sport-Kunde. Und Tra­di­ti­ons­ver­eine kann man ein­fach ver­drängen, geht ja auch.

Also dem SSV Markran­städt geht es nicht allzu rosig.
Wem? Na, egal. Jetzt wo sie es sagen: Alles ist nun doch nicht eitel Son­nen­schein aktuell. Sie haben sicher die Kon­tro­verse um unsere Pokal­final-Shirts mit­be­kommen?

Darauf steht Beflüüüüü­gelt ins Finale“, sehr nah am Claim des Spon­sors.
Da kann man drüber reden. Die Leute könnten den Ein­druck bekommen, dass dieser Verein einzig und allein exis­tiert, um Sicht­bar­keit für Red Bull zu erzeugen. Was für ein absurder Gedanke.

Nun, es gibt Fans, die genau das behaupten.
Also ich bitte Sie, Spon­soren gibt es doch überall. Ich kann absolut keinen Unter­schied erkennen zwi­schen einem nor­malen Bun­des­li­ga­verein, der Spon­so­ren­gelder benö­tigt, um den Spiel­be­trieb zu finan­zieren, und einem am Reiß­brett ent­wor­fenen Mar­ke­ting­ve­hikel, bei dem alles darauf aus­ge­legt ist, eine bestimme Marke zu zeigen. Sie etwa?

Äh.
Sehen Sie. Und diese ganze Tra­di­ti­ons­de­batte. Ich sage Ihnen was. Hier gibt es eine Menge Tra­di­tion.

Ach ja?
Ja. Zum Bei­spiel ver­sauen wir tra­di­tio­nell die Preise auf dem Markt für Jugend­spieler. Im Gäs­te­block arbeiten tra­di­tio­nell frag­wür­dige Ordner. Eigene Anhänger haben tra­di­tio­nell keine Mit­sprache und werden tra­di­tio­nell von den Fan­be­treuern aus­spio­niert, um Haus­ver­bote aus­zu­spre­chen, wenn irgendwo auf einem Dorf­sport­platz Pyro­technik gezündet wurde.

Klingt nach relativ vielen Kon­flikten.
Quatsch. Wenn es ein Pro­blem gibt, wissen unsere 17 Mit­glieder ganz genau, wann sie dem Didi die Mei­nung geigen kö- haha­haha, haha, haha­haha, ent­schul­di­gung. Puh. Wo war ich? Achja: Kon­flikte im Verein. Also man­ches hat sich hier schon ver­än­dert.

Was denn?
Na, zuletzt haben sie Bully, unser Mas­kott­chen neu designt. Sie haben ihm ein­fach das arro­gante Grinsen genommen, jetzt wirkt er rich­tig­ge­hend sym­pa­thisch. Da muss ich sagen: Das passt ein­fach nicht zu uns.

Und sonst?
Der sport­liche Erfolg zieht natür­lich viele Event­fans an. Zu DFB-Pokal­spielen kamen mit­unter über 10.000 Zuschauer. Da sind Leute dabei, die wissen nicht mal, wie man eine Klatsch­pappe richtig bedient oder bei einer vom Sponsor geor­derten Choreo mit­macht. Da frag ich mich schon: Ist das noch mein Rasen­ball­sport, wie ich es von früher kenne? Ich habe Leute in meinem direkten Umfeld, die gehen gar nicht mehr ins Sta­dion. Die sagen ganz klar: Ich bin gegen den modernen Rasen­ball­sport. Ich kann die schon ver­stehen. Aber das Posi­tive über­wiegt für mich. Wollen Sie wissen, was unseren Verein so beson­ders macht?