Seite 4: „Die Bundesliga ist mein Traum“

Erleben Sie in Stutt­gart gerade Ihre schönste Zeit als Profi?
Kann ich unter­schreiben.

Dabei wurden Sie in der letzten Saison beim VfL Bochum Tor­schüt­zen­könig.
Für mich per­sön­lich lief es gut, aber mit dem VfL haben wir ab der Win­ter­pause nur noch um die Gol­dene Ananas gespielt. Im Fuß­ball geht es doch immer auch um die Per­spek­tive. 

Das Dogma, um jeden Preis auf­steigen zu müssen, kann auch zur Belas­tung werden.
Mit der Begeis­te­rung von 60 000 Zuschauern im Rücken klar­zu­kommen, kann viel­leicht auch mal zum Pro­blem werden, das stimmt. Aber den Druck haben wir ja seit dem ersten Spieltag – und wir kommen inzwi­schen ganz gut damit zurecht.

Wenn es bei Ihnen läuft, erleben wir Sie ange­sichts der Kulisse zeit­weise regel­recht eksta­tisch. Auf Face­book haben Sie Ihren Tor­jubel gegen den SV Sand­hausen gepostet: Sie rut­schen auf Knien Rich­tung Außen­linie und köpfen beim Vorn­über­fallen aus Ver­sehen die Eck­fahne weg.
Es waren 45 000 Zuschauer im Sta­dion und ich erzielte in der 85. Minute vor der Cann­statter Kurve das 2:1. Da kommen Emo­tionen hoch, die sich schwer kon­trol­lieren lassen. Intern durfte ich mir nach der Aktion natür­lich ein paar Sprüche anhören.

Fürchten Sie, dass der Auf­stieg für Sie etwas zu spät kommen könnte? Sie sind jetzt 29 Jahre alt.
Das belastet mich über­haupt nicht. Die Bun­des­liga ist mein Traum. Ich habe auch Ange­bote aus Eng­land abge­sagt, weil ich den Ein­druck hatte, mit dem Fuß­ball in Deutsch­land noch nicht abge­schlossen zu haben.

Das heißt: Die Bun­des­liga hat für Sie einen höheren Stel­len­wert als die Pre­mier League?
Wenn ich 21 wäre und schon drei Jahre Bun­des­liga auf dem Buckel hätte, würde ich das viel­leicht anders sehen. Aber ich habe die Chance, mit dem VfB Stutt­gart den Wie­der­auf­stieg zu schaffen. Gerade erst hat sich im Sta­dion die alte VfB-Mann­schaft getroffen, die 1977 auf­ge­stiegen ist. Auch so eine Geschichte zu schreiben, würde mir viel bedeuten.

Simon Terodde, Sie haben lange auf den Erfolg warten müssen. Was würden Sie rück­bli­ckend in Ihrer Lauf­bahn anders machen?
Ich hatte viel Ver­let­zungs­pech, dagegen kann man nichts machen.

Hätten Sie am Anfang pro­fes­sio­neller leben müssen?
Heute weiß ich, wie wichtig die Vor- und Nach­be­rei­tung für den Körper ist. Ein junger Spieler macht sich wenig Gedanken über Mus­kel­ent­span­nung und Fit­ness. Aber ich habe in meiner Anfangs­zeit eine Lehre absol­viert. Damals bin ich um 6 Uhr mor­gens auf­ge­standen, war bis 14 Uhr bei der Arbeit, dann fuhr der Bus zum Trai­ning und ich lag erst um 22 Uhr im Bett. Da bin ich nicht auf die Idee gekommen, noch extra Kraft­trai­ning zu machen.

Lange war unklar, ob Sie wirk­lich eine Zukunft als Profi haben. Haben Sie jemals Exis­tenz­angst ver­spürt?
Als ich bei Union in der Rück­runde nicht mehr zum Zug kam, fing ich an, mir kon­krete Gedanken zu machen, wie es wei­ter­geht. Ich war 26, meine Freundin hatte mir zuliebe alles auf­ge­geben. Ich musste mir über­legen, womit ich nach der Kar­riere mein Geld ver­dienen will. Also habe ich eine Wei­ter­bil­dung im Bereich Sport­ma­nage­ment gemacht.

Nun hat der VfB Stutt­gart dem Ver­nehmen nach drei Mil­lionen Euro Ablöse für Sie bezahlt. Ihr Ver­trag läuft noch drei Jahre. Wie könnte ein Happy End Ihrer Lauf­bahn aus­sehen?
Ach, wissen Sie, ich würde ein­fach gerne Bun­des­liga spielen. Das wäre doch ein Happy End. Und wenn wir das geschafft haben, denke ich mir ein neues aus.