Fuss­ball in 3D, hat die Welt darauf gewartet? Man weiß es nicht, aber neu­gierig macht es ja schon. Ein Elek­tronik-Gigant aus dem asia­ti­schen Raum über­trägt in diesem Jahr erst­malig aus­ge­wählte WM-Spiele – deutsch­land­weit in 27 Kinos. Drei davon befinden sich in meiner Heimat Berlin. Zum Halb­fi­nale Uru­guay – Nie­der­lande ist end­lich mal kein über­ra­gendes Wetter und so ergreife ich die Chance und besuche das Astra-Kino in Ober­schö­ne­weide, um mir einen Ein­druck von dieser tech­ni­schen Inno­va­tion zu ver­schaffen. Und wie war es? Inter­es­sant allemal. Will ich nie wieder Spiele im zwei­di­men­sio­nalen Raum sehen? Das nun auch nicht.



Aus­ge­rüstet mit Bier und Pop­korn nehme ich im Saal Platz und sehe die ver­schwom­menen Umrisse eines Spiel­feldes. Dann setzte ich die 3D-Brille auf und befinde mich im Hand­um­drehen IM STA­DION. Die Kamera zeigt die bereits gut gefüllte Haupt­tri­büne und ich bin mit­ten­drin. Hinter mir, neben mir, unter und über mir – Palaver, Gesänge und natür­lich auch Getröte. Dann werden die Spieler beim Auf­wärmen gezeigt. Ich stehe tat­säch­lich auf dem Platz. Mit Diego Forlan, Wesley Sneijder und all den anderen. Gib mich die Kir­sche“ (o.ä.) möchte man rufen. Beein­drucktes Staunen.

Arjen Robben sprintet auf mich zu

Beim Schwenk über die Gesichter der Spieler wäh­rend der Hymnen möchte man jedem noch einen auf­mun­ternden Klaps mit auf den Weg geben, so nah fühlt man sich. Und dann beginnt das Spiel – übri­gens ohne Kom­mentar. Acht Spe­zi­al­ka­meras wurden an den Sei­ten­li­nien posi­tio­niert und das macht sich schnell bemerkbar.

Keine Gele­gen­heit wird aus­ge­lassen, um auf eine Spiel­feld­rand-Per­spek­tive zu wech­seln. Spä­tes­tens als Arjen Robben auf mich zusprintet, muss meine Beglei­tung mir den Mund wieder zuschieben. So eine Dynamik habe ich – wenn über­haupt – nur im Sta­dion erlebt.

Kein Ein­druck von der Mann­schafts­leis­tung

Man befindet sich mit den Spie­lern quasi auf Augen­höhe und ist natur­gemäß mit einer ganz anderen räum­li­chen Tiefe kon­fron­tiert, als in der Totalen“, die ihren Namen in diesem Fall aller­dings kaum ver­dient hat. Genau da liegt näm­lich der Hund begraben. Die 3D-Totale zeigt höchs­tens ein Drittel des Spiel­feldes und wird ver­gleichs­weise selten ein­ge­setzt. Ja sicher, man möchte das 3D-Fee­ling so gut wie mög­lich zur Gel­tung bringen, aber was ist mit dem Spiel als sol­ches? Es ist nahezu unmög­lich, sich einen Ein­druck von der Mann­schafts­leis­tung zu machen. Wie bewegen sich die Stürmer, wenn sie den Ball ver­loren haben, wie ver­schieben sich die ein­zelnen Mann­schafts­teile und wo gibt es freie Räume für die Angreifer? All das kommt zu kurz. Sowas inter­es­siert ja eh nur die Fuss­ball-Nerds? Mög­li­cher­weise.

Das Spiel ist vorbei. Ich nehme die Brille ab und lege rund 10.000 km in einem Wim­pern­schlag zurück. Eben noch in Süd­afrika, inmitten von tau­senden Zuschauern und abklat­schend mit Mark van Bommel. Jetzt in Ober­schwei­neöde“ in einem nicht mal halb gefüllten Kino und das Bier ist auch noch alle.