Bis­lang war es doch immer so: Führte ein Klub, sagen wir aus: Mün­chen, die Tabelle der Bun­des­liga mit einem Vor­sprung von mehr als fünf Punkten an, quen­gelte ein ganzes Fuß­ball-Volk von Lan­ge­weile und öder Tris­tesse. Die Bun­des­liga-Saison 2010/11 ist jetzt 21 Spiel­tage alt und an der Spitze steht kein Rekord­meister, auch kein FC Hol­ly­wood. Ganz oben in der Tabelle protzt Borussia Dort­mund mit zwölf Punkten Vor­sprung auf den ärgsten Ver­folger Bayer Lever­kusen. Das Merk­wür­dige ist nur: Nie­manden scheint das zu stören.



Im Gegen­teil: Von Lan­ge­weile ist in den Bun­des­li­ga­stätten von Frei­burg bis Ham­burg nichts zu spüren. Zwar hat sich ein jeder der Kon­kur­renten 13 Spiel­tage vor dem Ende der Saison damit abge­funden, dass der kom­mende Deut­scher Meister Borussia Dort­mund heißen wird, doch das große Geheule ist bis­lang aus­ge­blieben. Und wie es scheint, wird sich daran auch nichts mehr ändern. Warum ist das nur so?

Nur Bar­ce­lona reicht an Dort­munds Domi­nanz heran

Es gibt eigent­lich genü­gend Gründe, um die Bun­des­liga-Saison nicht mehr span­nend zu finden. Zwölf Punkte Vor­sprung sind zu diesem Zeit­punkt ein­zig­artig in Europa. Aus den großen Ligen Eng­land, Spa­nien und Ita­lien, reicht einzig der große FC Bar­ce­lona an die Dort­munder Domi­nanz heran. Messi und Kol­legen haben nach 22 Spiel­tagen 20 Par­tien gewonnen und beru­hi­gende 7 Punkte Vor­sprung auf Real Madrid. Das wird für die aktuell beste Mann­schaft der Welt am Ende ver­mut­lich rei­chen. Offener ist der Kampf um die Meis­ter­schaft in Eng­land und Ita­lien. In der Pre­mier League trennen Tabel­len­führer Man­chester United und den Liga­fünften Tot­tenham Hot­spur zehn Punkte. Zum Ver­gleich: der Bun­des­liga-Fünfte Bayern Mün­chen hat der­zeit 15 Punkte Abstand auf den BVB. Selbst in Zeiten der Drei-Punkte-Regeln sind das Welten. In Ita­lien führt der AC Mai­land die Tabelle an, nach dem abge­lau­fenen Spieltag ist der Vor­sprung auf den SSC Neapel aller­dings auf drei Punkte zusammen geschmolzen. Span­nung? Theo­re­tisch durchaus mög­lich. In der Bun­des­liga ist Borussia Dort­mund eigent­lich schon jetzt prak­tisch unschlagbar.

Gähn? Mit­nichten. Auch dafür gibt es genü­gend gute Gründe. Borussia Dort­mund 2010/11 ist längst nicht mehr das geld­ver­schlin­gende Mons­trum Borussia Dort­mund Mitte der Neun­ziger, als selbst für mit­tel­mäßig begabte Angreifer wie Bachirou Salou Summen bezahlt wurden, mit denen anderswo ganze Mann­schaften finan­ziert werden konnten. Borussia hat den finan­zi­ellen Over­kill bitter bezahlen müssen und gleich­zeitig das Glück (und Geschick) gehabt, dass aus den Ruinen eine ein­zig­ar­tige Mann­schaft ent­standen ist. Blut­jung, bes­tens aus­ge­bildet, mit den rich­tigen Zukäufen aus dem In- und Aus­land gewürzt und vor allem: mit ganz viel Schwarz-Gelb in den eigenen Reihen. Typen wie Groß­kreutz Schmelzer, Götze, Wei­den­feller oder Bender kommen ent­weder aus der eigenen Jugend oder wirken so inte­griert, als seien sie direkt auf dem Bor­sig­platz gezeugt worden. Dass Jürgen Klopp der rich­tige Trainer für so eine Mann­schaft ist, hat man zwar irgendwie geahnt, doch die Qua­li­täten, die der ehe­ma­lige Mainzer in dieser Saison aus seinen Fuß­bal­lern quetscht, ist doch von Spieltag zu Spieltag immer wieder beein­dru­ckend.

Das Tod­schlag­ar­gu­ment Lan­ge­weile“ gilt nicht für Dort­mund

Tabel­len­führer Borussia Dort­mund also ist jung, hat Sym­pa­thie­träger auf dem Platz und der Trai­ner­bank, spielt fan­tas­ti­schen Fuß­ball, hat das selbst­zer­stö­re­ri­sche Image der neun­ziger Jahre abge­legt – und ist vor allem nicht der FC Bayern. Die Mün­chener konnten ja in der Ver­gan­gen­heit noch so guten Fuß­ball spielen, um vor dem Rest der Nation ihre Spit­zen­po­si­tion zu recht­fer­tigen, das Tod­schlag­ar­gu­ment Lan­ge­weile“ hat sie dann doch immer wieder erwischt. Eben weil die Domi­nanz nicht nur eine Saison lang anhielt, son­dern seit mehr als 40 Jahren die Bun­des­liga bestimmt. Einen Rekord­meister als Tabel­len­führer, das ist so außer­ge­wöhn­lich wie die Tat­sache, dass in Frei­burg häu­figer die Sonne scheint, als in Ham­burg. Eine selbst im tor­losen Derby pha­sen­weise begeis­ternde Junio­ren­truppe aus Dort­mund ist außer­ge­wöhn­lich und wird es bis zum Sai­son­ende auch wei­terhin bleiben. Lang­weilig wird das nie.