Preben Elkjær Larsen, darf ich Ihnen eine Ziga­rette anbieten?
Nett von Ihnen. Aber als ich vor 20 Jahren mit dem Fuß­ball auf­hörte, habe ich auch meine sehr erfolg­reiche Rau­cher­kar­riere beendet.

Früher sollen Sie sogar in der Halb­zeit­pause auf dem Klo eine durch­ge­zogen haben.
Ich muss Sie kor­ri­gieren: Das war vor dem Spiel. Und es waren sogar zwei direkt hin­ter­ein­ander. Ich war immer schreck­lich nervös, voll von Adre­nalin. Für mich ging es in jedem Spiel um Sein oder Nicht­sein. Da halfen nur Ziga­retten.

Wie fanden das Ihre Trainer?
Im Sta­dion haben sie mich zum Glück nie erwischt. Aber im Kölner Mann­schaftsbus habe ich einmal ver­sucht, heim­lich auf der Rück­bank eine zu rau­chen. Das ging schief. Hennes Weis­weiler hat den Qualm gero­chen, ist von ganz vorn den Gang her­un­ter­ge­sprintet und hat mich zusam­men­ge­schissen. Da war ich so fertig, dass ich am liebsten noch eine geraucht hätte!

Wären Sie ohne Ihren Tabak­konsum ein noch bes­serer Fuß­baller gewesen?
Ein Medi­ziner würde das sicher­lich so sehen. Aber ich denke, dass mich das nicht son­der­lich ein­ge­schränkt hat. Das inten­sive Trai­ning, meis­tens zwei Mal am Tag, hat es irgendwie kom­pen­siert. Viel­leicht habe ich auch einen Körper, der vieles ver­zeiht.

Auch die vielen Partys, bei denen Sie damals zu Gast waren?
Ihr Deut­schen haltet mich offenbar für einen echten Lebe­mann. Das schmei­chelt mir zwar, aber ganz ehr­lich: So wild war das nie!

Wie schade.
Naja, um Sie zu trösten: Es gab schon eine heiße Phase, die dau­erte aber nur ein paar Monate. Als ich mit 19 aus Däne­mark zum 1. FC Köln kam, beglei­tete mich meine Freundin. Aber sie hielt es nur ein halbes Jahr aus, dann hatte sie so schlimmes Heimweh, dass sie unsere Bezie­hung been­dete und nach Hause zurück­kehrte. Plötz­lich war ich solo.

Und Fuß­ball­star.
Eine tolle Kom­bi­na­tion, oder? Tat­säch­lich fühlte ich mich eine Zeit lang wie der König des Rhein­landes.

Wie viele Frauen im Groß­raum Köln sehnen sich heute noch nach Ihnen?
Viele. Sehr viele. Viel­leicht sogar alle. Ehr­lich gesagt: Je älter ich werde, desto mehr werden es in meiner Vor­stel­lung.

Weis­weiler warf Ihnen einmal vor, Sie seien in der Nacht vor einem Spiel mit einer leicht beklei­deten Dame und einer Fla­sche Whiskey gesehen worden.
Ja, aber er hatte sich geirrt: Es war kein Whiskey. Es war Wodka.

Sie sollen auch Stamm­gast im Kasino in Aachen gewesen sein.
Nein! Ich weiß nicht mal, was ein Kasino ist! Glauben Sie mir!

Warum zwin­kern Sie?
Nur so. Ich brauchte ein­fach eine gewisse Zeit und den einen oder anderen Arsch­tritt von Weis­weiler, um zu ver­stehen, was Pro­fi­fuß­ball wirk­lich bedeutet. Dass man nicht ein­fach machen kann, was man will, und dass man auf seinen Körper acht­geben muss. Dass man pünkt­lich und ordent­lich sein muss.

Preben Elkjær Larsen

Mit dem Wechsel aus der zweiten däni­schen Liga zum 1. FC Köln begann für den Lieb­haber von Rauch­waren und schnellen Autos 1976 ein rasantes Pro­fi­leben. Unter Hennes Weis­weiler wurde er mit dem FC 1978 als Ergän­zungs­spieler Meister. Beim SC Lokeren avan­cierte er zwi­schen 1978 und 1984 zum Publi­kums­lieb­ling. An der Seite von Hans-Peter Briegel gewann er 1985 mit Hellas Verona den ita­lie­ni­schen Titel. Für Däne­mark absol­vierte Larsen zwi­schen 1977 und 88 ins­ge­samt 69 Län­der­spiele. Bei der WM 1986 wurde er zum dritt­besten Spieler des Tur­niers gewählt.

So schwer ist das doch nicht zu ver­stehen!
Für mich schon. Ich war schlichtweg nicht auf dieses neue Leben vor­be­reitet. Aus Däne­mark kannte ich ja nur den Ama­teur­fuß­ball. Da musste man sogar bezahlen, um in der ersten Liga mit­spielen zu dürfen.

Wie bitte?
Im Ernst. Spon­so­ring, Wer­bung, Fern­seh­gelder, das exis­tierte damals nicht. Die Erlöse aus den Ein­tritts­preisen waren ver­schwin­dend gering, es kamen höchs­tens 3000 Leute zu den Spielen. Also mussten wir einen Mit­glieds­bei­trag bezahlen, über den zum Bei­spiel die Fahrt­kosten bestritten wurden. Wenn der Mann­schaftsbus kaputt­ge­gangen wäre, wären wir am Ende gewesen.

Wie kommt man in diesem Milieu auf die Idee, Fuß­ball zum Beruf zu machen? Geld kann wohl kaum der Antrieb gewesen sein.
Ich liebte diesen Sport. Ich wollte nichts anderes machen. Und ich hatte den Traum, irgendwie aus Däne­mark her­aus­zu­kommen, um schließ­lich doch Geld mit dem Fuß­ball zu ver­dienen. So wie Frank Arnesen und Sören Lerby, die schon als Teen­ager bei Ajax Ams­terdam unter­schrieben hatten.

Sie spielten für den Kopen­ha­gener Vor­ort­klub Van­løse BK in der zweiten Liga. Wie wird man dort von einem deut­schen Verein wie dem 1. FC Köln ent­deckt?
Gar nicht. Dahin ver­lief sich wirk­lich nie­mand. Aber ich hatte das Glück, im Früh­jahr 1976 mit der däni­schen U19 ein Län­der­spiel in Osna­brück zu bestreiten. Das war meine Chance! An diesem Tag gab ich mehr als alles. Und hin­terher hatte ich zwei Ange­bote, vom 1. FC Köln und vom VfB Stutt­gart.

Was hat den Aus­schlag für den FC gegeben?
Weis­weiler und Manager Karl-Heinz Thielen waren ein­fach die Schnellsten. Sie haben mir noch in den Kata­komben das Angebot gemacht.