Ken Loach, Sie enga­gieren sich in Bath für die Über­nahme des lokalen Fuß­ball­klubs, wie groß ist gene­rell Ihr Inter­esse an Fuß­ball?
Ich habe immer gerne Fuß­ball geschaut und war Fan der Mann­schaft des Ortes, wo ich gerade gelebt habe. Anstatt Fan einer großen Mann­schaft von irgendwo zu sein, die man nicht sehen kann. Es geht doch darum, die eigene Mann­schaft jeden zweiten Samstag zu sehen – und zwar live im Sta­dion. Also gab es in meinem Leben drei Mann­schaften. Zunächst mal die aus Nune­a­teon, wo ich geboren wurde. Als wir später für etwas mehr als zehn Jahre in London gewohnt haben, bin ich zu Fulham gegangen. Ein netter Klub mit einem schönen Sta­dion, der damals gerade eine große Zeit hatte. 1974 sind wir nach Bath gezogen, und eigent­lich wollte ich da keinem Team mehr folgen.

Warum nicht?
Der Schmerz ist immer größer als das Ver­gnügen. Aber dann stellte ich fest, dass Sams­tag­nach­mit­tage ein­fach nicht das­selbe waren, wenn man nicht zum Fuß­ball geht und ich fing wieder damit an. Tja, das war vor mehr als 40 Jahren. Seitdem gehe zu jedem Spiel von Bath City FC, wenn ich in der Stadt bin.

Wie ist das Leben eines Klubs in der sechsten Liga in Eng­land?
Der Fuß­ball ist nicht schlecht, denn die meisten Spieler sind ehe­ma­lige Profis und die Jungen könnten welche werden. Der Wunsch, gewinnen zu wollen, ist genauso groß wie in höheren Ligen. Aber die Zuschau­er­zahlen schrumpfen, weil viele junge Leute Fuß­ball nur noch auf dem Fern­seher oder am Com­puter ver­folgen. Sie sagen, dass sie Fans von Man­chester United, Arsenal oder Chelsea sind, aber sie sehen ihre Mann­schaften nicht mehr im Sta­dion. Zugleich wird es für uns immer schwie­riger, die Zuschau­er­zahlen von früher zu bekommen.

Warum wollen Sie den Klub seinen bis­he­rigen Besit­zern abkaufen und in einen Mit­glie­der­verein ver­wan­deln?
Das würde die Per­sön­lich­keit des Klubs fun­da­mental ver­wan­deln. Bis­lang gehört er wenigen, die nicht mehr wollen, als ein­fach nur jeden Samstag eine Mann­schaft auf den Platz schi­cken. Dazu stopfen sie mit ihrem eigenen Geld Löcher, wenn Zuschauer- oder Spon­so­ren­ein­nahmen nicht aus­rei­chen. Anstatt dessen hätten wir breiter gestreuten Besitz unter demo­kra­ti­scher Kon­trolle. Außerdem würde der Klub zu einem Zen­trum für lokale Akti­vi­täten, von denen Fuß­ball nur ein Teil wäre.

Sind das für Eng­land, wo Fuß­ball­klubs immer eher Unter­nehmen als Ver­eine waren, nicht unge­wöhn­liche Ideen?
Das stimmt, aber oft haben Fuß­ball­klubs als Arbei­ter­klubs ange­fangen. Man­chester United begann als ein Klub, in dem Bahn­ar­beiter Fuß­ball gespielt haben und wurde erst nach einigen Jahren von Geschäfts­leuten über­nommen. Heute gehören sie Olig­ar­chen, die damit ihre Eitel­keit befrie­digen. Vielen geht es nicht einmal mehr darum, Geld zu ver­dienen, son­dern um ihren Machismo. Die Klubs sind das Spiel­zeug der Super­rei­chen. Aber es gibt auch Gegen­bei­spiele wie FC United of Man­chester, AFC Wim­bledon oder den FC Ports­mouth, wir sind also nicht die ersten.

Die Klub­be­sitzer in Bath sind keine Olig­ar­chen oder Super­reiche, son­dern ein­fache Leute, die viel­leicht sogar froh wären, wenn sie den Klub los­würden.
Ja, es gibt hier keinen offen­sicht­li­chen Böse­wicht, das sind nette Leute. Aber das Modell von Ver­einen im Pri­vat­be­sitz funk­tio­niert ein­fach nicht. Wir machen jede Saison ein­fach nur immer mehr Schulden. Des­halb müssen wir das Netz weiter spannen. Wenn die Leute einen kleinen Anteil kaufen können, haben sie das Gefühl, dass es ihr Klub ist und ent­wi­ckeln stär­kere Loya­lität.