Fried­helm Funkel und Popu­lismus in einen Zusam­men­hang zu bringen, mag auf den ersten Blick wider­sprüch­lich erscheinen. So hat man For­tuna Düs­sel­dorfs Trainer eigent­lich nicht abge­spei­chert. Doch was der 64-Jäh­rige (und damit älteste Bundesliga-)Trainer vor dem Spieltag gegen­über der Stutt­garter Zei­tung sagte, war nichts anderes: Alles ist viel schnell­le­biger und bou­le­var­desker geworden. Du bekommst als Trainer gar keine Zeit mehr, etwas auf­zu­bauen. Du wirst von Außen getrieben, irgend­welche Ent­schei­dungen zu treffen. Schauen Sie doch nur, was bei Ihnen in Stutt­gart gerade pas­siert: Der VfB war ver­gan­gene Saison die zweit­beste Rück­run­den­mann­schaft – und jetzt wird Tayfun Korkut nach zwei Nie­der­lagen zum Sai­son­auf­takt in Frage gestellt. Das ist absurd.“

Ein­spruch! Und zwar in vollem Umfang.

Ob nun alles viel schnell­le­biger und bou­le­var­desker“ geworden ist, ist schwer zu ermessen. Kaum zu bestreiten sein dürfte aller­dings, dass der Vor­wurf ein alter, allzu pau­schaler Hut ist. Es ist wie mit den obli­ga­to­ri­schen Inter­view-Pas­sagen, die Profis irgend­wann in ihrer Kar­riere offenbar von sich geben müssen, als wäre es ein Natur­ge­setz. Irgend­wann ereilt sie immer die Frage nach dem Umgang mit der nach­rü­ckenden Jugend. Und immer, wirk­lich immer, heißt es dann sinn­gemäß: Als ich ange­fangen habe, war der Respekt vor den Alten noch ein anderer. Da haben wir jungen Spieler ganz ohne Auf­for­de­rung die Tore getragen und die Schuhe geputzt!“

Inhalt­lich frag­würdig

Nun kann man der Emp­fin­dung des Ein­zelnen schwer­lich wider­spre­chen. Die Pointe aller­dings geht so: Das haben Profis vor ihnen gesagt und das werden Profis nach ihnen sagen. Wenn sich gestan­dene Spieler also daran erin­nern, Schuhe geputzt und Tore getragen zu haben, und genau das den jungen Spie­lern der Gegen­wart abspre­chen, diese sich dann aber erfah­rungs­gemäß in ein paar Jahren daran erin­nern, in ihrer Jugend noch Schuhe geputzt und Tore getragen zu haben, dann ist das die berühmte Qua­dratur des Kreises.

Auch Fried­helm Fun­kels For­mu­lie­rung, man bekomme als Trainer gar keine Zeit mehr, etwas auf­zu­bauen“ ist eine alte Bekannte, die schon aus Trai­ner­mün­dern schallte, als Funkel noch zu den Jün­geren zählte. Und zudem inhalt­lich frag­würdig. Denn natür­lich bekommen die Trainer Zeit. Tayfun Korkut etwa hat nun schon seit dem 30. Januar 2018 Zeit, etwas auf­zu­bauen. Wobei man zugeben muss, dass er anfangs etwas weniger Mög­lich­keiten dazu hatte. Schließ­lich hatte er zwi­schen der Unter­schrift beim VfB Stutt­gart und dem ersten Pflicht­spiel gegen den VfL Wolfs­burg nur drei Tage zur Ver­fü­gung. Trotzdem blieb er, der eine Mann­schaft mit nur einem Punkt Abstand zum Rele­ga­ti­ons­platz über­nommen hatte, in der Folge acht Spiele unge­schlagen und rutschte in der Rück­run­den­ta­belle letzt­end­lich auf einen sen­sa­tio­nellen zweiten Platz.