Pep Guar­diola
Als Pep Guar­diola im Sommer 2013 seinen Dienst in Mün­chen antrat, rieben wir uns schon scha­den­froh die Hände, denn eine solch galak­ti­sche Saison, wie sie der FCB unter Guar­diolas Vor­gänger Jupp Heynckes gespielt hatte, war ja gar nicht mehr zu toppen. 27 Bun­des­li­ga­spiele, eine Rekord­meis­ter­schaft und zahl­lose vom Staunen über den per­fekten Fuß­ball aus­ge­renkte Kiefer später müssen wir demütig ein­sehen, dass Guar­diola wohl auch die Alte Herren II des KSV Bau­natal min­des­tens in die Cham­pions-League-Quali führen oder die Cook-Inseln zum Favo­riten auf den WM-Titel machen könnte. Wahr­schein­lich auch beides gleich­zeitig. Voller Respekt ziehen wir an dieser Stelle also sämt­liche Tou­pets, Bier­dosen-Helme und Ed-Hardy-Kappen, die es in der Redak­tion gibt, und gra­tu­lieren Pep Guar­diola und seinen Bayern zur völlig ver­dienten Meis­ter­schaft. Ver­bunden mit der Bitte, nächstes Jahr viel­leicht nicht ganz so domi­nant zu sein.

Die Span­nung
Aber wenn wir ehr­lich sind, glauben wir nicht daran, dass die Bayern nächstes Jahr weniger domi­nant sein werden. Schließ­lich wird Guar­diola immer noch Trainer sein, mit Lewan­dowski ein Stürmer dazu­stoßen, der alleine mehr Treffer erzielt als die gesamte untere Tabel­len­hälfte und dann wäre da ja noch Mat­thias Sammer, der die Spieler der­artig erbar­mungs- und pau­senlos zu Höchst­leis­tungen triezt, dass sich wahr­schein­lich selbst Gun­nery Ser­geant Hartman aus Full Metal Jacket“ erschüt­tert abwenden und kopf­schüt­telnd ein paar Tränen des Mit­leids in seinen Hut weinen würde. Sieht also so aus, als müsste man diese Lan­ge­weile im Kampf um die Meis­ter­schaft noch ein paar Jahre ertragen. Wes­wegen wir an dieser Stelle in tiefer Trauer einen vir­tu­ellen Kranz für die Span­nung im Titel­rennen ablegen wollen. Ruhe in Frieden, liebe Span­nung, es war schön mit dir. Wir werden dich ver­missen.

Josip Drmic
Bereits am vorigen Spieltag war Nürn­bergs Josip Drmic in unserer Liste zu Gast, weil er einen langen Ball mit der Hacke mitz­la­ta­nierte und anschlie­ßend per Gewalt­schuss in den Winkel ibra­hi­mo­victe. Nur wenige Tage später dürfen wir den Schweizer an dieser Stelle wieder begrüßen, denn im Spiel gegen Stutt­gart war er mit seinem Dop­pel­pack der ent­schei­dende Mann auf dem Platz. Wieder einmal. An zehn der letzten zwölf Tore war Drmic direkt betei­ligt, der Mann zeigt im ner­ven­auf­rei­benden Abstiegs­kampf der­zeit so dicke Cojones, dass er eigent­lich zwei zusätz­liche Tri­kot­num­mern bekommen müsste und links und rechts nie­mand neben ihm auf der Bank sitzen kann, wenn er mal aus­ge­wech­selt wird. Da darf man im Jubel dann auch can­to­nahaft-hoch­näsig vor der Kurve stehen und sich abfeiern lassen – sei’s drm.

Emre Can
Ob Emre Can im Kreise seiner Team­kol­legen einen Spitz­namen hat, wissen wir nicht. Nach Mitt­woch­abend möchten wir aller­dings For­rest“ als Kose­name vor­schlagen, denn Cans 75-Meter-stumpf-gera­de­aus­rennen-Solo im Spiel gegen Augs­burg, das er eis­kalt zum 3:1 abschloss, erin­nerte in Stil und Beharr­lich­keit schon arg an Tom Hanks als For­rest Gump“. Cans Solo war derart lang, dass sich meh­rere Kol­legen schon bei der Ansicht der Fern­seh­bilder vor Erschöp­fung erbre­chen mussten und hart­nä­ckige Waden­krämpfe erlitten. Der Oscar geht aber der­weil an Cans Team­kol­legen…

Giulio Donati
Der sich in der Nach­spiel­zeit nach einem Foul zeit­schin­dend am Boden wälzte, dann zu seinem Schre­cken fest­stellen musste, dass er außer­halb des Feldes lag, wes­halb das Spiel nicht unter­bro­chen wurde, wor­aufhin sich Donati kur­zer­hand zurück aufs Feld wälzte. Die ganz große Zeit­schinder-Schule und ein Genuss für alle Freunde fischigen Ver­hal­tens auf dem Fuß­ball­platz. War aber eh wurscht, denn Schiri Kin­höfer pfiff das Spiel ab und so konnte Donati seine sicher­lich schmerz­hafte und schwer­wie­gende Ver­let­zung aus­giebig behan­deln lassen. Hof­fent­lich nichts Schlimmes, von uns schon mal gute Bes­se­rung.

Ralf Fähr­mann
Noch vor nicht allzu langer Zeit waren im Schalker Team mehr Pro­blem­zonen zu sehen als auf dem jähr­li­chen Redak­tions-Betriebs­aus­flug zum Badesee. Vor allem die Tor­wart-Frage schien bei den Gel­sen­kir­che­nern äußerst dring­lich. Mal stand Hil­de­brand zwi­schen den Pfosten, mal Fähr­mann, dann wieder Unner­stall – über­zeugen konnte dabei nie­mand so richtig. Seit einiger Zeit jedoch ist Ralf Fähr­mann die unum­strit­tene Nummer Eins auf Schalke und hält, wie etwa am Dienstag gegen Dort­mund, seinen Kasten derart sou­verän sauber, dass nun eine Meister Proper-Pro­dukt­linie nach ihm benannt werden soll. Zwi­schen­durch wirkte es, als habe Fähr­mann mehr Arme als eine indi­sche Gott­heit, was uns vor­sichts­halber ein Räu­cher­stäb­chen ent­zünden ließ, um unseren neuen Gott milde zu stimmen, man weiß ja nie. Aber davon mal abge­sehen: Was macht eigent­lich Fabian Giefer ab dem Sommer?

Manuel Schmie­de­bach
Eine robuste Zwei­kampf­füh­rung ist eine der Grund­tu­genden, die es braucht, um im Abstiegs­kampf erfolg­reich zu sein. Scheinbar hat Han­no­vers Manuel Schmie­de­bach diese Grund­tu­gend im Vor­feld des Spiels gegen Hof­fen­heim noch mal mit John Rambo, dem Ulti­mate War­rior und einer ros­tigen, ben­zin­be­trie­benen Black&Decker-Gartensense durch­ge­spro­chen und die Grenzen jener Tugend neu defi­niert, denn anders ist es nicht zu erklären, mit wel­cher Verve Schmie­de­bach in der 76. Minute Anthony Modeste von den Beinen flexte. Mit seiner beid­beinig auf Schien­bein­höhe ein­ge­sprun­genen Flug­grät­sche könnte er ganze Misch­wälder abholzen oder im Han­no­ve­raner Umland nach Öl graben. Und viel­leicht macht er das auch, Zeit hat er ja jetzt erstmal.

Sebas­tian Rudy
Für das High­light des Spiels sorgte aller­dings nicht Schmie­de­bach mit der Berei­che­rung des Farb­spek­trums um einen wei­teren Dun­kelrot-Ton, son­dern Sebas­tian Rudy, der in der Schluss­mi­nute eine ver­un­glückten Befrei­ungs­schlag von Keeper Ron-Robert Zieler aus knapp 35 Metern ins leere Tor holzte. Schönes Ding. In Hof­fen­heim ist eben immer was los, ist man geneigt zu sagen. Kriegt halt nur nie­mand mit.

Maxi­mi­lian Arnold
Der gewis­sen­haft gezim­merte 11FREUNDE-Giebel“ aus edlem Lang­holz geht diese Woche an Maxi­mi­lian Arnold. Wolfs­burgs Nach­wuchs­mann nagelte in der 80. Minute des Spiels gegen Bremen einen Ball näm­lich derart wuchtig und punkt­genau in den Knick, dass die Zim­mer­mann­sin­nung nun einen eigenen Win­kel­messer nach diesem Tor benennen will. Schön an dem Treffer war auch, wie Arnolds Team­kol­lege Olic die Groß­chance zunächst ver­stol­perte, Arnold dann den zweiten Ball über­ra­schend aus der Dre­hung und einer statt­li­chen Ent­fer­nung in den Giebel drosch – getreu dem Motto Alles muss man selber machen“. Der Junge wäre sicher­lich auch ein guter Hand­werker geworden.

Domi Kum­bela
Domi Kum­belas wun­der­voller Fall­rück­zieher zum ent­schei­denden 3:1 gegen Mainz war derart schön, dass wir uns sicher sind, dass irgendwo in Gel­sen­kir­chen Klaus Fischer jubelnd mit einem Rück­warts­salto hin­ters Sofa sprang und dort So ein Tag, so wun­der­schön wie heute“-singend lie­gen­blieb. Ob Kum­belas Ein­tracht am Ende der Saison nun absteigt oder nicht, ist seit dem Sieg am Diens­tag­abend offener denn je. Was aller­dings sicher ist, ist dass sich Domi Kum­bela, wenn er denn absteigen muss, auf jeden Fall mit Stil ver­ab­schiedet hat.

Pierre-Michel Lasogga
Obschon es nicht zum Sieg reichte, konnte man den posi­tiven Effekt, den Ham­burgs lau­fende Lit­fass­säule Pierre-Michel Lasogga auf seine Kol­legen hat, förm­lich spüren. Nach über­stan­dener Ver­let­zungs­pause ochste sich Lasogga im Spiel gegen Frei­burg derart enga­giert durch die Zwei­kämpfe, dass man schon vom Zusehen blaue Fle­cken und Prel­lungen erlitt und die Innen­ver­tei­diger des kom­menden Geg­ners Mön­chen­glad­bach wahr­schein­lich bereits nach Aus­reden suchen, am Sonntag nicht zur Arbeit erscheinen zu müssen. Lasogga wird auf jeden Fall auf dem Platz stehen. Der Mann wirkt der­zeit so moti­viert, man könnte ihm die Beine zusam­men­binden – er würde mehr Kilo­meter machen als der Rest seiner Kol­legen zusammen.