Nachdem Japans ehe­ma­liger Trainer Takeshi Okada im Juni 2009 die Teil­nahme für die Welt­meis­ter­schaft in Süd­afrika gesi­chert hatte, musste er eines fest­stellen: Kon­tra­henten, die stärker als die in der asia­ti­schen Qua­li­fi­ka­tion waren, hatten nur wenig Pro­bleme, die großen Lücken zwi­schen seinem krea­tivem Mit­tel­feld und den fähigen, aber lang­samen Innen­ver­tei­di­gern zu nutzen.

Das Ergebnis waren Test­spiel-Nie­der­lagen gegen die Nie­der­lade, Ser­bien und Süd­korea, die kurz vor der WM 2010 nach einer tak­ti­schen Rund­erneue­rung ver­langten. Mit Yuki Abe brachte Trainer Okada einen wei­teren defen­siven Mit­tel­feld­spieler in die Mann­schaft und machte Kei­suke Honda zur fal­schen Neun. Dieser erfolg­reiche Wechsel ver­half Japan in Süd­afrika zum Einzug ins Vier­tel­fi­nale, eine Pre­miere auf fremdem Boden.

Zac­che­roni räumt auf

Trotz des Erfolgs ver­än­derte sich mit Okadas Nach­folger Alberto Zac­che­roni einiges im japa­ni­schen Team. Der Ita­liener sor­tierte sofort eine Reihe von Spie­lern der alten Garde aus und reak­ti­vierte das 4−2−3−1. Zudem ver­suchte er, um die jungen offen­siven Mit­tel­feld­spieler und Außen­ver­tei­diger aus Europas Top-Ligen ein Team zu bauen.

Bei Zac­che­ronis Debüt schlugen die Japaner sen­sa­tio­nell Argen­ti­nien, und wäh­rend der Asi­en­meis­ter­schaft 2011 stei­gerte sich seine Mann­schaft von Spiel zu Spiel, sodass sie am Ende sogar den Tur­nier-Sieg feiern konnte.

Gegen die kleinen“ Teams hapert es

In den Spielen darauf zeigte sich, dass Japan seine besten Leis­tungen gegen höher­klas­sige Gegner ablie­ferte. Schwie­rig­keiten berei­teten ver­meint­lich schwä­chere Teams, die sich vor allem auf die Defen­sive kon­zen­trieren.

Shinji Kagawa wurde nach über­ra­genden Leis­tungen für Borussia Dort­mund 2010 auch für Zac­che­roni zum Schlüs­sel­spieler. Obwohl er die Rücken­nummer Zehn trägt, spielt er in der japa­ni­schen Natio­nal­mann­schaft nur selten im zen­tralen offen­siven Mit­tel­feld. Der eigent­liche Kopf des Teams ist Kei­suke Honda, dessen for­derndes Auf­treten, Ruhe und Kon­se­quenz ihn zumin­dest im Japan-Trikot zum idealen Regis­seur des schnellen und flüs­sigen Angriffs­spiels machen.

Die Defen­sive als neue Schwäche

Erst seit einigen Monaten nimmt er eine etwas zurück­ge­zo­ge­nere Posi­tion ein, wäh­rend Kagawa und der dritte offen­sive Mit­tel­feld­spieler nach Innen ziehen, um sich für das Kurz­pass­spiel anzu­bieten. Das gibt den Außen­ver­tei­di­gern Yuto Nag­a­tomo und Atsuto Uchida Räume, um nach vorn zu stoßen. Häufig dringt Honda dann als Letzter in den Straf­raum ein und sorgt für wei­tere Tor­ge­fahr.

Iro­ni­scher­weise ist Japans größte Schwäche mitt­ler­weile die Defen­sive, ins­be­son­dere die Innen­ver­tei­di­gung. Beim letzt­jäh­rigen Confed-Cup domi­nierte das Team über 70 Minuten Ita­lien, um sich in den letzten 20 Minuten vier Gegen­tore ein­zu­fangen.

Japan darf sich nicht zurück­drängen lassen

In der inter­na­tio­nalen Presse wurde die Mann­schaft dafür kri­ti­siert. Fest steht aber, dass sie am besten funk­tio­niert, wenn die Spieler hoch stehen und früh mit dem Pres­sing beginnen. Zieht sich Japan zurück oder lässt sich zurück­drängen, beginnen die Schwie­rig­keiten.

Das Team täte des­halb gut daran, sich auch bei der WM auf seine offen­siven Stärken zu berufen, auch weil Innen­ver­tei­diger Maya Yoshida in dieser Saison bei Sout­hampton nicht die erhoffte Spiel­zeit bekam und in der J.League keinem jungen Spieler der Durch­bruch gelang.

Ost­asi­en­meis­ter­schaft als Umbruch

Zac­che­ronis größter Kri­tik­punkt war in der jün­geren Ver­gan­gen­heit seine Zurück­hal­tung, wenn es um Ver­än­de­rungen im Kader oder des System ging. Bei der letzten Ost­asi­en­meis­ter­schaft war er jedoch gezwungen einige Spieler aus dem Inland zu berufen, was seine Ansichten scheinbar ver­än­dert hat.

Nicht weniger als sechs Spieler aus dem 23-Mann-Kader für die WM in Bra­si­lien debü­tierten bei diesem Tur­nier. Dazu gehören auch Masato Moris­hige, ein 26-jäh­riger Ver­tei­diger vom FC Tokio, sowie die beiden Stürmer Yoi­chiro Kaki­tani and Yuya Osako.

Mit Youngs­ters zur die WM

Kaki­tani traf beim 3:2‑Auswärtssieg gegen Bel­gien im November letzten Jahres und Osako, der jüngst vom 1. FC Köln ver­pflichtet wurde, sorgte mit einem Tor und einer Vor­lage beim 2:2 gegen die Nie­der­lande für Auf­sehen.

Der wohl bedeu­tendste New­comer ist aber Hotaru Yama­guchi von Cerezo Osaka. Der Mit­tel­feld­motor gehörte zur japa­ni­schen U23-Mann­schaft, die bei den Olym­pi­schen Spielen 2012 in London Vierter wurde. Wäh­rend seiner Auf­tritte für die Natio­nal­mann­schaft im Herbst 2013 machte er mit Ein­satz und Zwei­kampf­stärke Spie­lern wie Kapitän Makoto Hasebe oder dem 141-fachen Natio­nal­spieler Yasu­hito Endo das Leben leichter. Es kann des­halb gut sein, dass sich die beiden Vete­ranen bei der WM um einen Platz neben dem Youngster streiten müssen.

Ben Mabley ist Teil des Guar­dian-Netz­werks“ und kom­men­tiert unter anderem für den Fern­seh­sender JSports“. Folgt ihm hier auf Twitter!