Das San Paolo. Sobald der SSC Neapel spielt und Decibel Bel­lini, der glatz­köp­fige Sta­di­on­spre­cher Gol! Gol! Gol! Gol! Gol! Gol!“ in sein Mikro brüllt und die Luft nach dem Rauch der Ben­galos riecht, dann ist es das Zen­trum der Stadt am Vesuv. Seit 1959 ist es die Heimat des Ver­eins, hier erlebte er zwei Europa- und eine Welt­meis­ter­schaft und das Genie Diego Mara­dona. Für die Fans ist das Sta­dion die Herz­kammer. Für ihren Prä­si­denten, Aurelio De Lau­ren­tiis, ist es: Eine Toi­lette. Ein Alb­traum.“

Denn das Sta­dion erfüllt die Auf­lagen der Uefa schon lange nicht mehr. Eigent­lich dürften hier keine inter­na­tio­nalen Spiele mehr aus­ge­tragen werden, doch für das San Paolo machte der euro­päi­sche Ver­band eine Aus­nahme. Damit soll nun Schluss sein – zumin­dest, wenn es nach De Lau­ren­tiis geht: Ich habe bei der Uefa bean­tragt, dass wir unsere Spiele in Bari aus­tragen“, sagte er der Cor­riere dello Sport. Laut dem Prä­si­denten würden die Cham­pions-League-Grup­pen­spiele gegen den FC Liver­pool, Paris Saint-Ger­main und Roter Stern Bel­grad in die 250 Kilo­meter ent­fernte Stadt an der Adria ver­legt werden. Und er bot gleich an: Ich zahle unseren Fans 1.000 Busse, um anzu­reisen.“

Die Uefa weiß von nichts

Das Sta­dion San Nicola in Bari fasst, genauso wie das San Paolo, 60.00 Zuschauer. Nur ist der FC Bari pleite, tritt in dieser Saison unter dem neuen Namen SSC Bari in der vierten Liga an und hat einen neuen Besitzer: Aurelio De Lau­ren­tiis. Das Sta­dion würde laut ihm die Bestim­mungen der Uefa erfüllen – doch die hat nach eigener Aus­sage keine Anfrage von De Lau­ren­tiis erhalten.

Genauso wie Nea­pels Bür­ger­meister: Dieser Vor­schlag ist unvor­stellbar und nicht prak­ti­kabel. Alleine an so etwas zu denken … Napoli spielt und wird auch in Zukunft im San Paolo spielen“, sagte Luigi di Magis­tris dem Radio­sender Marte. Das Sta­dion gehört der Stadt. Schon seit 2016 wird San Paolo reno­viert, um es wieder den Bedin­gungen der Uefa anzu­passen. Dazu müssen vor allen Dingen die Sitze erneuert werden, ins­ge­samt soll die Reno­vie­rung etwa 30 Mil­lionen Euro kosten. Und auch der Bür­ger­meister von Bari weiß nichts von einer Spiel­ver­le­gung: Ich finde, jeder Verein sollte in seiner Stadt spielen. Außerdem glaube ich nicht, dass das San Nicola die Uefa Richt­li­nien erfüllt. Wir haben einige Pro­bleme mit der Elek­trik“, so Antonio Decaro gegen­über – Ach­tung! – Radio Kiss Kiss Napoli.

Alles nur ein Bluff des Poker­spie­lers?

Um eine Erklä­rung für das selt­same Ver­halten von De Lau­ren­tiis zu finden, braucht es keine große Vor­stel­lungs­kraft. Der Ver­eins­be­sitzer möchte seit Jahren ein neues Sta­dion bauen. Er habe bereits ein pas­sendes Grund­stück und die Pläne. So ein schlechtes Sta­dion hemmt uns Napoli auf ein neues Level zu heben“, sagte der 69-jäh­rige Film­pro­du­zent. Der Vor­stoß könnte eine Taktik sein, um sein Ziel durch­zu­drü­cken.

So sieht das auch Pier­paolo Marino, der ehe­ma­lige Vor­stand­vor­sit­zende des Ver­eins: Ich glaube, das ist ein Bluff von De Lau­ren­tiis. Er ist ja ein groß­ar­tiger Poker­spieler.“ De Lau­ren­tiis wolle ein­fach nur Druck auf den Bür­ger­meister auf­bauen. Wie es aus­sieht, wird der Bluff des Napoli-Prä­si­denten ins Leere laufen und Decibel Bel­lini wird wei­terhin das San Paolo zum Beben bringen. Full House.

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