Seite 3: „Da flogen die Fetzen“

Sie waren nie auf einem Fuß­ball­in­ternat. 
Nach der Schule habe ich eine Lehre als Kfz-Mecha­tro­niker gemacht. Ich hab von 8 bis 16 Uhr dort gear­beitet. Um 16:16 Uhr kam mein Zug, um 17:30 Uhr wurde ich am Bahnhof Karls­ruhe vom KSC abge­holt, um 18:15 Uhr begann das Trai­ning, um 20 Uhr waren wir fertig. Der Zug nach Hause ging um 21:11 Uhr. Die Zeiten weiß ich noch genau, weil ich das täg­lich gemacht habe. Um 22:30 Uhr war ich dann zu Hause. Da waren meine Eltern schon fix und foxi und haben gepennt. Mama hatte mir in der Küche was zu essen bereit gestellt, das habe ich ver­schlungen. Und danach bin ich oft noch eine Runde zum Laufen in den Wald gegangen. 

Mit Gewichten an den Füßen …
Manchmal wirk­lich! Mein großer Bruder lag im Bett und hat gefragt: Spinnst du eigent­lich? Das war mir egal. Papa und Mama haben gar nichts gemerkt, die mussten um 5 Uhr auf­stehen.

Ihr Vater kam als Gast­ar­beiter aus Sizi­lien nach Pforz­heim. Wie war die Stim­mung daheim?
Ich hatte eine wahn­sinnig glück­liche Kind­heit. Meine Eltern haben alles für mich gemacht. Klar, wir hatten nicht viel. Wir drei Jungs haben zu dritt in einem Zimmer geschlafen. Wir mussten auf unser Geld auf­passen. Als Papa aus Naro nach Deutsch­land kam, hatte er fast nichts. Er arbeitet jetzt seit 30 Jahren in der­selben Firma, die stellen Auto­teile her. Mama ist in einem Büro tätig. Zu Hause lief der Fern­seher auf Ita­lie­nisch.

Drei Brüder in einem Zimmer. 
Wenn der eine Play­sta­tion spielen wollte, musste der andere halt mal kurz Pause machen. Klar, da flogen die Fetzen. Aber Fami­li­en­bande stehen für uns über allem. 

Bevor Sie zum KSC gingen, kickten Sie beim CFR Pforz­heim. An eine Saison müssten Sie sich beson­ders erin­nern.
In der A‑Jugend hab ich in einer Saison 53 Tore gemacht. Im Pokal­halb­fi­nale haben wir gegen Hof­fen­heim gespielt, mit Davie Selke, Jonas Hof­mann, Niklas Süle. Gegen uns, die Pforz­heimer Kanaken. Da kriege ich heute noch eine Gän­se­haut.

Was ist pas­siert?
Wir haben in einem Kaff nahe Pforz­heim gespielt, Neibs­heim bei Bretten. Der Sport­platz war ram­mel­voll. Unge­logen! Da waren 250 Pforz­heimer allein wegen mir. Alle meine Jungs, die Familie sowieso. Die Stim­mung war bom­bas­tisch, alle waren am Aus­rasten. Wir lagen 0:2 hinten, haben das 2:2 gemacht, das 3:2, die machen das 3:3, das 3:4, dann schießen wir kurz vor Schluss das 4:4. Ich habe drei Buden gemacht und eine vor­be­reitet, an dem Tag hat alles geklappt. Nach dem Aus­gleichstor hab ich mein Trikot aus­ge­zogen.