Sein Vater Jörn machte ihn zum Fuß­ball-Fan, sein Bruder Paul ver­gießt Herz­blut für den FC Bayern. Und Fritz Kalk­brenner? Hat eben­falls vor langer Zeit mal sein Herz an den Fuß­ball ver­loren, auch wenn seine Energie seit einigen Jahren vor­rangig für Musik drauf geht. Sein neues Album Grand Départ“ ist gerade erschienen. Zum Inter­view bittet der Ber­liner Elektro-Künstler“ (dpa) in sein Studio, wäh­rend des Gesprächs wird er umrahmt von einem gigan­ti­schen Misch­pult. Wie viel ist von seiner Lei­den­schaft für Fuß­ball noch übrig geblieben?

Fritz Kalk­brenner, was ist sexier: Fuß­ball oder Musik?
Ein­deutig Musik. Fuß­ball war mal sexy, ist es jetzt aber nicht mehr so. Schade eigent­lich.

Wann war das so?
Puh, bei der WM 1986 auf jeden Fall. Das mag an meiner Wahr­neh­mung liegen, ich war fünf Jahre alt und Fuß­ball das große Ding. Später hielt ich mal die Daumen für den BFC, aber das kannst du ja heute auch nicht mehr machen. Bayern-Fan wurde ich durch meinen Vater. Letzt­lich hat meine Lei­den­schaft für das Spiel aber doch arg gelitten.

Woran liegt das?
Der Fifa-Skandal war unter anderem so ein Aha-Erlebnis. Aha, alles so wider­lich, wie man sich das immer vor­ge­stellt hat. Dann die Sta­dien. Die mögen ja hübsch aus­sehen und sind so gebaut, das man nicht mehr nass wird, wenn es regnet, aber ist man nicht auch des­halb früher zum Fuß­ball gegangen und hat das gefeiert, weil es eben immer ein wenig asi und unge­müt­lich war? Darin lag doch der Reiz. Da hat eine Brei­ten­säu­be­rung statt­ge­funden, heute sind die Sta­dien voll von freund­li­chen Pick­nick-Zuschauern. Der Fuß­ball der Gegen­wart ist domes­ti­ziert. Das finde ich ein biss­chen lang­weilig.

Freut sich der Bayern-Fan nicht dar­über, dass die Heim­spiele in der schi­cken Allianz-Arena statt­finden, und nicht mehr im zugigen Olym­pia­sta­dion?
Im Olym­pia­sta­dion war es viel­leicht zugig, dank der Lauf­bahn war man ewig weit weg – aber das hatte ein Wie­der­erken­nungs­merkmal. Und das ist für mich sexy. In der Allianz-Arena sieht alles so gleich und so durch­ge­plant aus. Es gibt bestimmt viele Men­schen, die das mögen. Aber etwas Beson­deres ist das doch nicht mehr.

Das klingt pes­si­mis­tisch. Warum sind die Sta­dien dann noch so voll?
Tja, noch. Ich kann mir gut vor­stellen, dass die Begeis­te­rung in den kom­menden Jahren nach­lässt. Weil immer mehr Fans keine Lust auf so che­misch gerei­nigten Fuß­ball haben. Noch hält die Hoff­nung viele Zuschauer bei der Stange. Hoff­nung darauf, dass der Sport noch immer so ist, wie er mal war, bzw. wie man ihn sich als Fan wünscht. Ein­fach und erdig und von mir aus auch zugig. Fuß­ball eben.