Es muss ein ziem­li­cher Schock gewesen sein, als Paolo Guer­rero nach einem Län­der­spiel im Oktober das Ergebnis seiner Doping­probe erhielt. Gerade noch hatte sein Land 0:0 gegen Argen­ti­nien gespielt und wich­tige Punkte zur Qua­li­fi­ka­tion für die WM gesam­melt, jetzt war er positiv getestet auf Ben­zoylec­gonin“, einem Abbau­pro­dukt von Kokain. Ver­boten laut inter­na­tio­naler Anti-Doping-Ver­ord­nung.

Was darauf folgte war ein Hick-Hack der Gerichts­ent­schei­dungen. Erst für 30 Tage, dann für ein ganzes Jahr, und zu guter letzt nur für sechs Monate wurde Guer­rero gesperrt. Der erfolg­reichste Tor­schütze des perua­ni­schen Fuß­ball­ver­bandes (31 Tore in 86 Spielen) berief sich darauf, dass er nur einen Coca-Tee getrunken habe. Ein Kräu­ter­ge­misch, das auch unbe­han­delte Coca-Blätter ent­hält und eben­falls zu Ben­zoylec­gonin im mensch­li­chen Körper führt. Ich habe nie­mals Drogen oder ver­bo­tene Sub­stanzen genommen. Und ich werde dies auch in Zukunft nicht tun.“

Nach­träg­liche Sperre

Nachdem Guer­rero sogar auf einen Frei­spruch geklagt hatte, die Zeit der Sperre schon abge­laufen war und der Stürmer wieder auf dem Platz stehen durfte, gewann die Anti-Doping-Agentur das Revi­si­ons­ver­fahren. Das Gericht sperrte Guer­rero für wei­tere acht Monate. Er würde die WM in Russ­land ver­passen.

Bisher ist die Ent­schei­dung nicht zurück­ge­nommen worden. Nun aber melden sich aus­ge­rechnet der Fran­zose Hugo Lloris, der Däne Simon Kjaer und der Aus­tra­lier Mile Jedinak in einem offenen Brief an die Fifa. Sie sind die Kapi­täne ihrer Natio­nal­mann­schaften und kom­mende Grup­pen­gegner Perus. Sie schreiben: Peru kehrt nach 36 Jahren der Abwe­sen­heit zur Welt­meis­ter­schaft zurück. Wir glauben, dass es Paolo Guer­rero erlaubt sein sollte, seine Nation zu führen.“ Lloris, Kjaer und Jedinak bitten um eine zeit­liche Unter­bre­chung der Sperre.

Tri­um­virat fürs Gna­den­ge­such

Die Kapi­täne der drei Mann­schaften argu­men­tierten, dass auch der Inter­na­tio­nale Sport­ge­richtshof ein­ge­standen hätte, dass Guer­rero sein Ver­sehen erklären konnte und sich nie leis­tungs­stei­gernd auf­put­schen wollte. Eine so hohe Strafe nur für die Fahr­läs­sig­keit sei unge­recht. Unserer Mei­nung nach wäre es völlig ver­kehrt, ihn von dem aus­zu­schließen, was der Höhe­punkt seiner Kar­riere sein sollte“, sagen die Kapi­täne.

Zuletzt hatte Perus Prä­si­dent Martin Viz­carra der Regie­rung befohlen, den Kapitän der Natio­nal­mann­schaft zu unter­stützen. Am 16. Juni spielt Peru sein erstes Grup­pen­spiel. Simon Kjaer wird dann Däne­mark auf den Platz führen. Frag­lich, wer neben ihm steht.

The letter sent in on behalf of #FIFPro and the cap­tains of France, Aus­tralia and Den­mark sup­por­ting #Pao­lo­Guer­rero!

La carta que mandó FIFPro con las firmas de los capi­tanes de nuestros rivales en #Rusia2018 en apoyo a Paolo.#Fuer­za­Paolo #Con­ti­go­Ca­pitán pic​.twitter​.com/​S​s​0​z​6​2jA7c

— Diego Mon­talvan (@DMontalvan) 21. Mai 2018