Seite 2: „Es ist an der Zeit für eine Alternative zum Modell des Privatunternehmens“

Sie sind immer ein poli­tisch den­kender und han­delnder Fil­me­ma­cher gewesen. Wie poli­tisch ist diese Initia­tive?
Natür­lich ist sie poli­tisch, denn es ist an der Zeit, eine Alter­na­tive zum Modell des Pri­vat­un­ter­neh­mens zu setzen. Der Fuß­ball­klub muss eine Koope­ra­tive sein, das ist ein sowohl poli­ti­sches wie auch wirt­schaft­li­ches Kon­zept.

Wollen Sie beweisen, dass Fuß­ball anders funk­tio­nieren kann als in der Pre­mier League?
Absolut, Fuß­ball kann anders sein. Es ist ein Sport, warum sollte er Leute reich machen? Es ist ein Sport, und warum sollten wir nicht von dem Inter­esse und der Loya­lität pro­fi­tieren, das die Leute mit­bringen? Es gibt eine Stif­tung für Behin­derte, die Fuß­ball spielen, die mit dem Bath City FC ver­bunden ist. Ähn­li­ches gilt für Jugend­fuß­ball und Frau­en­fuß­ball. Aber davon könnte es noch viel mehr geben, wenn es dem Klub nicht nur ange­hängt wäre, son­dern zen­tral für seinen Ethos wäre.

Aber gibt es im eng­li­schen Fuß­ball über­haupt noch Platz für kleine Klubs wie Bath City?
Absolut. Dass wir so nied­rige Zuschau­er­zahlen haben, bedeutet nicht, dass die Leute sich hier nicht für Fuß­ball inter­es­sieren. Der Kampf geht darum, dass sie sich die Spiele wieder im Sta­dion anschauen, statt elek­tro­nisch. Die Pre­mier League quetscht das Leben aus den klei­neren Klubs, weil ihre Medi­en­prä­senz so groß ist. Dabei ver­passen die Leute so viel. Die Iden­ti­fi­ka­tion mit der Mann­schaft vor Ort und mit Spie­lern aus der Stadt ist doch eine wesent­lich per­sön­li­chere und mensch­li­chere Erfah­rung als ein Trikot von Messi zu kaufen.

Gab es mal eine Zeit, in der sie von der Ent­wick­lung des Fuß­balls total frus­triert waren?
Ach nein, im Grunde nicht. Man ver­steht doch den Pro­zess, dass es um Kom­merz geht. Es ist Kapi­ta­lismus, oder? Es ist ein klas­si­sches Zeit­alter des Kapi­ta­lismus. Die grö­ßeren Orga­ni­sa­tionen ten­dieren dazu Mono­pole zu schaffen. Sie bekommen die besten Spieler, sind noch erfolg­rei­cher, bekommen noch mehr Geld und noch bes­sere Spieler nicht nur aus Groß­bri­tan­nien, son­dern aus der ganzen Welt. Also ver­kaufen sie noch bes­sere Sen­de­rechte.

Wohin führt das Ihrer Mei­nung nach?
Wir haben keine Pre­mier League aus 20 Ver­einen mehr, son­dern nur noch eine Liga aus vier oder fünf Klubs, die den Titel unter sich aus­ma­chen. Aber die Ten­denz zum Monopol gibt es nicht nur bei den Klubs, son­dern auch bei den Ligen, also etwa zwi­schen der Pre­mier League und der Bun­des­liga. Die Ironie des Kapi­ta­lismus ist: Wett­be­werb tötet Wett­be­werb, denn Wett­be­werb führt zum Monopol. Wenn man das mal ver­standen hat, geht es nicht mehr um Frus­tra­tion, son­dern darum, einen anderen Weg ein­zu­schlagen. Die Revo­lu­tion fängt bei Bath City an.

Kann das Kon­zept eines Mit­glie­der­klubs in Eng­land sport­lich zum Erfolg führen oder ist das für Sie zweit­rangig?
Das geht Hand in Hand. Dadurch, dass der Klub mit der Stadt besser ver­bunden ist, kommen auch mehr Leute und man bekommt bes­sere Spieler. Statt der bis­he­rigen Abwärts- bekommt man dann eine Auf­wärts­spi­rale.

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Ken Loach, 79, ist ein bri­ti­scher Regis­seur und Dreh­buch­autor. 2009 drehte er (mit Eric Can­tona in der Haupt­rolle) den viel beach­teten Film Loo­king for Eric“. In unserer aktu­ellen Aus­gabe 11FREUNDE #167 findet ihr eine große Repor­tage über Loach und den Klub Bath City FC. Jetzt im Handel, im 11FREUNDE-Shop oder im App-Store.