Es gibt Dinge, die sind nicht ver­han­delbar, da gibt es keine Alter­na­tive: Rot­wein zu saf­tigem Steak, Oasis auf Plat­ten­spie­lern, Euro­sport für fast alle Sport­arten außer Fuß­ball. Die Leicht­ath­letik-Wett­be­werbe der Olym­pi­schen Spiele zum Bei­spiel ver­dienten genau ein ein­ziges Kom­men­ta­toren-Duo: Sigi Hein­rich und Dirk Thiele. Schließ­lich klang nie­mand anderes so, als würde sich der Ton­mit­schnitt aus dem Pekinger Olym­pia­sta­dion direkt und allein aus einer dumpfen Tele­fon­ver­bin­dung speisen wie bei diesen beiden Experten. Was toll war, schließ­lich spra­chen Hein­rich und Thiele auch gern über Pri­vates, wäh­rend unten Usain Bolt fast unbe­merkt zum nächsten Welt­re­kord lief.

Klei­nere Mittel, mehr Lei­den­schaft

Oder auch Rad­sport! Gab es je eine seich­tere Ein­schlaf­hilfe als die Euro­sport-Kom­men­ta­toren der Tour de France an einem warmen Som­mer­nach­mittag? Hielt es Karsten Migels am Mikrofon für nötig, zur Erklä­rung des Pelo­tons über die Vuelta-Tour des letzten Jahres aus Sicht von Team Eus­kaltel-Eus­kadi zu spre­chen, dann sprach er. Andere schliefen – um pünkt­lich zum Schluss­sprint auf­zu­wa­chen, wäh­rend sich par­allel zum Buch unterm Kissen der Kopf mit allerlei unnützem Wissen zum Rad­sport gefüllt hatte. Kurzum: Es war herr­lich.

Vor zwei Jahren klinkte sich Euro­sport dann in den deut­schen Fuß­ball ein und kaufte die Über­tra­gungs­rechte für einen Fan­ta­sie­be­trag. Genauer: Etwa 70 Mil­lionen Euro, so heißt es, für ein biss­chen Bun­des­liga. Alle Frei­tags- und wei­tere aus­ge­wählte Spiele. Das Prinzip war so ähn­lich wie bei jeder anderen Über­tra­gung: Klei­nere Mittel, mehr Lei­den­schaft, viel Exper­tise.

Alles raus­ge­holt

Sinn­bild­lich dafür das Exper­ten­team um Jan Henkel und Mat­thias Sammer. In einem kleinen Studio im Sta­dion unter­hielten sich die beiden in einer Art und Weise, die irgendwo zwi­schen Tak­tik­schule und Freak­show ein­ge­ordnet werden muss. Ver­schie­bende Vie­rer­ketten, Räume im Deckungs­schatten, Ungleich­ge­wichte im Mit­tel­feld. Das alles meist auf einer han­dels­üb­li­chen, magne­ti­schen Tak­tik­tafel. Und es war völlig gleich, wer an diesem Frei­tag­abend – manchmal auch Sonn­tag­mit­tags oder zu allem Übel Mon­tags – auf dem Platz stand. Ob Mainz, Augs­burg, Schalke oder Hof­fen­heim. Sammer und Henkel holten alles raus.

Denn es waren meist nicht die Top-Begeg­nungen. Die waren der Kon­kur­renz vor­be­halten. Aber Sammer und Henkel ana­ly­sierten mit einer Verve son­der­glei­chen. Sie scheuten keinen Weg. Ob zur Tak­tik­tafel, zur Video­lein­wand oder um ein­fach nur in die Weite des Sta­dions zu bli­cken. Wenn sie dachten, hier ergäbe sich etwas, das die Bewe­gungen des Spiels erklären könnte, dann spra­chen sie dar­über. Mit so viel Dra­matik und Ele­ganz, das man­cher Zuschauer vergaß, dass er gerade einem 0:0 der schwä­cheren Sorte zwi­schen zwei Abstiegs­kan­di­daten bei­wohnte.