Was macht eigent­lich einen wirk­lich guten Fuß­ball­verein aus? Diese Frage haben sich Moritz Eckert und Ste­phan Peters gestellt und die Gute Tabelle ent­wi­ckelt. Hier werden die 18 Bun­des­li­gisten nicht an Toren und Punkten gemessen, son­dern in ins­ge­samt 36 Kate­go­rien, die zeigen sollen, wie zukunfts­fähig der Verein ist. Die Klubs werden anhand der Ober­ka­te­go­rien Sta­dion“, Fans & Verein“, Team“, Busi­ness“, Ver­ant­wor­tung“ und Spiel“ bewertet, die wie­derum jeweils sechs Unter­ka­te­go­rien haben. Mit­hilfe viel­fäl­tiger Quellen wie sowie stun­den­langer Eigen­re­cherche ist so die Gute Tabelle ent­standen.

Im Inter­view erklären die Gründer Moritz Eckert und Ste­phan Peters, was hinter der Guten Tabelle steckt, zu wel­chen Ergeb­nissen sie kommt und was ihre Moti­va­tion ist.

Herr Peters, Sie sind Fan von Borussia Dort­mund. Ist der BVB der per­fekte Fuß­ball­club?
Ste­phan Peters: Ne, über­haupt nicht. Dort­mund ist schon weit vorne mit dabei, wenn es um Kom­mer­zia­li­sie­rung geht, auch wenn heute sicher­lich gesünder gewirt­schaftet wird als 2005. Und klar, einer­seits freue ich mich auch über die vielen Talente auf dem Platz, ande­rer­seits fehlt mir da schon die Iden­ti­fi­ka­tion mit dem Verein, wenn sie dann nach ein, zwei Jahren wei­ter­ziehen. Um ein Bei­spiel zu nennen.

Wie sieht er denn aus, der per­fekte Fuß­ball­club?
Moritz Eckert: Die eine Ant­wort auf diese Frage gibt es nicht. Es gibt viele unter­schied­liche Per­spek­tiven, was einen wirk­lich guten Fuß­ball­verein aus­macht. Die Leit­planken sind aber klar: Den Kom­merz nicht über­drehen, eine gute Stim­mung im Sta­dion und ein gutes Spiel gehören dazu. Dar­über hinaus ist eine gesell­schaft­liche Ver­ant­wor­tung wichtig, die mehr ist als ein biss­chen Cor­po­rate Social Respon­si­bi­lity (CSR) nur für eine schnelle Pres­se­mel­dung. Enga­ge­ment für den Kli­ma­schutz sowie gegen Dis­kri­mi­nie­rung und Ras­sismus gehören auch dazu. Wir wollen diese ver­schie­denen For­de­rungen und Sicht­weisen bün­deln, messbar sowie ver­gleichbar machen.

Die Daten­lage ist prak­tisch noch eine Null­nummer“

Moritz Eckert

Her­aus­ge­kommen ist eine Tabelle mit 36 Kate­go­rien. Welche Gedanken liegen der Guten Tabelle zugrunde?
Eckert: Der Grund­ge­danke ist: Wenn schon an der Bun­des­li­ga­ta­bel­len­spitze kaum noch echter Wett­be­werb ist, dann lasst uns doch bitte den Wett­be­werb anheizen, wel­cher Bun­des­li­ga­club der fan­freund­lichste, der nach­hal­tigste, der ver­ant­wor­tungs­be­wuss­teste, auch der mit dem schönsten Spiel ist. Fuß­ball ist doch mehr als nur Gewinn­streben! Lasst uns ver­glei­chen, wel­cher Klub in Sachen Über­kom­mer­zia­li­sie­rung im Ver­gleich zu anderen durch­dreht. Und lasst uns über den Zeit­ver­lauf nach­ver­folgen, wie sich die ein­zelnen Klubs hof­fent­lich hin zu echten gesell­schaft­li­chen Vor­bil­dern ent­wi­ckeln. Dazu haben wir einer­seits bestehende Daten­sätze recher­chiert und ande­rer­seits neue, eigene Daten­sätze erstellt. Alle mit dem Ziel, die unter­schied­li­chen Aspekte, die einen guten Fuß­ball­club aus­ma­chen, zah­len­ba­siert abzu­bilden.

War es schwierig, an die ent­spre­chenden Daten zu kommen?
Eckert: Die Daten­lage ist prak­tisch noch eine Null­nummer. Da gibt es noch erschre­ckend wenig. Der CO2-„Fußballabdruck“ zum Bei­spiel. Extrem wichtig, da gibt es aber prak­tisch noch gar nichts.
Peters:
Zur Erfas­sung oder Ver­öf­fent­li­chung vieler Daten sind die Ver­eine ein­fach nicht ver­pflichtet. Manche machen den CSR-Bericht etwas auf­wen­diger und geben ein paar Daten raus. Aber diese Einzel-Zahlen sind schwer zu ver­glei­chen. Andere Ver­eine ver­öf­fent­li­chen gar nichts. Zu den Aus­gaben im Bereich Anti-Dis­kri­mi­nie­rung haben wir prak­tisch gar nichts gefunden. Externe Stu­dien gibt es immerhin etwas häu­figer, zum Bei­spiel zur Pro­duk­ti­ons­weise der Fan­ar­tikel. Für solche Infor­ma­tionen soll die Tabelle gut sein. Sie soll die Hürde senken und Lust auf das Ent­de­cken machen.

Ist die Tabelle also auch eine Reak­tion auf die Intrans­pa­renz vieler Ver­eine, gerade in Kate­go­rien wie sozialer Ver­ant­wor­tung?
Eckert: Ja, Trans­pa­renz erzeugt Ver­än­de­rungs­druck. Wir sind jetzt noch am Anfang, aber im Zeit­ver­lauf soll erkennbar werden, wie sich die ein­zelnen Ver­eine in den Kate­go­rien ent­wi­ckeln. Auch For­de­rungs­ka­ta­loge von Fanin­itia­tiven oder der DFL Taskforce Zukunft Pro­fi­fuß­ball wollen wir nach und nach mit ihren eigenen Kri­te­rien in die Tabelle inte­grieren . Dann sieht man näm­lich ob das alles nur fromme Wün­sche oder leere Ver­spre­chungen sind, oder ob wirk­lich eine posi­tive Ent­wick­lung geschieht. Das ist jetzt der Start­schuss, aber die Tabelle soll suk­zes­sive erwei­tert werden.

Neben Kate­go­rien mit einem gesell­schaft­li­chen Hin­ter­grund gibt es aber auch fuß­ball­spe­zi­fi­sche Kate­go­rien.
Eckert: Es gibt ver­schie­dene Kate­go­rien zum Thema schönes Spiel“ (bestehend aus den Unter­ka­te­go­rien: Fair­play, Noten­schnitt, Tor des Monats, Tor/TV-Geld, Punkte nach Rück­stand, Anteil 1:0‑Siege; Anm. d. Red.). Und es gibt Kate­go­rien, bei denen wir sozu­sagen ein paar Legenden der deut­schen Fuß­ball­stamm­ti­sche unter­sucht haben. Zum Bei­spiel wie viele Spieler von der direkten Kon­kur­renz abge­kauft worden sind. Das ist ein Klas­siker, der immer den Bayern vor­ge­worfen wird. Zusammen mit Dort­mund sind sie tat­säch­lich Spit­zen­reiter. Leipzig kauft am wenigsten bei den anderen Bun­des­li­gisten, aber dafür bei den anderen RB-Ver­einen. Ins­ge­samt ergeben sich so unter­schied­lichste Per­spek­tiven auf den Guten Fuß­ball­klub. Alle ein­zelnen Per­spek­tiven haben ihre Vor- und Nach­teile und bestimmte Daten sind wis­sen­schaft­lich angreifbar. Das ist uns völlig bewusst. Aber jeder Fuß­ballfan hat eben auch eine eigene Vor­stel­lung, was einen guten Fuß­ball­verein aus­macht. So kann jeder Nutzer bestimmte Kate­go­rien der Guten Tabelle, die er als irrele­vant erachtet ein­fach deak­ti­vieren, und sich so seine ganze indi­vi­du­elle Gute Tabelle zusam­men­kli­cken.