Leon Goretzka ist nicht nur 24 Jahre alt, son­dern viel­leicht auch der älteste 24-Jäh­rige, den man finden kann. Er war schon der älteste 21-Jäh­rige, der älteste 18-Jäh­rige und ver­mut­lich sogar der älteste 13-Jäh­rige. Womit hier nicht irgendein geheimer kör­per­li­cher Ver­fall gemeint ist, der mit dem Alter kommt, son­dern ein bemer­kens­wertes Maß von Erwach­sen­sein, das Goretzka schon zeigte, als er noch Jugend­spieler war und den VfL Bochum vor dem Abstieg in die Dritte Liga retten musste. Ziem­lich viel wurde ihm damals auf­ge­laden, und er trug das besser als Spieler, die zehn Jahre älter waren als er.

Mit sechs Jahren war er von einem Bochumer Vor­ort­klub zum VfL Bochum gekommen und blieb dort, obwohl er wegen seines unüber­seh­baren Talents etliche Ange­bote grö­ßerer Ver­eine bekam. Das hatte auch damit zu tun, dass er Fan war, aber nicht nur. Es sind für die sport­liche Ent­wick­lung Ziele aus­ge­geben worden, bei denen man sich sagt: Das stemmst du. Da bin ich nie ent­täuscht worden, es wurde von beiden Seiten alles ein­ge­halten. Der Kar­rie­re­plan in Absprache mit den Trai­nern und dem Jugend­leiter hat bei mir super gepasst“, sagte er vor sechs Jahren in einem Inter­view. Plan­mäßig ging die Kar­riere dann weiter über Schalke 04 zum FC Bayern und längst auch in die Natio­nal­mann­schaft.

Man sollte gewisse Werte ver­mit­teln“

Leon Goretzka

Erwachsen und klar ist Goretzka inzwi­schen zudem darin, wie er seine Rolle als Spieler jen­seits des Platzes ver­steht. Es geht darum, dass man gewisse Werte ver­mit­teln sollte. Und dass es nicht schadet, sich hin und wieder zu hin­ter­fragen, wie man sich in der Gesell­schaft ein­bringt. Ich denke, wir Sportler können Reich­weiten nutzen, die andere nicht haben, um etwas zu bewegen“, sagte er erst kürz­lich in einem Inter­view mit dem Bayern-Ver­eins­ma­gazin 51“. Inzwi­schen gibt es keinen deut­schen Natio­nal­spieler, der sich in sozialen Medien und sonst so klar gegen Ras­sismus, Anti­se­mi­tismus und für Zivil­cou­rage posi­tio­niert wie Goretzka das tut.

Unauf­ge­regt und klar geht er auch mit den Auf­ge­regt­heiten um, die sein Job mit sich bringt. Dass es in dieser Woche zwi­schen ihm und Jerome Boateng im Trai­ning schep­perte, mode­rierten er und Boateng in sozialen Medien ziem­lich ent­spannt ab. Dass man angeb­lich nicht bei Tref­fern gegen seine alte Mann­schaft jubeln darf, setzte er nach dem 5:0‑Sieg gegen Schalke und einem Traumtor, das er schoss, ins rich­tige Ver­hältnis: Ich bin kein Fan davon, wenn man seinen Jubel unter­drückt. Ich emp­finde das immer als ein biss­chen schein­heilig. Wenn man ein Tor schießt, sollte man sich dar­über freuen dürfen.“ Dass er gerade vor der Schalker Kurve jubelte, wollte er als nicht respektlos emp­funden“ wissen.